Review

Vor kurzem wurde bekannt, dass Hollywood sich die Rechte für ein Remake von Bangkok Dangerous gesichert hat und dass Nicolas Cage die Hauptrolle übernehmen soll. Nur stellt sich die Frage, ob der thailändische Action-Export diese optische und inhaltliche Frischzellenkur überhaupt nötig hat.

Deaf, not dumb
Kong (Pawalit Mongkolpisit) hatte eine schwere Kindheit. Ständig wurde er von den anderen Kindern gehänselt und mit Steinen beworfen. Dabei kann er nicht einmal was dafür, denn Kong ist taubstumm. Jahre später ist er als Reinigungskraft auf einem Schießstand angestellt und lernt seinen späteren besten Freund und Mentor Jo (Pisek Intrakanchit) kennen, der ihn den Gebrauch von Schusswaffen sowie den körperlichen Kampf lehrt. Ein paar Jahre später ist Kong der gefährlichste und beste Auftragskiller in Bangkok und erledigt Leute im Namen eines Verbrechersyndikats. Trotz all der Gewalt und der Stille in seinem Leben lernt er die hübsche Apothekerin Fon (Premsinee Ratanasopha) kennen und verliebt sich in sie. Trotz der Kommunikationsbarriere verstehen sie sich blendend, bis sie überfallen werden und er in Notwehr die Angreifer erschießt und Fon zwar rettet, sie aber gleichzeitig auch verschreckt. Zu allem Überfluss wird dann auch noch die Jos Freundin Aom (Patharawarin Timkul) vergewaltigt und dieser will sie rächen, doch die Hintermänner sind mächtiger als er ahnt und töten ihn skrupellos. Schwer getroffen von dessen Tod, macht sich Kong auf, blutige Rache zu üben…

Break the silence
Dieses thailändische Actiondrama von den Pang Brothers ist eine echte Überraschung. Die Geschichte um den stillen Killer, der die Liebe seines Lebens findet und ihr doch nicht sagen kann, was er empfindet und in einem Strudel von Gewalt und Tod versinkt, nimmt den Zuschauer von Anfang an in Beschlag. Vor allem ist das Pawalit Mongkolpisit zu verdanken, der mit seiner Darstellung so viel aus dem doch recht limitierten Ausdrucksvermögen seiner Figur mit Mimik und Gestik herausholt, dass er sofort sympathisch wirkt. Die wunderschöne Premsinee Ratanasopha als Fon weiß ebenfalls durch ihr emotionales und natürliches Schauspiel zu überzeugen. Die Love & Revenge-Story ist stimmig erzählt, doch sicherlich nicht das Innovations-Nonplusultra. Doch bei all dem Drama kommt auch die Action nicht zu kurz. Blutige Shootouts und explizite Aufnahmen verhindern verständlicherweise eine Jugendfreigabe, fügen sich aber passend in den Plot ein und machen keinen unnötigen oder selbstzweckhaften Eindruck. Das exotische Flair von Bangkok wurde von der Kamera anschaulich eingefangen und gibt ein facettenreiches Bild dieser Stadt und der Landeskultur wider. Außerdem wird auch nicht mit Stilmitteln wie Flashbacks, Zeitlupe oder Verwischeffekten gegeizt, was den surrealen Eindruck noch verstärkt. Am Budget lag es scheinbar, dass die Optik nicht so überragend ist wie in thematisch ähnlich angesiedelten Produktionen und die Musik dudelt, bis auf den Titelscore, doch recht belanglos vor sich hin, doch das ist hier zweitrangig. Man sollte sich lieber auf die bis zum Schluss fesselnde, spannende und rührselige Story konzentrieren, die durch die überzeugenden Darsteller und deren intensives Spiel aufgewertet wird und den ganzen Film zu einem Vergnügen macht, das nicht viele Schwachstellen hat. Fernab von den Effekte- und Ballershows eines John Woo haben die Pang Brothers hier einen Film geschaffen, der viele Hollywood-Werke in den Schatten stellt und von der Inszenierung her mindestens ebenbürtig ist.

Ansehen!
Ja, auch aus Thailand kommen Filmperlen, wie man an Bangkok Dangerous gut sehen kann. Starke Darsteller, gefühlvolle Story und harte Actionszenen vermischen sich hier zu einem Actiondrama, das nicht im Entferntesten ein US-Remake benötigt. Noch dazu, wenn dort der Killer sprechen können wird und man dem Plot somit von vornherein das einzigartige Flair nimmt, das die Pang Brothers ihrem Original so eindrucksvoll zu verleihen vermochten.

Dialoghighlight: „ “

Fazit: 8 von 10 Ohropax

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