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„Universal Soldier“ war das Hollywood Debüt von Roland Emmerich und markierte seinerzeit den endgültigen Durchbruch van Damme´s als Actionstar. Komplettiert durch Dolph Lundgrens toller Darstellung des Bad Guy Sgt. Andrew Scott wurde „UniSol“ ein Duell zweier Actionikonen, bei dem fast 20 jahre später Fans weltweit mit der Zunge schnalzen. In der zweiten Hälfte der 90-iger neigte sich van Damme´s Kinokarriere dem Ende, woran auch die Fortsetzung und Comebackversuch „Universal Soldier – The Return“ nichts änderte. Zwar vollgepackt mit Action und stellenweise tollen Kampfszenen, im Gegenzug aber einem hundsmiserablen Script und dümmlichen Dialogen/Gags konnte der Film bei dem Kinopublikum nicht punkten. 

„They send me to Bulgaria into a fucking factory“ ...  mit diesem Satz und dem dazugehörigen Dialog aus dem Drama/Biopic „JCVD“ beschrieb der Belgier ganz gut seine derzeitige Karriere. Umso unverständlicher wurde seine Beteiligung an „Universal Soldier: Regeneration“, zumal er kurz zuvor noch eine Rolle in Stallones Actionvehikel „The Expendables“ ablehnte. Fakt ist, dass JC anno 2007 unmittelbar vor Drehbeginn zu „The Smashing Man“ aus dem Projekt ausstieg und somit Produzent Moshe Diamant einiges an bereits in die Preproduction geflossenes Geld flöten gegangen ist. JC schuldete ihm somit noch einen Film. Ob er ohne diese Vorgeschichte an dem Film mitgewirkt hätte darf ganz stark bezweifelt werden. 

Nachdem zuerst Simon Fellows (Until Death, 7 Sekunden), dann P.J. Pesce (Lost Boys 2) für den Regieposten gehandelt wurden, landete man schließlich bei John Hyams, der bisher nur mit der Doku „The Smashing Machine“ auffiel. John Hyams ist der Sohn von Peter Hyams der als Regisseur mit Topstars wie Douglas, Connery, Schwarzenegger u.a. arbeitete und auch neben van Dammes "Sudden Death" dessen finanziell größten Kinoerfolg „Timecop“ inszenierte. Peter übernahm die Arbeit des Director of Photography was diesen Billig-Actioner deutlich aufwertet. 

Zur Story: Ein russischer Armeeheini entführt die Kinder des russ. Präsidenten und verschanzt sich mit seiner Truppe in den Überresten des AKW´s Tschernobyl. Er droht damit die Reaktorüberreste zu sprengen, wenn nicht einige seiner Kameraden freigelassen werden. In seinem Dienste steht ein abtrünniger Wissenschaftler des UniSol - Projektes der ihm einen supidupi Next Generation UniSol – kurz: NGU – (dargestellt von MMA - Klopper Andrei „The Pit Bull“ Arlovski) zu Verfügung stellt. Eine Kommandotruppe aus US-Soldaten und russischer Armee, verstärkt durch 4 herkömmliche UniSols, soll das ganze wieder gerade biegen. Das ganze geht gewaltig in die Hose und die Truppe wird vom NGU ordentlich aufgeraucht. Also muss die ultimative Waffe her: Luc Deveroux (van Damme) wird wieder reaktiviert und aufgemotzt um dem Spuk ein Ende zu setzen. Der abtrünnige Wissenschaftler hat aber noch einen Trumpf im Ärmel: ein Klon von Luc´s altem Nemesis Sgt. Andrew Scott (Dolph Lundgren) -> Showdown ... rumsbums .... rattatata! 

Wir befinden uns im Billigsektor und Gedreht wurde in einer alten Fabrik und einem verlassenen Kasernengelände in Bulgarien. Die Ausstattung der Akteure ist recht ordentlich, aber nichts weltbewegendes. Man merkt die fehlende Kohle an allen Ecken und Enden. John Hyams kündigte einen Film an, der optisch einen Hauch von Doku versprühen soll und verleiht dem ganzen somit einen eigenen Touch. Unterstützt durch die Kameraarbeit seines Vaters (man merkt das er weis was er tut) sieht das ganze dann auch vernünftig aus – nicht bahnbrechend neu, aber erfrischend anders.  

Eine richtige Geschichte erzählt der Film nicht, sondern erinnert mehr an ein visuelles Kriegstagebuch. Das ganze funktioniert erstaunlich gut und langweilt keineswegs. Die erste halbe Stunde bietet allerlei flotte Action in Form von einer Verfolgungsjagd, Schießerein und Nahkämpfen. Das 2. Drittel lässt es etwas ruhiger angehen und überbrückt die Zeit erträglich bis zum halbstündigen Showdown. 

Für Skepsis vorab sorgte vor allem der Umfang der Beteiligung von JC und Dolph, sowie der Fakt, dass Arlovski der Hauptdarsteller mit der meisten Screentime ist. Lundgren hat seinen „glorified cameo“ der einfach Sahne ist. Die Macher bauten JC aber so geschickt ein, dass seine Präsenz permanent spürbar ist. Man merkt kaum das es kein van Damme – Film, sondern ein Film mit van Damme ist. Toll gemacht. 

Die Schießerein in diesem Film kommen über den Status „solide“ nicht hinaus. Bei dem Cast (zusätzlich Jon Foo und Mike Pyle) erwartet man aber auch mehr handgreifliche Auseinandersetzungen. Die gibt es zu genüge und sind toll in Szene gesetzt und gefilmt. Kein Schnittgewitter, keine wildes Kameragefuchtel ... schön übersichtlich und mit genügend Drive. An dem Punkt an dem JC zum Showdown ansetzt dürfte es auch dem letzten Genrefan nicht mehr langweilig werden. Dabei gibt es einige Szenen die besonders herausstechen. Wohl inspiriert von John Woo´s Krankenhausszene aus „Hard Boiled“, räumt van Damme ein Gebäude ohne das die Szenerie durch einen Schnitt unterbrochen wird. Im weiteren Verlauf darf er dann auch ein wenig mit ´nem Messerchen rumspielen was ebenfalls toll rüberkommt.  

Da mit Lundgren und Arlovski gleich zwei Hauptwidersacher vorhanden sind gibt es dementsprechend auch zwei längere Kampfszenen. Hier gilt wieder oben genanntes -> toll in Szene gesetzt und gefilmt, ohne Schnickschnack und ausuferndes Zeitlupengedöns. Lundgren und JC kloppen und werfen sich in bester UniSol - Manier quer durchs Gebäude. Wände stellen keine Hindernisse dar und werden eben durchbrochen. Das die beiden alten Haudegen die stellenweise derben Stunts nicht selber machen dürfte klar sein. Die Doubles sind bei genauem Hinsehen als solche zu erkennen, aber lange nicht so auffällig wie die des Kollegen Seagal. Auch Arlovski darf ordentlich austeilen. Er hat als Fighter eine gute Präsenz on Screen und zeigt einige tolle Moves. Van Damme kämpft in diesem Film so gut wie schon lange nicht mehr.  

Der Score ist eine Sache für sich. Es gibt hier keine Melodien, keine charakterbezogenen Themes etc. Die ganze Begleitung besteht aus atmosphärischen Sounds und Effekten. Das unterstützt diese optische Kälte und Trostlosigkeit des Filmes ungemein, auch wenn es auch hier budgetbedingt an fähigem Personal mangelt. Diese Art der Untermalung kann man mögen, muss man aber nicht. Die Idee ist gut, bei der Umsetzung hapert es an der Qualität. 

Arlovski als Hauptdarsteller spricht keine 10 Worte. Das ist für diese Rolle auch ausreichend. Seine physische Präsenz ist über jeden Zweifel erhaben und verfehlt seine Wirkung nicht. Lundgren ist ruckizucki wieder im alten „Scott – Gewand“ und es macht einfach Spaß ihn in der Rolle wiederzusehen. Van Damme versucht mit seinen durchaus vorhandenen schauspielerischen Fähigkeiten seiner Rolle mehr Tiefe zu verleihen, dies wirkt hier aber etwas fehlplatziert. Mike Pyle gibt als Anführer der Kommandoeinheit ein gelungenes Filmdebüt und darf auch gern wieder kommen. Schauspielerisch gibt’s hier nix zu glänzen. „UniSol: Regeneration“ ist die Abhandlung eines kriegerischen Szenarios. Ohne Mätzchen, Gags, Twists und anderes Zeugs. Ein reiner Männerfilm den wohl keine Frau sehen will.  

Im Endeffekt ist Teil 3 der UniSol Reihe ein gelungener Actioner der sich aus der Masse der Ostblockproduktionen positiv abhebt. Tolle Action, ein eigenständiger Look, eine kalt und trostlos wirkende Atmosphäre, sowie gute Leistungen der Haupt- und  Nebendarsteller hieven den Film ins obere Wertungsdrittel. John Hyams darf als Regisseur gern wiederkommen. Papa Peter ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Van Damme darf künftig aber gern auch wieder eine Rolle übernehmen in der er nicht so depressiv und ausgelaugt daherkommt. 

Insgesamt gesehen ein gelungenes fieses Filmchen für Genrefans. Alle anderen werden mit den Augen rollen.
Für ein tränendes Auge sorgt das Potential was hier schlummert. Das was sich die Macher ausgedacht und auf den Screen gebracht haben ist wirklich toll, leidet aber unter akuter Geldknappheit. Etwas mehr Zeit und mehr Kohle für Ausstattung und Sets hätten den Film richtig gut getan. Dennoch ... 7,5 / 10 

Die Option für eine Fortsetzung ließ man sich offen. Wieder mit van Damme? – Unwahrscheinlich ... und dann aber auch mit noch weniger Budget.

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