Review

Die ersten Meldungen schienen zu schön, um wahr zu sein: Die Actionikonen Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren, beide auf dem Direct-to-DVD-Markt noch immer gut im Geschäft, dabei im Gegensatz zu Kollegen wie Snipes und Seagal größtenteils auch qualitativ überzeugend, sind vor der Kamera wiedervereint in ihren Kultrollen aus Roland Emmerichs 1992er Sci-Fi-Remmidemmi-Klassiker „Universal Soldier". Auf dem Regiestuhl nimmt Peter Hyams' Sohn John Platz und hat den Herrn Vater als Kameramann an Bord - beste Voraussetzungen für eine launige Oldschool-Actiongaudi eigentlich, wären da nur nicht das triste Ostblocksetting und das magere Drehbuch.

Terroristen haben Tschernobyl besetzt und drohen mit einer radioaktiven Katastrophe, um mehrere hundert Gefangene freizupressen. Das rasch auf den Plan gerufene Militär beißt sich die Zähne an der Tatsache aus, dass die Verbrecher einen Wissenschaftler auf der Gehaltsliste haben, der ihnen einen dem amerikanischen Regierungsprogramm gemopsten UniSol (Andrei Arlovski) zur Verfügung stellt. Als der aufgrund überlegener Technologie selbst ein Spezialkommando von vier auf ihn gehetzten Cyborg-Kollegen mühelos ausschaltet, wird der eigentlich in der Obhut einer Psychologin ein Resozialisierungsprogramm in der Schweiz absolvierende Luc Deveraux (Jean-Claude Van Damme), der dem Kämpfen abgeschworen hat, reaktiviert. Und sieht im Zuge seiner Mission auch erneut mit seinem alten Rivalen Andrew Scott (Dolph Lundgren) konfrontiert...

Die Familie Hyams kann das sich aus dieser Situation ergebende brutale Gefighte in noch so edle Optik kleiden - Ostblocktristesse bleibt Ostblocktristesse und bulgarische Fabrikhallen entsprechen einfach nicht gerade dem, was man gemeinhin unter einer attraktiven Location versteht. Die wirklich trostlosen und billigen Settings, die düsteren Grau-in-Grau-Töne und die Negativ-Assoziationen, die man als Genre-Fan aus über die Jahre gewonnener Erfahrung gegenüber Osteuropa-Schauplätzen einfach verinnerlicht hat, kosten „Universal Soldier: Regeneration" auf visueller und auch atmosphärischer Seite deutlich Punkte. Im Gegensatz zum Original und auch zum flotten ersten Sequel „The Return" von 1998 ist der B-Movie-Charakter hier allgegenwärtig.

Auch das Drehbuch erweist sich als herzlich magere und an allen Ecken und Enden schwächlende Angelegenheit: Aus dem ohnehin aufgrund der Altbekanntheit des Szenarios bedingten Spannungspotential der Regierungserpressungs-Ausgangssituation wird nichts gemacht, die eigentliche, dünne Story ist längst abgeschlossen, bevor die das DVD-Cover zierenden UniSols überhaupt aufeinandertreffen und macht auf der Zielgeraden einen entsprechend völlig ziellosen und bemühten Eindruck: Als Luc Deveraux ins Geschehen einsteigt, ist das Geschehen im Grunde längst vorbei. Überdies ist Lundgrens eher klein geratener Part als wiederauferstandener Andrew Scott eigentlich völlig überflüssig und die Handlung wäre ohne sein Mitwirken weitaus runder - nur ist andererseits das Aufeinandertreffen von ihm und Van Damme ja gerade die Hauptattraktion des Streifens.
Bevor allerdings der Schwede und der Belgier aufeinander eindreschen dürfen, liegt das Augenmerk des Films auf dem in den Credits gar an erster Stelle genannten Ex-UFC-Fighter Andrei „Pitbull" Arlovski, der zwar kein besonders ausdrucksstarker Mime, aber immerhin eine mächtige Kampfmaschine ist: In Sachen Action nämlich überzeugt „Universal Soldier: Regeneration" auf ganzer Linie und vermag seine anderweitigen Defizite dadurch streckenweise ziemlich souverän vergessen zu machen.

Rohe MMA-Fights, die bei aller Brutalität und Effektivität netterweise auch immer mal wieder Raum für den einen oder anderen wohldosierten artistischeren Move lassen, sowie sehr dynamisch inszenierte, klasse gefilmte Shootouts mixt Hyams zu einem sehr überzeugenden Krawallcocktail, der zum Auftakt mit einer Blechschaden-reichen Autojagd gar noch ein besonderes Schmankerl an Abwechslung auffährt. Besonders großartig ist Van Dammes Einstieg ins Geschehen inform einer über weite Teile schnittlos gefilmten Häuserkampf-Sequenz mit Egoshooterfeeling. Und der lang erwartete, äußerst wuchtig ausgefallene Fight gegen Lundgren macht auch ordentlich was her, wenngleich die grazilen JCVD-Moves aus dem Original der Vergangenheit angehören und roherem Geprügel Platz machen.

Es ist aber allgemein schön, den Belgier mal wieder ausgiebig kicken und schießen zu sehen, ziert er sich doch diesbezüglich in letzter Zeit gerne gehörig und möchte sich mehr als „Charakterdarsteller" verstanden wissen - ganz lassen kann er die Sache mit dem Schauspielern allerdings auch hier nicht und präsentiert sich erst als mit dem Kämpfen unglückliches Cyborg-Sensibelchen mit Psycho-Schwierigkeiten. Besonders tiefgründig oder überzeugend ist das hier aber leider nicht einmal geraten (und Van Damme kann durchaus schauspielern, unter Beweis gestellt z.B. in „Until Death"), sodass die Muscles from Brussles im Showdown-Modus absolut am besten aufgehoben sind. Hinter seinen darstellerischen Möglichkeiten zurück bleibt auch Lundgren, der in seinem holprigen Part ohnehin mehr oder weniger verheizt wird - aber letztlich geht es ja nur darum, die beiden Prügelikonen mal wieder gemeinsam in Action zu sehen, und das hat „Universal Soldier: Regeneration" zu bieten.

Fazit: Der - klammert man die TV-Filme aus - dritte Teil der „Universal Soldier"-Reihe erfüllt nicht ganz die angesichts der Wiedervereinigung der Genreikonen Lundgren und Van Damme in ihn gesetzten Erwartungen und leidet vor allem an einem schwachen Drehbuch sowie dem tristen Ostblock-Setting, das auch John Hyams' relativ edle Optik nicht nennenswert attraktiver zu gestalten vermag. Die rasanten, rohen, dynamisch gefilmten, abwechslungsreichen Actionszenen sind jedoch durchweg gelungen, sodass „Universal Soldier: Regeneration" sich definitiv zu den 2010er-Veröffentlichungen rechnen lässt, die Genrefans auf keinen Fall verpassen sollten.

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