Review

Failan ist einer der besten koreanischen Filme die ich bisher sehen durfte, allerdings auch einer der traurigsten die ich bisher ertragen durfte. Es gibt wohl kaum einen Menschen der am Ende bzw. beim Abspann nicht eine Träne wegdrückt und wie erstarrt vor dem Bildschirm sitzt und dieses Lächeln der Endsequenz immer und immer wieder sehen möchte, das Lächeln der Erlösung.

Failan erzählt die Geschichte zweier Menschen, die sich leider nie persönlich ( lebend ) getroffen, aber einander unendlich viel geben konnten. Wer glaubt dass so etwas nicht möglich sei, der schaue sich den Film einfach mal an.
Zuerst wird der Kleinganove Kang-jae ( meisterhaft gespielt von Choi Min-sik ) portraitiert. Sein kleines beschissenes Leben inmitten von Kleinkriminalität und Korruption wird gute 30 Minuten vorgestellt und man glaubt schon einen falschen Film zu sehen. Was man allerdings sieht ist ein gebrochener Mensch. Kang-jae fühlt sich zu keiner Minute wohl in seiner Haut und träumt von einem Fischerboot und einem anderen Leben. Sein Jugendfreund hat mit ihm die jetzige Gang aufgebaut, ist heute sein Boss und Kang-jae ist irgendwie nicht weitergekommen. Die jungen wilden Nachkömmlinge behandeln ihn respektlos und sein Boss selber kann ihn kaum noch schützen. Kang-jae wird mehr und mehr zum Problem innerhalb der Organisation. Nachdem sein Boss auf offener Strasse einen Konkurrenten erschlägt und der Versuch der Beseitigung der Leiche scheitert, bittet er Kang-jae für ihn in den Knast zu gehen. Der Deal sieht vor dass Kang-jae danach aussteigen kann und sein Boss ihm sein Fischerboot spendiert. Kang-jae verkauft sich an seinen Boss, doch alles kommt ganz anders.
Da Kang-jae sich nicht nur an seinen Boss verkauft hat, nimmt die Geschichte einen vollkommen andere Wendung. Eine junge Chinesin strandet in Korea um dort bei ihren Verwandten zu leben, diese sind schon lange fort und sie steht plötzlich ohne einen Menschen da. Diese junge Chinesin ist Failan ( ebenfalls meisterhaft gespielt von Cecilia Cheung ) und sie gerät an eine Art Vermittlungsagentur der Organisation. Diese Vermittlungsagentur dient natürlich dem Menschenschmuggel, ein Problem also nicht nur aus Europa. Dort werden Ehen mit Koreanern vermittelt, dann gibt es ein Visum und Failan darf bleiben und in Korea Geld verdienen. Ihr vermittelter Ehemann wird Kang-jae und er verkauft sich an die für ihn vollkommen unbekannte junge Frau. Er kassiert das Geld und sie muss es abarbeiten, er schaut sie nicht einmal an und sie entkommt nur knapp der Vermittlung an ein Bordell, er vergisst schnell dass er überhaupt verheiratet ist und sie verliebt sich in sein Bild während sie in einer Wäscherei von einem Leben mit ihm zusammen träumt. Die gütige und sanftmütige Failan nimmt Kang-jae so wie er auch immer zu sein scheint an und er erkennt noch nicht einmal diesen Engel der in sein Leben getreten ist.
Dann stirbt Failan plötzlich und Kang-jae muss ihre Beerdigung organisieren ; bevor er also für seinen Boss in den Knast gehen kann, soll er diese persönliche Sache erledigen.
Jetzt lernt Kang-jae fast schon zwangsläufig seine Frau kennen und aus der belächelten dummen Chinesin Failan wird der Engel der Erlösung für ihn. Diesen Wandel bekommt der Film so glaubwürdig hin, dass es einem die Tränen in die Augen treibt.

Nach den einführenden 30 Minuten in denen Kang-jae vorgestellt wird, beginnt der Film verschachtelt zu erzählen. Die Ankunft Failan´s und ihre kurze Geschichte in Korea wechseln mit der Reise Kang-jae´s zu ihrer Beerdigung ab. Beide bekommen sich lebend im Film nicht zu sehen, allerdings begegnet sie ihm tot auf dem Sterbebett. Und Kang-jae erfährt durch zwei Briefe von ihrer Liebe zu ihm, sieht ihr Bild im Zug und realisiert ihre Schönheit, beginnt bzgl. ihrer Liebe zu rätseln.
Diese ihre Liebe ist so ohne Fragen und Voraussetzungen, sie vergibt alles, sie fragt nie, sie hört niemals auf und sie erreicht ihn am Ende auch. Der Wandel seiner Person durch diese fast schon erlösende Liebe eines "Engels" ist grandios, Kang-jae kauft sich einen Anzug zu ihrer Einäscherung, er nimmt ihre Urne und legt sie den gesamten Film über nicht mehr aus der Hand, er liest ihren zweiten Brief mit der Urne in der Hand am Strand und beginnt bitterlich zu weinen, er will aussteigen und nicht für seinen Boss in den Knast gehen. Am Ende erkennt er den Engel Failan und wird erlöst.

Noch ein paar Worte zu Cecilia Cheung ; sie hat nicht die grosse Präsenz in diesem Film aber die Momente die sie hat gehören ganz ihr. Der gesamte Film beginnt mit ihrem Auftritt zu strahlen, ihr Lächeln und ihre gütige und sanftmütige Art bringen alles zum Schmelzen. Ich schreibe vollkommen bewusst nicht unterwürfig, ich finde sie ist auf ihre Art ganz und garnicht unterwürfig sondern ganz im Gegenteil der stärkste Charakter im Film.
Wenn sie zwei Zahnbürsten kauft und diese im Bad einfach nur anschaut, wenn sie am Meer steht und nur auf die offene See schaut, wenn sie beim Dorfarzt nach Ablehnen der Behandlung leise und fast unmerklich den Raum rückwärts gehend und sich verneigend verlässt, wenn sie ihre Chefin bei der Arbeit schwitzend anlächelt und sich mit dem Handrücken durchs Gesicht fährt, und wenn sie ganz am Schluss des Films am Strand gefilmt schüchtern lächelt... dann ist sie so präsent in diesem Film wie man nur sein kann.

Einfach die Taschentücher bereitlegen und dieses kleine Meisterwerk anschauen. Und am Ende besiegt die Liebe wirklich alles, nicht umsonst ist sie das grösste und stärkste Gefühl das uns gegeben ist.
10 Punkte für ein Meisterwerk.

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