Review

Dazlak ist türkisch und bedeutet Skinhead.
Das ist primär das Einzige, was man aus diesem Fernsehspiel mitnimmt.
Bereits die Grundkonstellation verweist auf ein überheblich-verkünsteltes, politisch korrektes Lehrstück einer Pseudo-Filmelite für das Fußvolk:
Ein Skinhead (ach, du Schreck!) wird nach einem Autocrash von einer alternativ-Hippie-schlumpfigen Tussi mitgenommen. Er kotzt natürlich in die Karre und ramponiert die Front. Eine kleine Odyssee beginnt. Da wird auch noch ein schwarzer Tramper mitgenommen (meine Fresse!), das gibt natürlich Konfliktpotential.
Was uns der Film letztendlich mit seinem schwammigen Aufbau und der verspielt-absurden Geschichte sagen will, ist: Nicht alle Skinheads sind Böse, auch Ausländer können Doof sein, wir können doch alle Freunde sein.

Eine zwiespältige Angelegenheit, begibt sich der Film mit seinem realitätsfremden Grundton und einiger Albernheiten doch ins Abseits der naiv-verkrampften Sonderschul-Pädagogik.
Andererseits weiß er grad durch die märchenhafte Erzählweise und ungeschminkte Bilder zu gefallen. Sein Hauptproblem ist sein Thema.
Wurde der Film gedreht, um den Durchschnitts-Spießer über unpolitische Skinheads aufzuklären, um der Masse eine Jugendkultur zu erklären, oder um Anhänger einer gewissen Gruppierung ihren Kult zu verklären? Für mich ist dieser Film mit diesem vorliegendem Stil jedenfalls so oder so gescheitert.

Hinderlich sind natürlich auch völlig mißlungene "Actionszenen", wie die Schlägerei mit den Türken. Der Hauptdarsteller rollt sich auf dem Boden hin und her, und seine Gegner streifen ihn leicht mit ihren Schuhen... Realismus geht anders, war aber wohl auch nicht Ziel der Übung. Viele Dialoge und Szenen sind einfach strange, was teilweise aber auch schon wieder paßt und Dazlak zugute kommt. Der eigenwillige Erzählstil bekommt seinen Klimax im letzten Drittel, wobei in der Orgien-Szene (wohl eher unbewußt) sogar Schlingensief-artige Dimensionen erreicht werden. Aufbruch der Film-Struktur, ad absurdum führen der Charaktere, Katharsis in einer dokumentarischen Essens-Sequenz.

Das Endergebnis kann dabei leider nur ungenügend sein. Wir erfahren die Figuren nicht als "echt". Das aufgesetzte aber unfertige Ende nach dem eigentichen Abgang ist ärgerlich.
Klischees werden Umschifft um auf der anderen Seite doch bedient zu werden. Die Kernaussage ist Weltfremd und Rhythmus sowie Stil unausgewogen.

Trotzdem werden Cineasten und Filmnerds eventuell genügend positive Aspekte finden. Skinheads, egal welcher couleur, wohl eher nicht. Und ich sehe mich da zwischen den Stühlen, ganz abgesehen von meiner Frisur. 4/10

MovieMadness

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