Das hier könnte bei einem Crossover-Kreuzungsversuch eines wahnsinnigen Indnependentfilmers sein, der gleich zwei Kühe, die gegensätzlicher nicht sein könnten, paaren und deren Brut anschließend leermelken will: man stelle sich vor, dass die überlebenden Mitglieder der berüchtigten Klasse von 1984 zum Austauschjahr in das Heimatdorf der reitenden Leichen verbannt wurden, ihrer liebevollen Gastfamilie entkommen sind und nun unbeaufsichtigt amoklaufend durch die Gegend irren, bis sie endlich die Konsequenzen für ihr Scheißverhalten einstreichen müssen. DAS könnte die Terrorgang sein! Nur dass Regisseur Tomas Aznar seinem Amikollegen Mark L. Lester glatte zwei Jahre voraus war und mit diesem Film seinen Abschied von der Kamera gefeiert hat. Also leider kein Crossover. Aber trotzdem ein Spaß für die ganze Familie, so sie denn disfunktional genug ist, um den freitäglichen Filmabend mit sowas zu verbringen.
Einige Leute sammeln Briefmarken, andere wiederrum Schnitzer im Kerbholz. Bei dem punkähnlichen Gesellschaftsaussatz, den wir hier begleiten, ist besagtes Kerbholz nicht nur auf Zahnstocherlänge zurückgestutzt, sondern auch noch mit einem Schwefelkopf ausgestattet worden, um noch den letzten Rest Hoffnung in Brand stecken zu können. Wobei bei den vier Gestrandeten hier schon sehr wenig abzufackeln ist. Merke: in deinem Leben läuft wirklich was schief, wenn du nach einem profitabel wirkenden Raubmord immer noch ein gähnendes Loch in der gangeigenen Drogenkasse vermelden musst. Unsere Jungstraftäter machen sich also nach dem ersten Verbrechen des Filmes auf, um dem Sammelalbum namens Vorstrafenregister noch mehr Akten hinzuzufügen und währenddessen noch etwas Bargeld für ihren Dealer aufzutreiben.
Nach einem Überfall auf einem Restaurant in Tateinheit mit einer handvoll Erschießungen, bei der unter anderem der Vierte im Bunde seinen bereits angekratzten Lebensatem aushauchen darf, sowie zweifacher Geiselnahme zweier anderer ausgemachter Drecksäcke suchen die zukünftigen Vollzugskandidaten Zuflcht bei einer alten Dame, die mit Hund und Enkel ein kleines Häuschen bewohnt und Zicken macht, als man sich an ihrem Hab und Gut vergreift, was schließlich in handfester Brandtiftung mündet. Was die Drei und ihre beiden Geisel nicht wissen: Ömchen hat den direkten Draht zum Beelztebub und beschwört eben jenen, den kleinen Arschgeigen mal so richtig auf's Dach zu steigen, woran scheinbar Polizisten, Bewährungshelfer und Pädagogen grandios gescheitert sind. Nach einigen harmlosen Vorzeichen (defekte Bremsen, gruseliger Progrock im nicht abschaltbaren Autoradio: ein wahrer Albtraum echter Punks!) durfen dann auch die ersten richtigen Gruselereignisse ihren Lauf nehmen, bis die ersten Fetzen fliegen, man es irgendwann mit drolligen Knuddelzombies zu tun bekommt und Ömchen ihren Frieden beim Ernten der letzten verdorbenen Seele finden darf.
Wieder einer jener Kandidaten, bei denen man sich nach der Berechtigung der damaligen Indizierung fragt: statt Horror gibt es hier bestenfalls wohliges Gruseln, der nie über das Härteniveau damals gängiger Heftromane hinausgeht. Kompetent inszeniert ist das allemal, man darf nur keine heftigen Gorespitzen erwarten. Dafür hat man hier sichtlich mehr Wert auf eine gruselige Atmosphäre und passende Kulissen gesetzt und dem ganzen besonders im ersten Filmdrittel jede Menge Schmier und Schmutz hinzugefügt getreu dem Motto "Scheiß auf den Weichzeichner, klatsch Dreck auf die Linse!" Hinzu kommen heftiges Overacting und ein geiler Soundtrack zwischen Graborgel, Schmierrock und Pornofunk.
"FIcker auf der ganzen Welt ich rufe euch an, vereinigt euch mit mir!": Nur, weil die Gewalt nicht auf romero'sches Niveau heraufsteigt heißt das noch lange nicht, dass der Film hier seriös ist: Im Gegenteil, gerade im hochkatholischen Spanien dürften die ketzerischen Sackgesichter dem ein oder anderen sauer aufgestoßen sein. Eine Kirche, in der die drogen - und gewaltverstrahlte Schicksalsgemeinschaft Zuflucht finden darf wird nicht nur zum Entfachen eines Lagerfeuers teilzerlegt und zum Vortragsort einer verdammt asozialen Parodie der Bergpredigt zweckentfremdet, sondern darf auch noch als Kulisse für eine Sexszene herhalten und letztlich bezeugen, wie einer der laienpredigenden Punks onanierend in besagtes Lagerfeuer ejakuliert. Zum Glück nur angedeutet, wobei das mit Sicherheit DER Kandidat für den ungewöhnlichsten Cumshot der Filmgeschichte gewesen wäre. Empfindlichen Christenseelen sei hiermit in Manier des katholischen Filmdienstes vom Genuss des Filmes abgeraten, wenn man nicht gerade einer Strömung des Christentums angehört, die Horrorfilme zur Selbstkasteiung nutzt.
Die Terrorgang ist herrlicher Unsinn, bei dem es schade ist, dass er es hierzulande nur auf Video respektive DVD/Blu Ray geschafft hat. In entsprechenden Kinos würde der Film so richtig rocken. Apropos entsprechende Kinos: an der Stelle ein Dankeschön an den Autor Christian Keßler, der mir den Film in einem seiner Trashfilmbücher schmachaft machte sowie an den Filmhändler meines Vertrauens, der mir das Ding besorgte. Ein coronaverseuchtes Osterwochenende 2022 wurde damit sehr viel amüsanter.