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Tja, das waren noch die guten alten Bullen-Zeiten! Während der dicke Polizist aus Tölz heutzutage größtenteils nur noch (gute) Krimi-Standardware vollbringt, so konnte er vor allem zwischen 1996 und 2000, mit vielen absolut wunderbaren Kriminalfilmen protzen, die die Krimireihe zu dem gemacht haben, was sie bis heute ist: Das absolut Beste, was das deutsche Privatfernsehen in diesem Genre zu bieten hat. "Rote Rosen" gehört dabei, neben "Waidmanns Zank", zu den absoluten Höhepunkten der Reihe!

Und das liegt vor allem daran, dass diese Folge mal nicht so ganz typisch für den Bullen ist, obwohl die Standardelemente der Reihe nicht außer Acht gelassen werden. Schon die Story hat mal mehr als den üblichen Mord zu bieten. Denn in Tölz geht ein Spanner um, der schon 3 Frauen auf brutale Weise überfallen hat. Sein viertes Opfer allerdings findet sogar den Tod und die Kriminalpolizei hat es nun nicht "nur" mit einem Spanner zu tun, sondern auch mit einem eiskalten Killer.

Was bei diesem Bullen vor allem heraussticht ist das clever konstruierte Drehbuch, das hauptsächlich durch seine knackigen Wendungen punkten kann. Nicht nur das der Mörder bis zum bitteren Schluss kaum sichtbar ist und sogar Benno für eine kurze Zeit der Verdächtige ist, nein so hat es für eine zeitlang sogar den Anschein, dass Bennos Kollegin Sabrina ein Verhältnis mit ihm hat. Mit viel Schmackes wird hier ein Tatverdächtiger nach dem anderen abgehakt, nur um am Ende zu zeigen, dass der wahre Täter jemand ist, mit dem man nun überhaupt nicht gerechnet hat. Kleine Logiklücken verzeiht man da dem Drehbuch gerne. Das stehts und ständige "an der Nase herumführen" des Zuschauers funktioniert hier prächtig!

Aber auch in seiner Inszenierung sticht dieser Bulle merklich hervor. Während die meisten Filme der Reihe, neben des Kriminalparts, doch sehr stark auch auf eine gewisse Humor-Note bedacht sind, so geht es bei "Rote Rosen" dieses mal doch spürbar ernster zu. Zwar granteln Benno und seine Mutter bzw. Benno und Sabrina auch hier köstlich miteinander herum, doch das spürbar weniger als sonst. Dafür wird die Düsternis-Note hier spürbar angezogen und ab und an macht sich eine richtige Thriller-Stimmung breit, wenn es in Tölz Blitzt und Donnert, wenn einzelne Szenen aus der Sicht des Täters gefilmt werden oder wenn Sabrina und Benno den vermeintlichen Täter in Sabrinas Wohnung stellen. Spannend und mitunter sogar recht atmosphärisch, kann dieser Bulle sogar mal Schweißperlen auf der Stirn bilden.

Ansonsten gibt es auch noch einen wunderbar düsteren Score zu vermelden, der dieses mal einschlägt wie eine Bombe und ebenfalls kräftig zur Thriller-Stimmung beiträgt. Und dazu der, für einen Bullen-Krimi, doch recht ungewöhnliche Einsatz von so manchem Farbfilter (vor allem während des Gewitters), der seine Wirkung ebenfalls nicht verfehlt. Kurzum, auch in Sachen Inszenierung kann dieser TV-Krimi absolut punkten.

Darstellermäßig ist dafür natürlich alles auf bekanntem Niveau. Ottfried Fischer kann natürlich immer noch nicht wirklich schauspielern, doch das macht er dafür wieder wunderbar. Eigentlich gibt es kaum einen Darsteller, der mit seiner Unfähigkeit in Sachen Schauspielerei so positiv punkten kann, wie er. Seine tapsige Darstellung des genauso gemütlichen wie cleveren Bullen, wirkt genauso hilflos wie überzeugend. Eine eigentlich unmögliche Mischung, die (anscheinend nur) bei ihm wirklich prächtig funktioniert. An seiner Seite die wie immer sehr smarte Katerina Jacob und das bayrische Schauspieler-Urgestein Ruth Drexel, die auch im hohen Alter noch eine großartige Schauspielerin ist. Einfach nur wunderbar!

Fazit: Nach "Waidmanns Zank" einer der absolut besten Bullen-Filme aller Zeiten. Ein cleveres Skript, viele knackige Wirrungen und Wendungen, eine herrlich düstere Inszenierung und ein, wie immer, wunderbar agierendes Schauspieler-Team, ergeben einen der spannendesten und schweißtreibendsten Bullen-Streifen überhaupt. Dazu der typische (wenn auch zurückgeschraubte) Witz und viel bayrischer Charme. Bullen-Fans sollten sich dieses Highlight der Reihe jedenfalls nicht entgehen lassen!

Wertung: 9/10 Punkte

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