Review

„In dieser verdammten Stadt scheint es nur Gewalt zu geben!“

Auch Italo-Regisseur Michele Massimo Tarantini („Flotte Teens und heiße Jeans“) wollte in den 1970ern im Poliziesco-Genre mitmischen, konnte Henry Silva („Der Berserker“) für die Hauptrolle gewinnen und lieferte mit dem 1976 veröffentlichten „Blutiger Schweiß“ durchaus solide Arbeit ab.

Militär-Major Altieri (Henry Silva) wird von Rom nach Mailand strafversetzt, da er etwas zu integer und aufmerksam für seine Stellung ist. In Mailand gerät er unvermittelt in einen Strudel aus Verbrechen, Gewalt und Gegengewalt und muss feststellen, dass die Gangster mit modernsten Schusswaffen ausgestattet sind, die eigentlich ausschließlich in die Hände des Militärs gehören. Zusammen mit Kommissar Tosi (Antonio Sabato, „The Riffs II – Flucht aus der Bronx“) kommt er einem bis in höchste Militär- und Politikkreise hineinreichendem Komplott auf die Schliche…

„Man will nur ordentliche Zustände haben und schon wird da von Polizeistaat gefaselt!“

„Blutiger Schweiß“ pendelt ein wenig zwischen Selbstjustiz-Actioner und anspruchsvollerem Polit-Thrill-Kino. So gibt es einerseits eine verschwörerische Hintergrundgeschichte, welche indes nicht sonderlich ausgefeilt wurde, und andererseits einen Kommissar mit markigen Sprüchen und eben Henry Silva als die Dinge selbst in die Hand nehmenden Militärangehörigen, der sich auch nicht abhalten lässt, wenn man ihm auflauert, ihn übel zurichtet und immer wieder sein Leben bedroht. So richtig herauskristallisiert sich die Verschwörung erst gegen Ende, jedoch ahnt der aufmerksame Zuschauer sie bereits von Beginn an und ist sie somit keine große Überraschung. Dafür ist das Ende unfassbar garstig geraten und wertet den Film auf, der bis dahin gespickt ist mit Verfolgungsjagden, Motorradstunts, Explosionen und Schießereien. Ständig werden arglose Passantinnen als Kollateralschäden über den Haufen geballert, doch werden Gewalt und Chaos auch kontrastiert von kitschigen Szenen voller Liebe und Idylle, die Altieri mit seiner hübschen neuen Freundin Anna (Silvia Dionisio, „Gewalt – Die fünfte Macht im Staat“) zeigen – einer Beziehung, der selbstverständlich auch kein guter Ausgang vergönnt ist. Sonderlich realistisch mutet das alles nicht an, viel mehr exploitativ überzeichnet, was sich naturgemäß jedoch nicht negativ auf den Unterhaltungswert auswirkt. Wer Silva bereits aus anderen Filmen kennt, wird sich bereits an seine eiserne Miene gewöhnt haben, dennoch eventuell einen umso fideleren Gegenpart wie beispielsweise Milian in „Der Berserker“ vermissen. Der Soundtrack der De-Angelis-Brüder passt mit seinen treibenden Rhythmen recht gut zum Geschehen, bizarre Ideen wie eingearbeitete Schreie, während Altieri böse vermöbelt wird, lassen aufhorchen.

Fazit: Für Genre-Fans grundsolide Kost im oberen Durchschnittsbereich, aber kein Überflieger, den man unbedingt gesehen haben muss.

Details
Ähnliche Filme