"Wenn noch mehr Dämonen angreifen, können wir die Stadt nicht mehr schützen."
Die Welt Terca Lumireis erhält ihren Fortschritt und Wohlstand durch die magische Substanz Aer. Für gewöhnlich tritt diese in geringen Mengen auf, in der Nähe der Stadt Sizontania allerdings ist es unerklärlich hochkonzentriert, lässt die Blätter von Bäumen welken und ruft Dämonen herbei. Die jungen Ritter Yuri Lowell und Flynn Scifo sowie die Zwillingsschwestern Hisuka und Chastil Aiheep erforschen diese merkwürdigen Vorkommnisse, die Sizontania und deren Bevölkerung bedroht. Hauptmann Nylen Fedrock erfährt währenddessen von der im Wald lebenden Forscherin Rita Mordio, dass sich der Ursprung für das vermehrte Vorkommen an Aer in einer abgelegenen Ruine befindet.
Production I.G ("Ghost in the Shell"- Reihe, "Jin-Roh") erzählt in "Tales of Vesperia: The First Strike" die Vorgeschichte zu dem Videospiel "Tales of Vesperia". Bereits für die animierten Szenen im Spiel war das Studio tätig, die überwiegend furios ausfielten. Dies fehlt dem abendfüllenden Anime ein wenig.
Eine Verfilmung in Anlehnung eines Rollenspiels ist immer ein gefährliches Unterfangen. Während ein Spiel in 20 und mehr Stunden Welt und Charaktere ausführlich beschreiben und eng an den Spielenden binden kann, ist dies selbst in einem 2 Stunden Film erheblich schwieriger. Genau darunter leidet "Tales of Vesperia: The First Strike" dann auch.
Die komplexe Welt mit ihren speziellen Eigenheiten und Bezeichnungen wird nur rundimentär erklärt, wodurch Vorkenntnisse äußerst sinnvoll sind. Ohnehin funktioniert der Anime eher als Ergänzung zum Videospiel anstatt als eigenständiger Film. Gerade da eine Vielzahl an aus dem Spiel bekannter Charaktere nur sehr kurz vorkommen.
Der Schwerpunkt der Handlung liegt auf den Protagonisten Yuri und Flynn die gegensätzlicher kaum sein könnten. Dieses Konfliktpotential nutzt "Tales of Vesperia: The First Strike" aber nur für alltägliche Unstimmigkeiten und zur Belustigung. Sonderlich viel Tiefe erhalten die beiden nicht und erfahren somit eine stereotype Charakterbeschreibung, die kaum Substanz hat.
Die vielen Nebenfiguren bleiben allesamt schlicht und oberflächlich ohne eine Motivation zu erhalten. Einige dienen nur der Andeutung auf Ereignisse im zeitlich später spielenden Videospiel.
Viel zu erzählen hat der Anime nicht. Nur mäßig steigert sich die Spannungskurve durch eine zunächst weniger ernst zu nehmende Inszenierung. Erst mit steigender Laufzeit legt "Tales of Vesperia: The First Strike" seinen kuriosen Humor ab und legt einen Zahn zu. Das letzte Drittel enthält dann endlich die Größe und Atmosphäre, die man von solch einem Fantasy-Epos erwartet.
Die Animation und das Gesamtdesign ist gelungen, wenn auch recht lieblos und unkreativ ausgefallen. Die Landschaften sind malerisch, die überwiegende Farbgebung bunt ist mit einem Hang zu düsteren Farben. Das einzige wirkliche Manko sind die eingefügten digitalen Effekte, die in ihrer Qualität schwanken.
"Tales of Vesperia: The First Strike" braucht etwas zu lange um sein Tempo zu steigern und die zunächst seltenen, physikalisch losgelösten und hin und wieder blutigen Kämpfe zu häufen. Da die komplexe Welt und die Charaktere nur rundimentär beschrieben werden, gestaltet sich der Einstieg für Nichtkenner des Videospiels als sehr holprig. Aber auch Kenner müssen sich auf eine nur gemächlich steigende Spannungskurve einstellen, um das epischer wirkende letzte Drittel genießen zu dürfen.
6 / 10