Was Maria Schrader in "Keiner liebt mich" nicht hat, bekommt sie in "Stille Nacht" gleich doppelt: Männer. Gleich mit zweien dieser Spezies muß es die junge und attraktive Kunststudentin Julia aufnehmen: Eine Beziehung - und eine Affäre. Beide Männer buhlen um ihre Gunst mit unterschiedlichen Mitteln. Freund Christian versuchts mit billigen Tricks und Lügen, mit Psychoterror und emotionalem Druck, Affäre Frank mit purem Sex.
"Stille Nacht" entführt uns in die Realität und spiegelt in schonungsloser Weise unsere Erlebnisse und Befürchtungen wider. So kennen wir unsere Gefühlswelt, die permanente Suche nach dem Glück auch abseits der ausgetrampelten Wege. Die Frage "was hat er was ich nicht habe" beschäftigt Frank stellvertretend für alle Männer in einer Beziehung, entweder prophylaktisch aus Sorge man genüge nicht oder tatsächlich nach einem ertappten Seitensprung seiner Geliebten. Christian zeigt durch diese Rolle die Verliererseite und Frank die Gewinnerseite: Er kann jede haben, selbst die bereits mit Männern versorgten Frauen. Und Julia ist die Frau mit allen Seiten und Charaktereigenschaften. Mal spielt sie die eine Seite aus, mal die andere. Mal ist sie liebende Hausfrau und werdende Mutter, mal ist sie das Flittchen auf der Suche nach dem nächsten erotischen Trip.
Da kann sie es natürlich gar nicht gebrauchen wenn ihre Affäre ihr seine Liebe gesteht. Dies verkompliziert die Sache genauso wie die aufkeimende Eifersucht auf Christian, denn mit wem verbringt er wohl seine Zeit wenn nicht mit ihr?
Einige Längen muß der Zuschauer überbrücken, insbesondere wenn man sich wünscht daß Julia endlich dieses nervende Telefon zum Fenster rauswirft wie andere ihren Weihnachtsbaum, oder wenn man irgendwann zum Schluß kommt Frank wäre mit seiner unkomplizierten Art doch der unpassende für Julia und soll sich doch eine einfachere Geschichte suchen, zB. mit dem Halle-Berry-Nachbarinnenverschnitt. Soll Julia doch zu ihrem Psychoterroristen Christian zurückkehren, da passen doch zwei prima zusammen. Aber eben - wenn es nur so einfach wäre.
Das Ende bleibt offen. Der Film ist so grausam wie die Wirklichkeit. Wenn eine Frau nichtmal weiß von wem sie schwanger ist, hört's bei mir endgültig auf. Leider ist das im Film keine erfundene Spinnerei. Ein Film für Männer, die sich gefrustet über die "Scheißweiber" aufregen wollen genauso wie für Frauen, die nicht wissen was sie wollen.
(6/10)