Der erste Resident Evil-Film war seinerzeit für viele Fans eine große Hoffnung – immerhin versprach er, sich zumindest etwas an der Originalgeschichte der ikonischen Videospielreihe zu orientieren.
Und ja, von allen Teilen der später völlig entgleisten Reihe ist dies auch tatsächlich derjenige, der sich am ehesten bemüht, Elemente aus der Vorlage zu übernehmen – wenn auch nur sehr wenige oder eben ziemlich schlecht.
Im Zentrum steht Milla Jovovich als Alice – eine Figur, die es im Spiel überhaupt nicht gibt. Dennoch muss man sagen: Im ersten Teil stört ihre Besetzung noch nicht. Sie sieht gut aus, ist präsent und bringt ein gewisses Charisma mit, das zumindest in den Actionmomenten überzeugt. Rein optisch ist sie eine klare Bereicherung – und wirkt gerade im ersten Teil noch zurückhaltend genug, um nicht den gesamten Film zu dominieren, wie in den späteren Fortsetzungen.
Die Handlung spielt größtenteils in einem unterirdischen Labor – dem Hive –, wo nach einem Virusausbruch eine Spezialeinheit entsandt wird, um den Vorfall zu untersuchen. Dort stoßen sie auf die berühmte Red Queen, ein KI-System, das den Komplex verriegelt hat, und natürlich auf Zombies, Mutationen und allerlei Katastrophen. Einzelne Versatzstücke aus den Spielen (z. B. das Laser-Korridor-System) haben es in den Film geschafft, doch vieles davon ist nur noch entfernt an das Original angelehnt.
Ein Punkt, der mir auch sauer aufstößt: Michelle Rodriguez, die in dem Film wieder mal ihre Standardrolle spielt – die toughe, großmäulige, übercoole Kampf-Amazone, die mit zusammengekniffenen Augenbrauen in jeder Szene ihre krasse Härte demonstrieren muss. Das scheint ohnehin ihr persönliches Markenzeichen zu sein – egal ob Fast & Furious, Avatar oder eben hier. Leider wirkt das in Resident Evil einfach nur klischeehaft und aufgesetzt.
Diese übertriebene Coolness braucht kein Mensch – nur weil eine Frau in einer Spezialeinheit ist, muss sie sich nicht zwanghaft so verhalten. Sie hätte genauso gut glaubwürdig, professionell und ruhig gespielt werden können, ohne in diese „tough chick“-Schiene abzurutschen. Die Figur bringt dem Film nichts außer unnötige Attitüde – das hätte es wirklich nicht gebraucht.
Was dem Film ebenfalls extrem schadet, ist die durchwachsene Produktionsqualität. Einige Szenen – gerade am Anfang und gegen Ende – sehen optisch solide aus, andere wiederum wirken billig, lieblos oder einfach nur schlecht gealtert. Die Soundqualität und vor allem die deutsche Synchronisation sind teilweise wirklich schwach und ziehen das Niveau weiter herunter. Auch der Horror-Faktor bleibt trotz Zombies und Labor-Setting eher moderat. Spannung kommt nur stellenweise auf.
Und was mich persönlich besonders ärgert: Ich habe wirklich große Stücke auf diesen Film gesetzt. Ich wollte ihn lange Zeit unbedingt mögen, habe ihm immer wieder Chancen gegeben, in der Hoffnung, dass sich vielleicht irgendwann so etwas wie Nostalgie einstellt. Aber genau das Gegenteil ist eingetreten – je älter ich werde, desto beschissener finde ich den Film. Keine Sentimentalität, keine wohlwollende Rückschau, sondern zunehmende Enttäuschung über ein verschenktes Potenzial.
Das große Problem ist: Resident Evil hätte mit seinem genialen Ausgangsmaterial so viel mehr sein können. Statt atmosphärischem Survival-Horror bekam man letztlich eine Action-Variante mit Sci-Fi-Einschlag serviert – und das war leider nur der Auftakt zu einer Reihe, die sich immer weiter von der Vorlage entfernt und in völliger Absurdität endet.
Der erste Film ist am Ende ein halbherziger Versuch, das Franchise auf die Leinwand zu bringen. Einige Ideen sind nett, und für Trash-Fans hat der Film durchaus Unterhaltungswert. Doch wer Resident Evil liebt und gehofft hat, ein filmisches Pendant zum Mansion- oder Raccoon-Horror zu bekommen, wird hier enttäuscht.
Fazit
Manchmal nette Ansätze, hübsche Hauptdarstellerin, aber weder handwerklich noch inhaltlich wirklich gelungen. Kein völliger Totalausfall, aber auch keine ernsthafte Adaption des Originals.