Wes Craven hat sich ein paar Jahre nach seinem letzten Streifen Zeit gelassen, - am Aufwand für das aktuelle Drehbuch mag das kaum gelegen haben, denn das bietet eine eher phantasielose und beliebige Mischung aus Cravens bisherigen Werken, allen voran „Scream“.
Dabei hat er inszenatorisch ein wenig Fingerspitzengefühl eingebüßt, nur der Sinn für makaberen Humor kristallisiert sich glücklicherweise immer noch klar heraus.
Es ist sechzehn Jahre her, als der Massenmörder Abel für tot erklärt wurde, während es im kleinen Ort Riverton zu sieben Frühgeburten kam. Es heißt, der Geist des Killers werde zurückkehren und tatsächlich, genau an jenem Jahrestag setzt sich eine Reihe unheimlicher Morde fort. Bug und seine Mitschüler geraten dabei schnell in die Schusslinie eines verkleideten Mannes mit tiefer Stimme…
Bereits der Einstieg erinnert an die typischen Intros, die wir von Craven gewohnt sind.
Ein wenig Blut, Verfolgung, zehn Mal aufstehende Totgeglaubte und eine in sich runde Vorgeschichte, die definitiv Lust auf mehr macht.
Danach geht die Story allerdings mit den ausgetretenen Pfaden des handelsüblichen Slashers einher, ohne sich groß vom Einheitsbrei abzuheben, - bis auf ein paar Ausnahmen könnte man glatt von „Scream 4“ sprechen, ohne allerdings die angenommenen Qualitäten zu erreichen.
Auch wenn die Hauptfigur sympathisch erscheint und das Erzähltempo konstant hoch ist, kommt zu selten Mitfiebern auf, die Ableben erfolgen gänzlich unspektakulär mit Messerstichen und lediglich gegen Ende gibt es noch einige Twists und Entwirrungen, welche im Kontext abermals als Parallele zu betrachten sind, da hier unlogische Fakten en masse gesammelt werden.
Man könnte fast meinen, dass Craven ein Resümee abliefern wollte.
Dabei fällt das Augenzwinkern und das muntere Einwerfen vieler Filmzitate positiv auf. Kaum eine Szene erinnert nicht an einen Genrestreifen und selbst der Heizungskeller und der Geist im Spiegel mit Hinweis auf eine Waffe sind enthalten.
Auch die meisten Dialoge enthalten einigen Wortwitz, während sich ein paar Running Gags im Verlauf ein wenig abnutzen.
Witzig sind natürlich auch die vielen Enthüllungen mit familiärem Hintergrund, - da ist der Kosmos erst so übersichtlich, aber er wird gegen Ende wie üblich möglichst unübersichtlich verwoben.
Inszenatorisch fällt die Sache kaum auf. Kamera, Schnitt und der eher unauffällige Score von Beltrami arbeiten solide, gleiches gilt für die jungen Darsteller, von denen niemand eine Meisterleistung abliefert, aber auch nicht enttäuscht.
Craven hält sich kaum mit Nebensächlichkeiten auf und treibt die Sache von vornherein zügig voran und selbst im Alltag der oft ungehobelten Schüler gibt es ein wenig Situationskomik (Referat über den Kondor).
So kommt es zu einer Abhöraktion auf der Mädchentoilette, Belehrungen über den Umgang von Schlägen, eine unheimliche Brücke über dem Fluss, ein Schaukelpferd zum Geburtstag und natürlich der Enthüllung des Killers, welche erwartungsgemäß ein wenig ins Hanebüchene abdriftet und einige Unebenheiten einbindet.
Vielleicht sollte man mittlerweile nicht mehr von Craven erwarten, als er bereits vor zehn Jahren brachte: Kurzweilige Abläufe mit einigen Spannungsmomenten und ein unterhaltsames Spiel um die Identität des Killers.
Das ist routiniert, aber reichlich arm an Überraschungen, unterhaltsam, aber nie so wirklich mitreißend.
Fast schon etwas für Nostalgiker…
6 von 10