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Manche Streifen spiegeln die Persönlichkeit ihrer Macher deutlich wieder und wenn Drag Queen Peaches Christ alias Joshua Grannell für Drehbuch, Regie und eine kleine Nebenrolle verantwortlich ist, kann das nur ein wenig greller werden, als der gewöhnliche Horrordurchschnitt. In erster Linie ist sein Debüt jedoch eine Huldigung des Genres und eine Würdigung älterer Schmuddelkinos.

Deborah Tennis (Natasha Lyonne) ist eigentlich Bibliothekarin, doch als ihr Vater stirbt, erbt sie sein altes Lichtspielhaus, welches eigentlich vorm Bankrott steht. Kurz darauf gerät Debbie in Streit mit ihrer Stiefmutter und ersticht sie, was von den Sicherheitskameras aufgezeichnet und über Umwege einem kleinen Publikum zugänglich gemacht wird.
Debbie und der alte Filmvorführer Mr. Twigs (Jack Donner) ahnen, dass weitere Snuff-Kurzfilme beim Publikum ankommen werden…

Der Abgesang auf die alte Zeit der kleinen Kinos beginnt mit einem recht kreativen Vorspann, bei dem gemalte Filmplakate im Wechsel eingeblendet werden. Das Victoria Theatre weckt bei älteren Filmfreunden ein wenig nostalgische Stimmung, denn die Filme werden noch per Rolle auf die Leinwand projiziert, während selbst an der Kasse weit und breit kein Computer zu sehen ist und der Kinosaal von den Sitzgelegenheiten her nicht sonderlich gemütlich aussieht. Ein kleines Kino eben, von denen es heutzutage kaum mehr welche gibt.

Die Story erinnert hingegen entfernt ein wenig an „Theater des Grauens“, denn sobald Deborah etwas Negatives über sich aufschnappt, steht das nächste potentielle Opfer fest. Hilfe erhält sie dabei von ihrem Filmvorführer, Kameramann und Moderator der Kurzfilme, sowie von einem Kleinganoven und zwei Zwillingsmädchen, welche wahrlich düster und gothicmäßig daherkommen. Während des Drehs bemächtigt sich Deborah theatralischer Ausdrucksformen und Gesten und verkleidet sich gerne dem Anlass entsprechend, was zuweilen ein wenig Humor zutage fördert.

Für eine reine Komödie ist der Stoff allerdings nicht allzu spaßig ausgefallen, wenn, dann dominiert ausschließlich schwarzer Humor, der zuweilen ins Groteske abdriftet, jedoch nie plump oder zu aufgesetzt daherkommt. Hinzu kommen zahlreiche Referenzen und Zitate, wie etwa „Oh Gott! Mutter! Blut“, was man vor einigen Jahrzehnten fast genauso von Anthony Perkins gehört hat.

Die Morde, beziehungsweise Sanktionen bieten insgesamt nicht allzu viel Futter für Gorehounds. Es liegen entstellte Leichen herum, ein Mund wird zugenäht, es findet eine Enthauptung statt, zwei weibliche Brüste müssen dran glauben und es gibt einige Messerstiche, was im Übrigen komplett ohne CGI in Szene gesetzt ist.

Das Drumherum der Geschichte nimmt indes leider ab und an Drive aus dem Geschehen, da einige Nebenfiguren zuviel Screentime in Anspruch nehmen und der Horroraspekt zu sehr in den Hintergrund gerät. Dafür vermag das Finale ein wenig trösten, als eine große Aufführung mit einigen Turbulenzen einhergeht und letztlich alles aus dem Ruder gerät.
Zwar wird es insgesamt selten spannend, doch die durchweg gut aufgelegten Mimen wissen mit ihrem Eifer einige Schwachstellen zu kaschieren, denn man merkt den Beteiligten ihren Spaß am Projekt an.

„All About Evil“ ist ein Streifen für Trashfans und Freunde billig produzierter Splatterfilme wie etwa von Herschell Gordon Lewis, den man am besten in heiterer Runde mit Gleichgesinnten schaut. Kein Knaller, doch phasenweise recht amüsant, skurril und abwechslungsreich.
6,5 von 10

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