Review

Fan-Irrtümer für Fortgeschrittene.
Manchmal, aber nur manchmal…haben Horrorfans das Gefühl, sie könnten anderen ihres Schlages etwas voraus haben, weil sie in den Untiefen des Internets auf einen beinahe…fast komplett…vergessen erscheinenden…eventuell unbekannten Film getroffen sind.
Meistens trügt dieses Gefühl, denn häufig liegt es entweder an der eigenen Breitenunkenntnis oder der Film ist zurecht vergessen, von jedem DVD-Presser mit Bedacht beiseite gelegt und sollte auch auf keinen Fall archäologisch ausgegraben werden.
„Freakshow“ ist so ein Fall der letzten Kategorie.

Falls sie noch nichts von diesem Anthologieformat für Sparfüchse von 1989 gehört haben, dann macht das gar nichts. Maximale Aufmerksam erfährt dieser Film höchstens durch die Beteiligung von Audrey Landers, die einstmals ein paar Jahre die Serie „Dallas“ als Afton Cooper heimsuchte und so auch in Deutschland gewisse Bekanntheit erlangte.

Frau Landers spielt hier eine Variante von Karla Kolumna, die rasende Reporterin, hier allerdings im Bitch-Format. Nachdem direkt nach dem Vorspann ein ausgeklinkter Attentäter mit den Besuchern eines Films beim Verlassen des Kinos einen Massenmord angezettelt hat, arbeitet sie sich so karriereorientiert gefühlskalt durch die doch recht emotionale Arbeitsaufgabe, dass sogar ihr Kameramann sie hängen lässt.
Wie der Horrorfilm das so nun mal will, gerät sie auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit in eine lokale Freakshow, die aber nicht so ausfällt wie man sich das vorstellt.
Stattdessen hat man ein paar Lagerräume abgedunkelt, mit Stroboskop und Lasereffekten minderwertig aufgemotzt und dann jeweils ein Artefakt bzw. Freak in den Raum gestellt, meist irgendwelche glibberigen Props, die nicht eindeutig zuzuordnen sind. Und dann gibt’s in jedem Raum natürlich noch eine kleine Story zu erzählen.

Wer bis dahin noch wach war, kann anschließend getrost ins Bett, denn nun verwandelt sich das Billigmodell in ein cineastisches Ärgernis. Es geht los mit einem Junkie, der einen aufgerüschten Pudel im Schlepptau hat. Als er seinen Dealer auf dem Schrottplatz killt, geht der Hund mit dem Stoff durch. Höhöhö, etwas bemühter Aua-Slapstick und eine kostensparende Pointe, schnell vergessen. Episode 2 führt uns in die Wunderwelt der Pizzabringdienste, die noch nie so chaotisch und aufregend war. Weil niemand die Cheesy Crust in die Bram Stoker Lane 1313 (uhahaha) bringen will, schickt man den Bürodeppen. Der stellt sich erfolgreich doof und entdeckt dort…ja…äh…also irgendwie sind da leichtbekleidete Mädchen. Eine Menge sogar davon und manche haben Fangzähne, aber nicht vampirisch, mehr so dämonisch (was der Prop-Shop gerade da hatte). Nach allerlei Tralala hat der Nerd auch Fangzähne. Fazit: hab es vergessen, während ich es geschaut habe. Die Mädels sind aber akzeptabel.
In Episode 3 geht es um einen gefährlichen Fall von Todesstarre, was zur Teilnahme an der eigenen Autopsie führt. Die Dame ist nicht zu beneiden, aber auch hier ist die seichte Pointe eher simpel und einfallslos. Zum guten Schluss bewegen wie uns dann in „E.C.“-Territorium, wenn sich eine scharfe Witwe nach dem Tod ihres älteren Gatten ausgerechnet an den auf cool chargierenden Totengräber ranmacht und dann plötzlich die Zombies vor der Tür stehen. Originalität ist auch hier kein Thema, stattdessen wird viel gesabbelt, bis die Toten zum Finale zu viehl Gekreische attackieren.
Als Sahnehäubchen gibt es dann natürlich noch ein böses Schicksal für Frau Landers, aber sogar das – sensationell – fällt unspektakulär und blass aus.

Die Chancen sind für alle Zuschauer gut, dass man diesen Billigschnellschuss schlicht und ergreifend vor Ablauf für sich beendet. Gründe gibt es genug: C-Klasse-Darsteller, furchtbares Overacting, mieser Humor, spartanische Drehbücher, kaum Effekte, absolute Billigkulissen und ohne jede Finesse zusammen gestoppelt. Amateurfilmer im hessischen Bergland stecken die Jungs hier locker in die Tasche.

Falls euch also auf Youtube dieser Film begegnet: da sind noch andere! Nehmt besser die. Das hier hat mich 85 wertvolle Minuten gekostet. (2/10)

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