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Annähernd zeitgleich fanden zwei kanadische Streifen ihren Weg auf den Markt, welche inhaltlich sehr eng beieinander liegen. In beiden Fällen geht es um Selbstjustiz infolge des gewaltsamen Todes eines Kindes. Bei „7 Days“ stellt sich dabei mehr und mehr die Frage nach Moral und Selbstzweifel, bei diesem Streifen setzt man hingegen stärker auf explizite Foltereinlagen und lässt die Beteiligten eher oberflächlich handeln.

Arzt Craig und Frau Elise verlieren ihren sechsjährigen Sohn, als dieser vom eigenen Grundstück weg gekidnappt, gefoltert und getötet wird. Der mutmaßliche Täter Kozlowski wird in Gewahrsam genommen und erfährt ein recht mildes Urteil. Während des Gefangenentransportes schnappen sie sich den Killer und halten ihn fortan im Keller eines abgelegenen Hauses gefangen. Ihn will das Paar solange quälen, bis sich endlich Genugtuung einstellt…

Der Plot ist simpel, doch der schlichte Gedanke an das „Was-wäre-wenn-Szenario“ erlangt ohne Umschweife Interesse. Der Verlust des einzigen Kindes, Schmerz, Rache und die daraus resultierenden Aktionen, die teilweise kaum durchgeplant sind, erscheinen zunächst mühelos nachvollziehbar.
Um die tiefe Trauer irgendwie in den Griff zu bekommen, entschließt sich das Paar für einen Weg, von dem es kein Zurück mehr gibt, denn sobald der vermeintliche Schlächter auf der Holzpritsche angekettet ist und Craig, natürlich mit medizinischem Fachwissen ausgestattet, noch am ersten Abend Zigaretten auf seinem nackten Bauch ausdrückt, kann es nur noch Steigerungen geben.

Leider kommt dabei die Kommunikation ein wenig zu kurz, nur einmal gerät Elise ins Wanken, allerdings eher, weil ihr von der Tortur etwas übel wird.
Merkwürdig ist eher, dass die beiden oberhalb des Folterkellers in aller Seelenruhe poppen können, denn zweifelsohne sind sie keine ausgemachten Sadisten, die sogleich zur Tagesordnung übergehen können.
Craig ist dennoch voll in seinem Element und weiß genau, welche Spritze er wohin verabreichen muss und wie weit man den Schraubstock zudrehen kann, bevor der Fuß komplett durch ist und im Notfall bekommt er auch eine Reanimation hin, weil die Gasmaske etwas zu lange die Luft abschnürte.
Dabei kommt es zu einigen recht fiesen Einlagen, jedoch nie so ausgeschlachtet, dass es an die Schmerzgrenze des Genrefans geht.

Drumherum geschieht allerdings recht wenig. Die Cops nehmen eine Spur auf, ein argwöhnischer Nachbar auch, doch diese Nebenhandlungsstränge erlangen erst gegen Ende ein wenig mehr Bedeutung, als ein Twist zutage gefördert und die komplette Aktion des Paares in ein ganz anderes Licht gerückt wird.
Bedauerlicherweise bezieht der Streifen letztlich keine moralische Stellung, sondern bleibt an der Oberfläche hängen, ebenso wie das Hinterfragen von Schuld und Sühne arg auf der Strecke bleibt.

Darstellerisch gibt sich das Drei-Personen-Stück recht solide. Bill Moseley hat als Killer Kozlowski ein paar markante Momente, während Jesse Metcalfe und Erika Christensen zumindest innerhalb der emotionalen Momente, sprich, der intensiven Trauerzeit authentisch agieren, später mangelt es ihnen an Facetten, was wiederum dem etwas einfältigen Skript geschuldet ist, welches den beiden nicht immer sonderlich ausgeklügelte Dialoge in den Mund legt.

Ansonsten können zwar die Splattereffekte mit teilweise detaillierten Ansichten punkten, doch besonders zu Beginn wirken einige grobkörnige Flashbacks ein wenig deplatziert, zumal die Erinnerungsmomente an glückliche Zeiten oftmals in starkem Kontrast mit der Gegenwart stehen und dabei zu wenig Emotionalität zutage fördern.
Gleiches gilt für den Schlussakt, denn als man das Publikum noch einmal schocken will, läuft alles viel zu schnörkellos und rasch ab, als dass man die Ereignisse noch in Ruhe auf sich wirken lassen könnte.

Folgerichtig wird mit diesem Streifen die Zielgruppe des Folterfilms angesprochen, jene, die ohne Augenzwinkern oder sonstiges Auflockern über die Runden kommt und keinen sonderlich cleveren Background benötigt, um sich über die Zeit, in diesem Fall nur 74 Minuten, unterhalten zu lassen.
Aufgrund der immer tauglichen Prämisse wäre gewiss mehr Tiefgang drin gewesen, so ist es primär der Glaubwürdigkeit des Paares und des Gefolterten zu verdanken, dass die Sache am Ende nicht zur Beliebigkeit verkommt.
Passabel, aber kein Highlight.
5,5 von 10

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