Deutschland nach dem Krieg. Die Zeit des Aufbaus, der Kriegsheimkehrer - und der Halbstarken. Die Halbstarken sind jung, cool, gutaussehend und haben die "steilsten Weiber" - so deren Selbstverständnis. Ihnen kann keiner was. Ein Mitglied dieser Nachwuchsgang ist Freddy (Til Schweiger). Seine Einstellung ist bezeichnend für eine ganze Generation: sie nehmen sich was sie wollen, unbehelligt leben sie so wie sie es für richtig halten, rebellisch, kompromißlos. Ganz klar: Freddy hat auch die schönste Freundin von allen (Sandra Speichert), so wie es sich gehört für den "Anführer" zu dem er sich nach und nach mausert.
Im Schwimmbad klauen sie eines Tages einen Kofferradio. Damit beginnt der Abstieg. Immer tiefer verstrickt sich die Truppe um Freddy in kriminelle Machenschaften. Kleineren Diebstählen folgt schnell ein Einbruch und auch dabei bleibt es nicht. Immer größere "Geschäfte" locken, immer stärker wird die Sehnsucht nach dem großen Geld, immer brutaler und rücksichtsloser ihr Tun, immer skrupelloser die Einstellung.
Der Film zeigt die Gefühle und Sehnsüchte der Jugend von damals. Der Krieg hat ihnen und ihren Familien alles genommen, jeder träumt von Luxus und Reichtum. Wenn man nichts hat ist man schnell bereit alles zu tun um nur wenig zu bekommen.
Interessant vorallem auch die ansonsten in der Filmwelt selten anzutreffende Darstellung der Motivation unseres Protagonisten: Die Habgier der Frau, die den Mann anspornt. In diesem Fall ist es Sissy, ein Luxusweib, für die Freddy all dies tut - denn als Gegenleistung für seine Gewalt und Verbrechen erhält er ihre Liebe. Dieser Aspekt wird interessant dargestellt, der Film verkürzt sich auf die Reduktion dessen und zeigt anhand dieses Extrems die Käuflichkeit der Menschen. Freddy wird von Sissy gekauft mit Liebe, Sissy wird von Freddy gekauft mit Geld. Eine wechselseitige dauerhafte Form der Prostitution, philosophisch betrachtet bedingt eins das andere, jedem ist klar was er tut und verabscheut es und kann doch nicht davon ablassen, ist doch die bedingte Folge dessen so zuckersüß. Freddys Sehnsucht nach Liebe, die ihm durch das Elternhaus verwehrt blieb, Sissys Sehnsucht nach Reichtum um endlich dem Alltagstrott als ärmliche Friseuse zu entrinnen.
Der Film presst das Motiv auf das Minimalste und stellt es ohne Ausschweifungen dar. In jeder Szene zeigt sich die Machtspielchen und die gegenseitige Abhängigkeit. Keiner kann vom anderen lassen, obwohl er es gerne würde. Der Teufelskreis dreht sich immer schneller, die Spirale zieht sich immer enger zusammen bis zum Finale, das so schrecklich wie vorhersehbar ausfällt, ja - ausfallen muß.
Eine Lehre kann man nicht draus ziehen, denn wir alle erliegen jeden Tag der Versuchung und erleben die Anfänge dieser Abhängigkeit. Was ist ein Mensch bereit zu tun? Welches Ergebnis das einen erwartet ist wieviel Einsatz wert? Welche Sehnsucht ist man bereit zu befriedigen, welche bleibt unberücksichtigt zurück und nagt ein tiefes Loch in uns hinein? Es gibt kein Entrinnen, weder für Sissy, Freddy und seine Freunde noch für uns. Nur endet es bei uns nicht in der Kriminalität.
(6/10)