Review

Direkt einmal vorweg: Die niedrige Freigabe in deutschen Landen für „Die letzten Glühwürmchen“ muss eigentlich jedem ein Rätsel sein, der den Film gesehen hat. Denn dieser Film ist in seiner schockierend traurigen Machart gänzlich ungeeignet für kindliche Gemüter. „Am 21. November 1945 bin ich gestorben.“ Spätestens nach diesem ersten Satz des Filmes muss es auch für den letzten verständlich sein, dass dieser Film nicht für Kinderaugen gemacht wurde.

Japan 1945: Durch Angriffe der amerikanischen Luftwaffe wird die Stadt Kobe fast vollständig zerstört. Betroffen von diesen Bombenangriffen sind auch der 14jährige Seita und seine kleine Schwester Setsuko. Ihr Haus liegt vollkommen in Trümmern und wenig später erliegt ihre Mutter den schweren Verletzungen, die sie durch die amerikanischen Angriffe davongetragen hat. Obdach finden die beiden bei ihrer Tante, die die beiden jedoch nach kurzer Zeit wieder aus ihrem Haus herausekelt. In ihrer Verzweiflung suchen die beiden Zuflucht in einer Höhle, die nachts von Glühwürmchen erhellt wird.

Hier wird das Grauen des Zweiten Weltkrieges auf eine ganz andere Art gezeigt. Nicht die harten Kämpfe an den Fronten stellen die Rahmenhandlung, sondern der Fokus wird bewusst auf die Schwachen und Hilflosen gesetzt. Es wird das Schicksal von zwei zivilen, in ihrer Hilflosigkeit gefangenen, Opfern gezeigt, die sich mit allen erdenklichen Mitteln zunächst die Freude am Leben und schließlich das Leben selbst erhalten wollen. Auch wenn der Zuschauer bereits durch den ersten Satz des Filmes darauf vorbereitet ist, dass es wohl kein Happy End bei den „Letzten Glühwürmchen“ geben wird, trifft die grausam-realistische Darstellung der Geschichte der beiden Geschwister den Zuschauer wie ein kerniger Schlag in die Magengrube.

Der vor allem von Seita erbittert gefochtene Überlebenskampf präsentiert sich mit fortlaufendem Filmverlauf immer härter und drängt sich so dem seelisch bereits schwer angeschlagenen Zuschauer immer stärker auf. Zeigt der Film im einen Moment noch Hoffnung, so schwingt er im nächsten Moment wieder vollkommen um und präsentiert sich in einer Stimmung der Hoffnungslosigkeit, die wohl zu Zeiten des Krieges auf der Tagesordnung steht.

„Die letzten Glühwürmchen“ ist ein ehrlicher, geradliniger Antikriegsfilm, der wohl gerade weil er als Zeichentrickfilm zunächst harmlos wirkt, den Zuschauer unerwartet hart trifft. Ein Muss für jeden, der mit der unverblümten Darstellung von menschlichen Tragödien umgehen kann. Volle 10 Punkte für den wohl besten und von seiner Botschaft her wichtigsten Vertreter seines Genres.

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