Melancholie des Sterbens
Kurz bevor das Studio Ghibli überhaupt seinen Namen bekam und sich auf den Weg zu Weltruhm machte, entstand vielleicht ihr größtes Meisterwerk, ein Meilenstein der gemalten Filmkunst. "Die letzten Glühwürmchen", ein zutiefst berührendes Kriegsgemälde über einen Jungen im kriegsgebeutelten Kobe der 40er, der versucht sich und vor allem seine vierjährige Schwester vor den Gefahren des Krieges zu schützen... "Prinzessin Mononoke" ist episch und "Chihoros Reise" zauberhaft, "Der Soldat James Ryan" mitreißend und "Son of Saul" niederschmetternd, "The Burmese Harp" human und "Dunkirk" atemlos - doch "Grave of the Fireflies" vereint all diese Filme und deren Attribute in sich, ist ein unvergessliches Kunstwerk, das zwischen Schmerz und Schönheit übergangslos switchen kann. Wie ungeschönt und unromantisch hier das Schicksal, die Verzweiflung und der Überlebenskampf eines ganzen Volkes porträtiert wird, ist kaum auszuhalten. Dieses nicht zu verpassende Werk hat ein Power, die ich selten im Medium Film erlebt habe.
Der Anime von 1988 hat den Ruf einer der traurigsten Filme überhaupt zu sein und dem wird er vollkommen gerecht. Man muss nichtmal weinen wie ein Schlosshund um zu merken, wie schwer diese dramatische & realistische Kriegsgeschichte einem auf dem Herzen liegt. Man ahnt zwar ihren Ausgang, man weiß wie hart Krieg auch für die Zivilbevölkerung sein kann, man kennt ähnliche Stories - und trotzdem treffen einen immer wieder Spitzen der Gewalt, des Schocks und der enttäuschten Hoffnung, dass man nur noch schnaufen und weinen kann. Wunderschön gemalt, von poetischer Schönheit, und im Endeffekt ein hart zu schluckender oder öfters zu guckender Brocken. Wie gerne würde man den zwei, der kompletten Familie, ein positiveres Schicksal wünschen - aber man weiß ganz genau, dass es in echt tausendfach nicht anders war. Dieser Realismus macht einen noch regungsloser. Einen wichtigeren Anime als "Hotaru no haka" wird man kaum finden und ein weiteres solches drastisches Meisterwerk konnten selbst die Ghibli-Zauberer nie mehr wiederholen.
Fazit: der traurigste Zeichentrickfilm der je gemalt wurde... härter, emotionaler und schonungsloser als fast alle sonstigen Kriegsfilme. Will man nicht oft sehen, aber seine Meisterklasse steht außer Frage. Eine Säule des Filmgenre Anime und der Beweis dafür, wie weit gezeichnete Kunst in unser Herz eindringen kann. Vergisst man nie mehr.