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Die Geschichte erinnert ein wenig an die wahre Begebenheit, wonach ein Österreicher seine Tochter und die durch Vergewaltigungen entstandenen Kinder 24 Jahre im Keller gefangen hielt.
In diesem Fall hält ein Paar ihre drei fast erwachsenen Kinder auf dem Grundstück des umzäunten Landhauses gefangen, welches sie niemals verlassen dürfen, - erst wenn ihnen einer der Eckzähne ausfällt, also eher nie…

Was von der Grundidee Spannung verspricht, ist wohl das sperrigste und sprödeste, was der Grieche Lanthimos daraus basteln konnte.
Man wird in ein kryptisches Wirrwarr aus bizarren Vorkommnissen gestoßen, bei denen die Emotionslosigkeit, die Distanz und Gleichgültigkeit über allem liegen.
Die Kinder sind zwangsläufig mit sich allein beschäftigt und denken sich allerlei Wetten aus, die über normale Grenzen hinaus gehen, etwa, wer am längsten den Finger unter heißes Wasser halten kann oder wer nach Einnahme des Narkosemittels als erstes aufwacht.
Die Mutter ist hingegen eher passiv, während der Vater die Regeln aufstellt und - warum auch immer - Begriffe vertauscht.

So wird Salz zum Telefon, die Muschi zur Tastatur und ein Zombie ist laut Mutter eine kleine gelbe Blume. Jene Zuordnungen bringen ab und an noch ein vages Schmunzeln in die ansonsten gnadenlose Tristesse mit ihren ewig langen Einstellungen, den wenigen Dialogen, dem komplett ausbleibenden Score und abrupt gesetzten Schnitten.
Zweifelsohne spielen sämtliche Beteiligte sehr gut, doch was nützt es, wenn man die Situation ohne auch nur eine Erklärung so hinnehmen muss. Es gibt kein sichtbares Motiv der Eltern, noch einen Grund, warum der Sohn regelmäßigen Besuch von Dads Mitarbeiterin bekommt, damit er sexuelle Befriedigung erfährt. Gleichermaßen ist jene Frau es, die Inputs von außen gibt, was an sich ein viel zu hohes Risiko für die Eltern darstellt.
Ebenso hanebüchen ist es, reale Flugzeuge als Modelle abzustempeln und eine gewöhnliche Katze als menschenfressende Kreatur zu kategorisieren.

Auf Dauer wird man von dem Treiben schlicht blöd in der Birne, da keine Pointe in Aussicht ist, noch ein befriedigender Ausgang vorgesehen scheint. Demgegenüber nimmt die inzestuöse Komponente zwangsläufig zu, einige Einstellungen gehen ein wenig ins Explizite über und auch ein paar Gewaltausbrüche (Stichwort Hantel) brechen aufgrund des zuvor bestehenden Stilllebens wie ein Vulkan über einen herein.
Tatsächlich liefert die Geschichte eine überaus mageren Abschluss, der noch nicht einmal konsequent bis zum Ende durch exorziert wird und folgerichtig so stutzig macht, wie der Streifen als solcher.

„Eure Mutter wird zwei Kinder und einen Hund zur Welt bringen“, - nur selten stolpert man über humorige Einschübe und nur wenige Augenblicke sind es, die ein Minimum an Suspense aufkommen lassen. Denn ansonsten wird teilnahmslos vegetiert, was zwar aufgrund der Situation der Kinder nachvollziehbar und in gewisser Hinsicht adäquat umgesetzt ist, Vergnügen bereitet es hingegen nicht und wirklich tiefgründigen Sinn ergibt das Ganze auch nur für Leute, die in einem Taubenschiss noch ein Kunstwerk sehen…
3 von 10

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