Nach dem Verschwinden ihres Mannes verfällt eine Polizistin dem Suff, entfremdet sich von Tochter und Geliebtem. Eines Tages wird sie mit einem Mann konfrontiert, der ein thailändisches Mädchen gekauft hat und nun nicht verrät, wo er sie versteckt hält. Zwischen den beiden entspinnt sich ein Duell, wer den stärkeren Willen hat.
Nach seinem finsteren Vergewaltiger-Drama „Der freie Wille“ wendete sich Regisseur Matthias Glasner in „This is Love“ weiteren dunklen Seiten des menschlichen Seins zu: Kinderprostitution, Menschenhandel, der Kampf gegen pädophile Neigungen und emotionale Abhängigkeiten sind die Themen seines prominent besetzten Films, der erzählerisch elegant aufgebaut ist und die zwei Hauptfiguren über diverse Rückblenden hinweg verschachtelt zueinander finden lässt. Dabei scheut er auch nicht davor zurück, die Einschätzung der Zuschauenden bezüglich der Figuren immer wieder radikal auf den Kopf zu stellen: Sieht man Jürgen Vogel und Jens Albinus anfangs in einem Kinderbordell in Thailand, wie sie sich ein Mädchen aussuchen, wird schnell klar, dass sie keine Pädophilen sind, sondern in Wahrheit versuchen, Kinder aus diesen Menschenhändlerringen freizukaufen und in Deutschland an Adoptiveltern zu vermitteln. Dass Albinus' Figur dabei offensichtlich immer wieder mit pädophilen Gefühlen zu kämpfen hat, macht diesen Handlungsstrang zu einem spannenden, fesselnden und finsteren Element, das immer wieder packen kann.
Von Corinna Harfouchs Part kann man das leider ganz und gar nicht sagen. Nicht nur wirkt ihre traurige Backgroundstory arg aufgesetzt – verletzte Gefühle, hinterhältige psychische Manipulationsversuche, eine kaputte Ehe und schließlich der Absturz in den Suff – auch ihr angebliches schweres Schicksal als Alkoholikerin kommt größtenteils unglaubwürdig daher. Gleich zu Beginn gibt es eine wirklich peinliche Szene, in der sie stockbesoffen ihre Tochter und deren Freund empfängt und dabei sämtliche Register in Sachen Besoffenen-Klischees zieht; später dann wird ihr Alkoholproblem eher nur behauptet statt gezeigt, denn wenn es sein muss, scheint sie auch keinerlei Problem damit zu haben, längere Zeit nichts zu trinken. In dieser Hinsicht wirkt das Drehbuch so, als hätte der Autor keinerlei Ahnung von echtem Alkoholismus.
Auch in anderer Hinsicht gleitet „This is Love“ immer wieder in typisch deutsche Kitsch- und Klischee-Abgründe. Lustige Runden mit Kolleginnen und Kollegen werden mit viel Gelächter und plötzlich einem melancholischen Song dargestellt, Streitgespräche (allen voran mit ihrem Kollegen und Ex-Geliebten, der eine unrühmliche Rolle beim Verschwinden ihres Mannes spielte, auch eher gelangweilt verkörpert von Devid Striesow) kommen melodramatisch und mit plumpen Dialogen daher. Überhaupt die Dialoge: Immer wieder gibt es erklärende Dialoge der simpelsten Sorte, etwa von Vogel Albinus erklärt, dass mit Menschenhandel mehr Geld als mit Drogen zu machen ist. Wenn sie schon fünf Kinder befreit haben, werden sie das ja wohl wissen. Hinzu kommen Ungenauigkeiten in der Handlung – von der anfänglich erwähnten Räumungsklage, die der Polizistin droht, ist einfach nie wieder die Rede – und unglaubwürdige Details: Es dauert ziemlich lange, bis irgendwer es merkwürdig findet, dass zwei Männer mit einem kleinen Mädchen unterwegs sind, das nicht einmal dieselbe Sprache spricht.
Der diskussionswürdigste Punkt des Films dürfte allerdings das Verhältnis zwischen dem erwachsenen Mann und dem geretteten Mädchen sein: Lange bleibt es zwischen den beiden angespannt und faszinierend-eklig, etwa wenn er sie nach einem Albtraum ins Bett zurückbringt und sich nach kurzem Zögern und sichtbar selbst angewidert zu ihr legt. Glasners Bemühen um Verständnis für Täterperspektiven war schon in „Der freie Wille“ ein diskutables, aber allemal spannendes und durchaus legitimes Ziel. Wenn hier am Ende aber das Mädchen freiwillig für sexuelle Erleichterung sorgt und das auch noch als irgendwie schräges Happy End dargestellt wird, sollte man sich wirklich fragen, welche Perspektive hier eigentlich akzeptiert wird. Bis dahin bleibt diese Konstellation aber zugegebenermaßen höchst spannend und ambivalent und macht es nicht allzu leicht, sich ein klares Urteil zu bilden. Das Leben ist nun einmal oft nicht so eindeutig, wie man es gerne hätte, das wird hier in den stärksten Momenten immer wieder deutlich.
„This is Love“ ist ein Film der verpassten Chancen. Formal ist er größtenteils stark inszeniert, übertreibt es diesmal auch nicht mit dramatischen Szenen im Regen oder ähnlichen Klischees, erzeugt dafür durch kaputte Figuren, deren Motivationen lange im Halbdunkel bleiben, eine intensive und düstere Atmosphäre, torpediert sich selbst aber permanent durch Unglaubwürdigkeiten und arge Simplifizierungen. Wenn man sich bei allen Figuren so viel Mühe gegeben hätte wie bei dem zentralen verbotenen Pärchen, hätte das ein großer Wurf werden können. So siegen am Ende doch wieder allzu oft deutsche Filmklischees und Oberflächlichkeiten.