Trotz der würdelosen Torpedierung durch die Hauptdarsteller mit ihrer Sauferei (ich habe Lee Marvin schon immer verachtet seit "Das dreckig Dutzend", hier kommt auch noch Burton aus "Agenten sterben einsam" dazu, damit die beiden deutsch-feindlichsten Kriegsfilme vertreten), ist dem sehr fähigen Regisseur Terence Young der beste Anti-Rassismus-Film aller Zeiten gelungen, denn kein anderer zeigt so eindringlich die rohe und menschenverachtende Gewalt des KuKluxKlan und zugleich ihre Verlogenheit ("Unsere Losung: Die Schwachen zu schützen vor den Übergriffen der Gewalttätigen"). Dazu ihre Verknüpfung bis in höchste Richter- und Politiker-Ebenen.
>>Kurzum: Dieser Film schafft es beim Zuschauer einen feurigen Hass gegen die Rassisten zu erzeugen. Das hat bei aller zugegeben größeren Seriosität weder "Missisippi Burning" noch "In der Hitze der Nacht" oder "Der Hass ist blind" geschafft - alles strukturell sehr gute Filme und in den Augen der altbacken-etablierten Kritikerschaft "die besseren Filme"....
.....aber ist etwas wirklich "besser", nur weil es in biederer Darreichungsform erscheint?
Wer sind denn die gewaltbereiten Rassisten? Sind das Professoren der Philosophie, oder sind es rüde Schläger? Wie erreicht man denn Schläger, die in Gefahr stehen, nach Rechts abzudriften besser? Mit seriösen, behutsamen Filmen oder mit gewalttätiger Action?
Dieser Film richtet in der Szene aus der das Potential der Radikalen geschöpft wird ein Vielfaches von dem aus, was die anderen seriösen Anti-Rassismus-Filme bewirken. Er spricht ihre Sprache. Er fesselt sie durch Gewalt und Sex und >Peng< während sie ihn ansehen kriegen sie oft und so klar um die Ohren gehauen, was für miese Übeltäter Rassisten sind, daß die Chance die Adressaten zu erreichen zig-fach höher ist als wenn man es in einer moralinsauren, behutsamen Botschaft versteckt.
Hier wird Klartext gesprochen. Direkt und unmißverständlich.
Außerdem ist der Film tierisch spannend. Die Musik hat etwas dynamisches, immer wieder bedrohlich Anschwellendes. Sie zündet.
Feige Morde an Unschuldigen Schwarzen, Vergewaltigungen, menschenverachtendes Reden von weißem Hinterwäldler-Abschaum. Hier wird der KKK als so widerlich dargestellt, daß es auch der Letzte merkt.
Der heimliche (und best-aussehende) Held ist der schwarze Rächer O.J.Simpson. (Hier agiert er ebenso stark wie in "Cassandra Crossing" - diese beiden positiven Rollen sind seine besten Leistungen und wirklich bewundernswert - schade, daß jemand, der so eindrucksvoll den guten, wehrhaften Schwarzen verkörpern konnte, dann später privat zum Verbrecher wurde.)
Die Dialoge sind hervorragend - die raue deutsche Synchronisation auch.
Aber erstaunlicherweise spielen auch Burton und Marvin würdevoll. Besoffen hin oder her, in diesem Film brillieren sie. Marvins beste Rolle. Burton hat es mit "Die Wildgänse kommen" noch weit getoppt.
Alle Beteiligten bei "Klansman" spielen hervorragend bis in die kleinsten Nebenrollen. Man gaubt sogar jedem der einfachen Kleinstadt-Bürger, daß er ein primitiver KKK-Anhänger ist, obwohl die Schauspieler das definitv nicht sind, sondern es nur richtig überzeugend rüber bringen.
Manche Kritiken sind einfach so flach, daß sie gar nichts kapiren. Da meckert hier einer darüber, daß Burton wie erstarrt und deprimiert dasteht und auf den Klansman schaut, den er gerade erschossen hat. Die Kritiker hat überhaupt nicht begriffen, wie Burtons Rolle Breck Stenzel charakterisiert ist: Als Menschenfreund, der immer versucht allen zu helfen und sogar einiges aufbringt um Tiere zu schützen. Klar, daß so einem Menschen es schwer fällt, einen anderen Menschen zu töten. Hätte Burton höhnisch gegrinst, wäre vielleicht der oberflächliche Kritiker zufrrieden gewesen, aber es hätte gar nicht zu der Rolle gepasst.
Habe den Film 20 - 30 mal gesehen.
Schulnote 1
oder
10 / 10