Ein Highlight ist Sacha Baron Cohen nicht ganz gelungen, aber dafür behält „Ali G Indahouse“ den erfrischen Charme seiner herrlich respektlosen TV-Serie bei.
Ali G (Sacha Baron Cohen) ist der gefährlichste Gangsta des Planeten – zumindest in seinen Träumen. Einen solchen hat er dann auch direkt zu Beginn des Films: Er rettet ein paar leicht bekleidete Frauen, indem er sich mit einer Horde rivalisierender Gangster herumprügelt und schießt – doch erwacht im falschen Moment. Doch schon mit diesem Beginn kann sich der typische „Ali G“-Charme einstellen: Jede Menge Witze, die zwar meist unterhalb der Gürtellinie angesiedelt sind, aber trotzdem nie zu beleidigend sind.
In der Realität ist Alis Gangsta-Dasein dann weitaus weniger aufregend: Seine Aufgabe ist die Ausbildungen von Gangsta-Nachwuchs im örtlichen Jugendzentrum (ein richtiger Job, wo denkt man hin?) ausbilden, denn er ist der Chef der East Staines Massive, seiner Gang. Doch irgendwie klappt das mit der Gangsta-Attitüde nicht ganz, denn bei Auseinandersetzungen mit anderen Banden muss man sich auf die Beschimpfung verlassen oder Straßenrennen fahren, bei denen man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Auch hier ist das Möchtgern-Gangsta-Dasein einfach nur erheiternd, denn Cohen versteht es hervorragend, dieses Verhalten zu verarschen.
Doch dann will man das Jugendzentrum schließen und Ali tut zum ersten Mal in seinem Leben etwas: Er protestiert halbherzig. An sich kümmert sich zwar keine Sau darum, aber raffgierige Politiker nehmen ihn in ihre Mitte auf: Er soll als Mann des Volkes stimmen gewinnen und gleichzeitig ihre Marionette sein…
Der Plot von „Ali G Indahouse“ ist typisch für eine Simpelkomödie: Sehr dünn. So ist von Anfang an klar, dass der sympathische Volldepp gegen das fiese Mastermind gewinnt und dass der minderbemittelte Held trotz aller Dämlichkeit und Machogehabe das Herz am rechten Fleck hat. Doch langweilig wird das absurde Geschehen trotzdem nicht, was nicht zuletzt an der kurzen Laufzeit liegt. Länger dürfte er auch wirklich nicht sein, denn in der Schlussphase geht dann auch ein wenig die Puste aus, was aber auch daran liegt, dann hier die Gags runtergeschraubt werden, um die Handlung zu Ende zu führen.
Doch die Handlung ist an sich Nebensache, denn klarer Mittelpunkt ist Cohens Parodie aller Gangsta und Möchtegern-Gangsta. Jedem, der sich im täglichen Leben Vertretern letzterer Spezies auseinandersetzen muss, dürfte bei Cohens Darstellung aller Klischees das Herz aufgehen: Unmögliche Kleidung in bizarren Farben im Stil eines Jogginganzugs, megafetter Goldschmuck im Überfluss, ein von Rap-Musik beeinflusster Slang sowie aus der Hip Hop Szene übernommene Weltbilder (Geringschätzung von Frauen, Gang-Zugehörigkeit usw.). Cohen bringt hier alle Klischees an Tageslicht und macht sich auf köstliche Weise darüber lustig – natürlich nur im O-Ton, die deutsche Synchro (u.a. Mola Adebisi als komplett unpassender Sprecher für Ali) ist nämlich nur für die Mülltonne und killt sämtlichen Wortwitz des Originals.
Doch Cohen ist alles andere als doof, auch wenn man das bei seiner Rolle als Prollo gerne annehmen mag. So steckt auch der ein oder andere intelligente Seitenhieb auf Politik oder die Erwartungshaltung der Zuschauer (man siehe nur, wie Rhona Mitras Verführungsszene kommentiert wird) in dem Film. Leider kann Cohens Spiel mit den Klischees nicht den kompletten Film tragen und die restlichen Slapstickgags sind durchaus recht amüsant, aber im letzten Drittel geht dann doch etwas die Puste aus.
Bei den Darstellerleistungen sollte man unbedingt bedenken, dass dies kein ernst gemeinter Film ist und es sogar Sinn der Sache ist, dass die Charaktere sowie auch deren Darstellungen etwas oberflächlich angelegt sind. Denn so gehen die Darstellerleistungen (außer Cohen und Rhona Mitra dürfte man eh keinen Mitwirkenden kennen) als Parodie der Rollenklischees und nicht als ernsthaftes Schauspiel durch.
So bleibt eine ganz nette Komödie, die vor allem mit ihrer respektlosen Verarschung der Gangsta-Kultur überzeugt, auch wenn der Plot nicht das Wahre ist und gegen Ende die Puste ausgeht.