"Geld regiert die Welt."
Nach dem Tod ihres Vaters arbeitet Kellnerin Tiana Tag für Tag um ihren gemeinsamen Traum eines eigenen Restaurants zu verwirklichen. Für Freizeit und Freunde hat sie kaum noch Zeit. Als ihre wohlhabende Freundin Charlotte La Bouff über den Besuch des heiratswilligen Prinz Naveen berichtet, bietet sich für Tiana die Gelegenheit durch ihre berühmten Krapfen etwas mehr als gewöhnlich zu verdienen. Zu dem Besuch kommt es aber nicht, denn der Voodoo-Priester Facilier verwandelt den Prinz in einen Frosch um sich das Vermögen der Familie La Bouff zu ergaunern. Tiana trifft auf den verwandelten Prinzen. Ein Kuss sollte ihn wieder zurück in einen Menschen verwandeln, allerdings nimmt Tiana stattdessen ebenfalls die Form eines Frosches ein.
Geld regiert die Welt. So dachte wohl nicht nur Facilier, der Bösewicht des vorliegenden Disneyfilms, sondern auch das Produktionshaus selbst. Nach den weniger erfolgversprechenden "Himmel und Huhn" und "Triff die Robinsons" besinnt sich Disney an seine erfolgreichste Zeit zurück und präsentiert "Küss den Frosch" in traditioneller Form. So gibt es neben sprechenden Tieren nun auch wieder einen Prinz und eine Prinzessin sowie handgezeichnete Animationskunst.
In letzterem Punkt kann "Küss den Frosch" auch direkt ansehliche Werte vermitteln. Farbenfroh ist das 49. abendfüllende Disney-Meisterwerk geworden. Die Farben sind satt, die Hintergründe mit einer Menge Details versehen und die Bewegungsanimation der Figuren weich. Dezent wurden manche Sequenzen sichtbar digital überabeitet, was jedoch nicht weiter stört. Ein wenig zu perfekt sind die Bilder aber schon, so kommt der letzte Funken Nostalgie nicht hervor.
In seiner ersten halben Stunde weiß "Küss den Frosch" zu gefallen. Die Figuren sind liebenswürdig, wenn auch etwas überzogen dargestellt, die Handlung ist unterhaltsam und die Stimmung erinnert an alte Disney Klassiker. Am Rande findet der Zeichentrickfilm sogar etwas Zeit das Thema Klassengesellschaft anzusprechen, verfolgt dieses später aber nicht weiter.
Ab dem Zeitpunkt der Verwandlung von Tiana bricht das Handlungsgerüst allerdings zusammen. Die Geschichte verläuft plötzlich linear und bedient sich freizügig an diversen Vorgängern wie "Arielle, die Meerjungfrau" oder "Das Dschungelbuch". Von Kreativität fehlt meist jede Spur, stattdessen plätschert das moderne Märchen so vor sich hin und langweilt mit einer übermäßig schmalzigen Romanze.
Kitsch und Klischees waren schon seit bestehen eine Schwäche von Disney, "Küss den Frosch" nimmt sich da aber viel zuviel heraus. Neben der überladenen Romanze nerven die Figuren durch ein geschöntes charakterliches Erscheinungsbild. So ist Disneys erste afroamerikanische Hauptfigur zwar arm, gleichzeitig allerdings bescheiden und warmherzig. Die aus gutem Hause kommende Charlotte verzogen allerdings lernfähig. Glaubwürdig sind diese bereits von Anfang an in die Wiege gelegten Eigenschaften nicht, zumal sich der Zeichentrickfilm keine Mühe gibt spätere Wandlungen der Figuren zu erklären.
Da die Handlung kaum Höhen erreicht und Actionelemente rar gesäht sind zieht sich der Film zwangsmäßig in die Länge. Zum Schluss macht Disney dann auch noch den Fehler und zerstört die in "Küss den Frosch" mühsam erarbeitete Moral Menschen den lockenden materiellen Werten vorzuziehen. Das Happy End bereitet den Protagonisten beides.
Ähnlich wie zur schmalzigen Schnulze verhält es sich mit der musikalischen Untermalung. Sie ist geschmacksabhängig. Statt poppigen Songs stehen Jazz und Blues im Vordergrund. Diese beschwinglichen und lebensbejahenden Kompositionen gehen leider nicht so ins Ohr, stattdessen nach dem sehen des Trickfilms schnell wieder vergessen.
Trotz der Besinnung auf traditionelle Elemente und einem detaillierten Zeichentrickformat mit satten Farben will in "Küss den Frosch" nicht so richtig Stimmung aufkommen. Zu sperrig sind die dünne Handlung sowie die vielfältigen kitschigen und klischeehaften Elemente, geschmacksabhängig die Romanze sowie die musikalische Untermalung. Schade, dass Disney es ebenfalls nicht schafft das anfängliche Niveau und die eingebundene Moral zu halten. Knappe...
4 / 10