Bekanntlich gibt es Filme, bei denen alles auf den finalen Twist hinausläuft, den großen Knall, die überraschende Wendung. Was jedoch bei „The Sixth Sense“ auf einhellige Begeisterung stieß, dürfte im vorliegenden Fall die Gemüter spalten und vom ungläubigen Kopfschütteln, über pure Verärgerung bis hin zur positiven Überwältigung alles Erdenkliche auslösen.
Die Ehe von Michael (Ty Jones, auch Autor und Regisseur) und Tina steht mittlerweile unter keinem guten Stern mehr und wird eigentlich nur durch ihren Sohn Caleb zusammengehalten.
Sie greift ab und an zur Flasche, während er sie mit der Sekretärin betrügt. Als Michael und Tina eine geräumige Lagerhalle besichtigen und es erneut zum Streit kommt, sind alle Türen verriegelt. Ein verwahrlost wirkender Kerl mittleren Alters macht unmissverständlich klar, dass die beiden die Halle nicht ohne extreme Schmerzen verlassen werden, - wenn überhaupt…
Das Intro greift mit einige kurzen Szenen schon mal vorweg, es mit einem kleinen Folterfilm zu tun zu haben, denn ansonsten kommt die etwas zu lang geratene Exposition eher wie ein Fremdgehdrama daher. Ein paar Streitigkeiten in der Küche, ein verängstigter Sohn im Schuppen, ein relativ ruhig bleibender Michael und eine kurze Situation auf dem Firmengelände, einschließlich Vorstellung des Sex Interests.
Allerdings wäre es mit Sicherheit nicht besser, wenn Ty Jones bei „Saw 8“ Regie führen würde, wie ein Kritiker propagiert. Denn auch wenn natürlich einiges vom „Saw“ - Franchise abgekupfert wurde, so bleiben die Gewaltszenen doch vergleichsweise unblutig und kaum mitreißend. Mal wird einer an Elektroden angeschlossen, dann kommen ein paar Dutzend Ratten aus einem Rohr, jemand hat 30 Minuten Zeit etwas zu trinken und ein paar Stämme mit angebrachten Peitschen drehen sich, was technisch recht solide umgesetzt ist.
In Sachen Score und Kamera gibt es kaum negative Kritikpunkte, die Ausleuchtung ist zwar nicht immer optimal, doch der Schnitt und die Wahl der Perspektiven geht größtenteils in Ordnung und kaschiert recht geschickt, es mit nicht allzu erfahrenen Mimen zu tun zu haben, was sich letztlich als Manko herausstellt.
Eine Mandy Bannon als Tina steht beispielsweise zum ersten Mal für einen Langfilm vor der Kamera und entpuppt sich nicht gerade als nuanciert aufspielendes Naturtalent und auch Ty Jones könnte etwas mehr aus sich herausgehen.
Und dann gibt es ja noch den finalen Twist, bei dem man wahrlich nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Beides ist möglich, je nach Erwartungshaltung des Betrachters, doch das Moralisierende in der Botschaft hat was, - und wenn auch nur den Mut, bestimmte Leute maßlos zu verärgern.
Dennoch wird die Fraktion und Anhängerschaft des Torture Porn hier nicht auf ihre Kosten kommen, da die vergleichsweise harmlosen Foltereinlagen wenig inspiriert wirken und ein Mitfiebern latent auf vages Interesse stößt, also nie wirklich Schweißausbrüche des Zuschauers zu erwarten sind.
Der Schauplatz der Lagerhalle geht okay, technisch ist für das geringe Budget von 200.000 Dollar wenig zu bemängeln und wenn der ominöse Twist nicht wäre, ginge der Streifen prompt im Meer der immer noch anhaltenden Folterwelle unter.
4 von 10