Vier bis fünf Aktionfilme in rascher Folge haben dem damals noch jungen, gutaussehenden und als aufstrebend geltenden Darsteller (und Sänger) Julian Cheung vorübergehend das 'Genick gebrochen', die Produktionen waren teu(r)er, aber allesamt nicht sonderlich gefragt, das Genre recht am Darben. Cheung hat sich vorher und nachher noch konstant über Wasser gehalten und ist auch weiterhin, allerdings eher als (wichtiger) Nebendarsteller in größeren Werken oder wieder und erneut im (derzeit) Fernsehen verhältnismäßig bekannt und auch durchgehend aktiv; zu der großen Karriere auf der Leinwand hat es spätestens nach dem Kassenflop Extreme Crisis (1998) nicht mehr gereicht, auch Theft Under the Sun gilt nicht als Erfolg, die Beständigkeit des Darstellers mit als Vor- und wohl auch als Nachteil, letzteres auch was das autarke Scheinen im Rampenlicht betrifft:
Als der Undercover tätige und beim Gauner Chicken [ Peter Ngor ] eingeschleuste Polizist Leung Ka Ho [ Julian Cheung ] bei einem verpatzten Einsatz der SDU unter Aufsicht seines direkten Vorgesetzten Officer Wong [ Edmond So ] den Kriminellen Dan Peterson [ Michael Wong ] 'laufen lässt', gerät er prompt unter Verdacht des Abrutschens in die Triaden. Einzig der eingeschaltete Polizeipsychologe Officer Mo [ Francis Ng ] und seine Freundin Fai Fai [ Gigi Lai Chi ] stehen noch auf seiner Seite; dies ändert sich allerdings, als Leung den gesuchten Peterson kurz darauf wieder sieht und die Chance nutzt, diesen auf eigene Faust zu fassen.
Dass der Regisseur (und Produzent) des Ganzen zuvor mit den kleineren, aber heimlich prominent gewordenen Once Upon a Time in Triad Society 1 + 2 (1996) im lokalen Gangsterfilm getobt und gewildert hat, lässt sich vor allem an den ersten Einstellungen inmitten der wuselnden Stadt erkennen und erinnern. Menschenmassen auf der Straße, kleine bis gedrungene Wohnungen, die eher als Unterschlupf und Stauraum für Diebes- oder Hehlergut oder dergleichen gelten, ein betont lässiges und betont aufsässiges Verhalten vor allem auch gegenüber den Vertretern von Recht und Ordnung. Bald gibts's den ersten Schergenangriff und die schnelle Verhaftung des bisher vorgestellten lautmalerischen Tunichtguts, möchte man meinen, sind die Dinge jedoch anders, als sie scheinen, und völlig konträr zum ersten Eindruck aufgestellt.
Es handelt sich nicht um einen Kleinkriminellen hinter der Fassade, und es handelt sich auch nicht um eine weitere Erzählung in der jiānghú, es geht um einen Undercovereinsatz, der bald hinaus aus der Metropole und in die große weite Welt (von Südchina, Russland, Mongolei) dann geht. Die bis dahin schnellen Bilder, die locker hineingeworfenen und heraufbeschworenen Eindrücke, das energische Gepose und Getue: alles nur zur Tarnung, vom Film wie von der Figur alles bloß gestellt. Ein Schauspiel beider Seiten, eine Show zur Deckung wahrer Absichten, eine rasche Veränderung des Ganzen, wird ein Deal doch beizeiten vereitelt, eine Razzia im Chaos, eine Flucht im Kugelhagel, zwischen Toten, Verletzten, Drogen, Blut und Geld. Die explosive Stürmung der Wohnung, das Springen und Stürzen durch Fenster- und Glasscheiben und der gegenseitige Beschuss durch Decke und Wände als deutliche visuelle, wenn auch relativ grobe, hakelige Sprache des Choregrafen, die Verantwortlichkeit von Ma Yuk-Sing; hier der Gestalter vom Einsatz der Großkaliber und schweren Waffen, die Spezialeinheiten zahlenmäßig überlegen, die Verbrecher ohne Skrupel, bleihaltige Gegenwehr der Unterwelt.
Darstellerisch ist das beizeiten darüber und drunter, es ist (abseits von Francis Ng, der eher ein erweiterter Cameo gibt und damals auch noch nicht als Schwergewicht galt) solide statt präzise, es ist schwankend in der Qualität, man kämpft auch zuweilen mit den Dialogen, die kontinuierlich in ungewöhnlich langen Einstellungen einfangen werden, man verhält sich recht als teures B-Picture (was man auch ist; eine Concept Link Produktion, also von den hier auch verantwortlichen Cha Chuen-Yee als Regisseur und Autor Rico Chung und dies auch als letzte Position in der Filmografie, mit Unterstützung von Media Asia Films gestemmt), viel Wert auf die (Über)Dramatik, ein ausgeträumter Traum, der seine Fortsetzung, ein weiteres Abenteuer erhält. Nach einem Drittel geht es raus in die Ferne, das Spielfeld eröffnet und erweitert, eine Reise in das Unbekannte, eher in das lange Unendliche, ein Trip raus aus Hongkong, weg von der Moderne. Eine Frau bleibt zurück, eine Abhängigkeit formiert, ein Männerbündnis entwickelt. Eine Zwei-Personen-Geschichte entsteht, aus Cops VS Robbers wird kurz Atemlos vor Angst (mit Missiles statt Dynamit), die Panoramen werden größer, das Innere viel kleiner und etwas spröde umgesetzt.
Da die umherstehende Rahmenhandlung mit den Diskussionen vom (ehemaligen) Vorgesetzten von Leung und dem Polizeipsychologen nicht wirklich Sinn ergibt, als dramaturgisches Mittel vielleicht schon, inhaltlich aber nicht, und die meisten anderen Figuren, wie auch die gerne in äußerst knappe Kleidung gezwängte Gigi Lai trotz Vorhandensein im Bilde sowieso seltsam außen vor stehen, bleibt die Aufmerksamkeit notgedrungen auf die kleine Reisegruppe und ihrem tödlichen Transport eingeschränkt. Beide Schauspieler geben sich Mühe, beide Schauspieler sind aber nicht die lebendigsten oder facettenreichsten in ihrem Metier; was man zuweilen deutlich merkt und durch den geschriebenen Text oder das viele Wechseln ins Englische eher noch verdeutlicht wird als ausgemerzt. Abseits von einigen Handgreiflichkeiten, einem Reiterangriff auf das Fahrzeug und einer durch Unfall verursachten Detonation einer Rakete passiert an (mäßig) Aufregendem nicht sonderlich viel, die Inszenierung ist rein technisch (viele Fahr- und Massenszenen, das Überqueren abschüssiger Hügel, die Observation und Verfolgung im Konvoi ab dem Grenzübergang, später auch einige Kollisionen etc., sowie durch Außenaufnahmen allgemein), das erinnert ein wenig an Werke von Kirk Wong, aber eher die schwächeren davon, Organized Crime and Triad Bureau (1994) bspw., und hat neben bodenständiger Stuntarbeit und einem brenzligen Lagerhausfinale auch einige unnötige und unnötige schlechte Effektszenen.