Review

Märchenverfilmungen erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit bei Jung und jung Gebliebenen und es ward an der Zeit, nach den (größtenteils gelungenen) DEFA-Beiträgen ein wenig frischen Wind ins Zauberland zu bringen.
Allzu aufwendig ist die Version von Ulrich König („Meister Eder und sein Pumuckl“) dann leider doch nicht ausgefallen, - sie weicht zwar nur wenig von der Originalerzählung ab, wirkt in seiner Inszenierung jedoch stark komprimiert und reichlich oberflächlich.

Allzu viel kann man von diesem Werk der Grimm-Brothers ohnehin nicht ziehen. Es geht um Prahlerei und Geldgier, um die Stärke der nachfolgenden Generation und natürlich darum, den Teufelspakt, der als einzige Rettung das Erraten des Namens jenes Männleins ansieht, endgültig auszuradieren.
Entsprechend soll Müllerstochter Lisa in einer Nacht Stroh zu Gold spinnen, andernfalls werde vom König die Mühle ihres Vaters abgebrannt, der ihr diese Suppe eingebrockt hat.
In der ersten Nacht erscheint ein zeterndes Wutzelchen in der Kammer und fordert eine kleine Gegenleistung für seine Dienste, doch in der dritten Nacht verlangt der kleine Wicht das Erstgeborene von der hübschen jungen Frau…

Im Kern ist es wohl die Geschichte eines Außenseiters mit besonderen Fähigkeiten, der seine Einsamkeit durch unbändige Gier zu kompensieren versucht.
Auch der Müller tut dies, indem er den Verlust seiner Frau und die Armut mit der Schönheit seiner Tochter auslotet. Dem König hingegen scheinen Emotionen fremd zu sein („Liebe wird überschätzt“), doch auch ihn plagt die Gier nach Gold, die ihm am Ende fast zum Verhängnis wird.
Nur Lisa und der Prinz Moritz haben sich eine gewisse Reinheit und eine gesunde Portion Rebellion bewahrt, die sie gegen ihre Väter, vor allem aber gegen den bösen Kobold einsetzen.

Wobei, von einem Zwerg kann man (leider) kaum sprechen, denn wenn auch sämtliche Rollen gut besetzt sind und sauber performt werden, so ist Rumpelstilzchen eine einzige Katastrophe. Der Kerl ist zu jung und zu schnodderich und seine Wortwahl entspricht beileibe nicht der eines hinterlistigen Zwerges mit boshaften Absichten.
Der würde eher in so einen Dorfkrimi passen, als dubioser Hirte, der bereits eine Handvoll Leichen im Keller hat.

Ferner versteht Ulrich König es nicht, die malerische Kulisse des Schlosses Bürresheim, nahe Mayen, adäquat zur Geltung zu bringen. Stattdessen verhunzt er die Atmosphäre mit billiger Blitz-CGI und plumpen Postkarten-Ansichten, anstatt ein wenig Bewegung ins Spiel zu bringen, was der Erzählung generell deutlich fehlt, denn bis auf einen minimalen Schwertkampf und ein wenig Auflehnung seitens der Müllerstochter mutet die Sache doch recht steif an.

Über kleinere Regiefehler, wie erkennbare Häuser am Horizont eines ansonsten frei stehenden Feldes mag man noch hinwegsehen und auch über die Tatsache, dass der Score zwar treffend untermalt, jedoch zu spärlich eingesetzt wird, doch dass die Atmosphäre tatsächlich unter dem aufdringlich wirkenden Hauptcharakter leidet, ist beinahe unverzeihlich.
Dadurch geht eine Menge Märchenstimmung flöten, die an anderer Stelle kaum wieder eingefahren werden kann.
Obgleich Kostüme, Requisiten und Accessoires einen gut organisierten Eindruck hinterlassen, vermögen solide Darsteller wie Gottfried John als König und Thomas Rudnick als Müller nicht kaschieren, was an etwas statisch wirkender Dramaturgie verloren geht: Das Erraten des Namens ist zwar recht humorvoll ausgefallen, doch in Sachen Spannung hakt man die letzten Szenen in schlichten, fast distanziert wirkenden Einstellungen ab, was der allgemeinen Spielfreude vom Einstieg einen sichtlichen Einbruch beschert.

Infolgedessen ist an dieser Stelle eine DEFA-Verfilmung deutlich vorzuziehen, da diese über weitaus mehr Atmosphäre, eine (vor allem produktionstechnisch betrachtet) bessere Ausstattung verfügt und darüber hinaus, das Märchen in seiner Ursprungsform besser und mit deutlich mehr Charme auf den Punkt bringt.
Für die Kleinen vielleicht noch ganz niedlich und unterhaltsam, für die Märchenonkels eher ein wenig zu schlicht und phantasielos ausgefallen.
4 von 10

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