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Selbstverständlich sollte man immer darauf achten wen man fotografiert, denn im Extremfall will die betroffene Person den entsprechenden Chip oder gleich die komplette Kamera einziehen. Beim Polaroid ist der Verlust aufs entsprechende Bild begrenzt, doch zur digitalen Nachkorrektur oder zur Vervielfältigung eignen sich die Bilder rein gar nicht und davon abgesehen scheinen ältere Kameras mitunter verflucht zu sein, wie uns vorliegender Streifen glauben machen will.

Die Studenten um Clarissa und Paul befinden sich irgendwo in Marokko, als Clarissas Kamera gestohlen wird und sie in einem kleinen Antiquariat eine neue, fast schon antike Polaroid von 1966 für wenig Geld bekommt. Was noch niemand ahnt: Wer fotografiert wird, stirbt binnen weniger Stunden und schon werden die ersten Schnappschüsse der Reisenden getätigt…

Bekannte Thematik mit bekanntem Ablauf: Etwas erinnert das Ganze an „Final Destination“, „The Eye“ und natürlich auch an die üblichen japanischen Geisterfilmchen.
Leider unterscheidet sich diese italienische Produktion kaum von schwachen amerikanischen Slashern, denn abgesehen von der exotischen Location im ersten Drittel, landet die Gruppe alsbald im austauschbaren Wald um die Ecke.
Auch die Figurenzeichnungen bleiben vage, zumal außer Armand Assante in einer Nebenrolle kein Darsteller überzeugen kann: Wir haben zwei potentielle Überlebende, einen Querschläger, die Verwöhnte, die Zugedröhnten und eine Sängerin (die tatsächlich auch den Titelsong trällert).

Besonders im ersten Drittel könnte die Handlung mehr Tempo vertragen, denn bis auf einen kleinen Autounfall und dem Besuch im Antiquariat ereignet sich nicht viel und auch das Geheimnis hinter der Kamera ist rasch enttarnt, da die Einleitung mit Rückblick einige Fakten zuviel ins Geschehen wirft.
Als sich die Gruppe im Wald verläuft und einen Jäger trifft, den man vorsichtshalber heimlich fotografiert, kommt zumindest ein wenig Fahrt auf, doch mit den verschiedenen Ableben vermag man wohl kaum einen Horrorfan beglücken.
Meistens sieht man erst die Leichen nach entsprechenden Todesschreien, ansonsten deuten sich zwei Durchbohrungen an, während ein Speer durch den Körper die einzige direkte Szene zwischen Leben und Tod darstellt.

Ansonsten nimmt man sich viel Zeit für redundante Szenen wie Kuscheln, einen Club-Besuch und eine schnelle Nummer in dunklen Dorfecken und vernachlässigt, den Fokus auf die Kamera und seinen Hintergrund zu richten. Mal davon abgesehen, dass die Teens erst recht spät den Zusammenhang zwischen mehreren Leichen und den geschossenen Fotos entdecken, bringt der finale Flashback in die Sechziger nur minimale Twists mit sich und auch das abrupte Ende spricht nicht unbedingt für eine durchdachte Dramaturgie.

Todbringende Gegenstände oder Orte bringen von Natur aus zwar ein wenig Spannung ins Spiel, doch in diesem Fall wird der Stoff zu lieblos abgewickelt und die exotische Umgebung zu wenig einbezogen. Die Darsteller können nicht viel aus ihren teils klischeebeladenen Figuren rausholen und auch die Ableben auf übernatürlicher Ebene sind viel zu harmlos in Szene gesetzt, um überhaupt so etwas wie ein Mitfiebern aufkommen zu lassen.
Bietet passable Unterhaltung für nebenher, zum abendfüllenden Gruselns langt der Streifen jedoch nicht.
4 von 10

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