Review
von Alex Kiensch
Auf den Vampirjäger Blade (Wesley Snipes), selbst halb Vampir, halb Mensch, wartet eine neue Herausforderung: Eine neue Art von Vampirwesen ist aufgetaucht, die selbst vor Vampiren keinen Halt macht und sich gefährlich schnell ausbreitet. Um den übermächtigen Gegner auszuschalten, verbündet sich Blade mit seinen Feinden - zumindest bis auf Weiteres.
Bei der Fortsetzung des Krachers von 1998 nahm der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro auf dem Regiestuhl Platz. Seine Filme zeichnen sich oft durch sensible Charakterzeichnung und visuelle Fantasie aus. Ersteres findet man hier gar nicht, Zweiteres im Vergleich zu anderen seiner Werke wie etwa "The Devil's Backbone" oder gar "Pans Labyrinth" eher auf Sparflamme.
"Blade 2" kommt als cool gestylter, rasanter Action-Kracher daher, ganz in der Tradition des ersten Teils. Allerdings greift hier einmal wieder das Fortsetzungs-Prinzip der Überbietung, was dem Film keineswegs gut tut: Die Kämpfe fallen ausgedehnter und effektlastiger aus, die Figuren bemühen sich mehr denn je, supercool und machohaft daher zu kommen, und die Action soll bombastischer und lauter sein. In diesem Getöse geht die Story komplett unter - tatsächlich ist die Handlung noch dünner als im Vorgänger. Die meiste Zeit wird mit in die Länge gezogenen Kämpfen verbracht und im letzten Drittel gibt es noch eine überraschende Wendung, die nicht wirklich von den Socken haut. Trotz zahlreicher neuer Nebenfiguren - etwa Ron Perlman als rassistischer Vampir, der Blade nur zu gerne umbringen würde - bleiben Story und Figurenzeichnung auf unterstem Niveau. Und selbst dramatische Ansätze verpuffen viel zu schnell, wenn etwa einer der Vampire von den Monstern gebissen wird und seine Verwandlung droht: Anstatt diese Entwicklung zu einem Drama zwischen ihm und seiner Geliebten zu machen, hat er sich urplötzlich verwandelt und wird ebenso rasch ausradiert. Keine Dramatik, keine Knalleffekte.
Obwohl es an Knalleffekten hier eigentlich nicht mangelt. Wilde Schießereien und rasant geschnittene Schwert- und Faustkämpfe halten wie schon im ersten Teil das Tempo durchgehend hoch. Und trotz einiger Ungereimtheiten, wie etwa dem sinnlosen Kampf zwischen Blade und den Vampiren, die ihm nur eine Nachricht vom Vampirvolk überbringen wollen, bieten diese Actionsequenzen durchaus einige Schauwerte. Die ausgefeilte Licht- und Farbdramaturgie und die fantasievoll-eklige Darstellung der mutierten Vampire beweisen das visuelle Geschick del Toros. Hier gibt es eine ganze Handvoll beeindruckender Bilder und Szenen. Auch unterhält "Blade 2" gerade durch den zurückgefahrenen Gebrauch markiger Sprüche; das verbale Duell zwischen Blade und seinen verhassten Helfern macht viel mehr Spaß durch die Einfachheit der Entgegnungen. Und wenn sich zum Schluss sogar eine zart angedeutete Liebesgeschichte herausschält, inszeniert del Toro deren tragischen Ausgang in einem geradezu poetischen Bild.
Technisch ist "Blade 2" auf höchstem Niveau umgesetzt. Düstere Settings, aufwendige Massenszenen und teils krasse Gewalt- und Ekelsequenzen dürfen unbedingt als gelungen bezeichnet werden. Demgegenüber fallen einige schwächliche Spezialeffekte deutlich ab. Und auch inhaltlich und dramaturgisch (von komplett unlogischen Details ganz zu schweigen) bleibt die Fortsetzung so weit hinter den Erwartungen zurück, dass einige endlose Kampfszenen tatsächlich etwas langweilig werden. Echte Spannung sieht anders aus. Eigentlich schade, ist doch die Figur des Blade eine wirklich charismatische Gestalt.