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Inhalt: Ein heruntergekommener Mann sucht Hilfe bei einer Psychologin. Er schildert ihr seine unglaubliche Geschichte. Er erzählt, dass er Menschen tötet. Dass er ihr Blut trinkt. Er erzählt, er sei ein Vampir! Ist der Mann ein verrückter Spinner? Ein psychopathischer Mörder? Oder sagt er die Wahrheit? Diese schwierige Frage muss diese Psychologin nun beantworten. Doch kann sie den Blick für die Realität bewahren? Oder hat sie sich längst vom Wahn dieses Mannes anstecken lassen? Denn je mehr er erzählt, desto deutlicher wird, dass die Antwort schrecklicher ist, als sie es je für möglich gehalten hätte...(Covertext)

Ein Horror-Drama legen uns die Macher also mit diesem Film vor! Und legen Wert darauf dass im Horror das Drama wahrgenommen wird... Der Vampir ist zeitgemäss: kein Sarg zum Schlafen, keine extravagante Kleidung, er kann weder fliegen noch ist sein Gebiss sonderlich geeignet für einen gezielten Biss in die Halsschlagader, kurz ein Typ wie der an dem man gerade vorbeigegangen ist. Die Psychologin reagiert so wie man es erwartet: sachlich, nüchtern, immer mit dem passenden Krankheitsbild zur Hand. Erst als sie keinen Puls bei ihm messen kann beginnt ihre Distanz und Objektivität zu bröckeln...

Schliesslich ist es nicht gerade ein alltäglicher Patient der da zu ihr gekommen ist. Chronologisch erzählt er von seinem Werdegang, beginnend mit dem Biss auf einer Flughafentoilette der ihn infiziert hat, schildert die körperlichen Begleiterscheinungen seiner Verwandlung sowie seine wachsende Gier auf ....... BLUT! Anfangs begnügt er sich mit dem von Tieren, versucht es auch mit rohem Fleisch, aber der Stoff der seine Sucht alleine stillen kann kommt aus menschlichen Adern.

Helmut Brandl spielt ihn glaubhaft und mit sichtlichem Vergnügen, diesen urbanen einsamen Jäger der sich in der Anonymität einer modernen Großstadt mit sicherem Blick seine Opfer sucht. Menschen die niemand vermisst, einsam wie er selbst aber eben Opfer. Die Tötungen werden nicht unnötig ausgewalzt, sind eher unausweichliche Episoden, er tut schliesslich nur das was ihm sein Verlangen vorgibt. Natürlich hat das seine gewisse Ästhetik, zum Glück für den Betrachter sind unter den Opfern ein paar durchaus attraktive Damen sodass der erotische Blickpunkt sicher nicht zu kurz kommt.

An der Stelle mal eine allgemeine Bemerkung zu "dem" Zuschauer der glaube ich wesentlich mehr Ansprüche an einen Film hat als es die Macher solcher Filme glauben."Denn so richtig begeistern wird sich der Splatter-Fan an den teils philosophischen Monologen der Hauptfigur wohl kaum. Gleichzeitig mögen die zwar keinesfalls derben, dennoch aber deutlichen Schock-Effekte für Freunde anspruchsvollen Kinos sicher etwas zu heftig ausfallen." (Zitat Brandl-Homepage)Ich kann hier nicht für den Zuschauer an sich sprechen, nur für mich. Und natürlich nehme ich mir ab und an gerne mal ein oder mehrere Weissbier und sehe mir Filme wie "Premutos" an! Üblicherweise sind mir aber dann doch Streifen lieber an denen ich etwas zu denken habe, so wie GIER. Ist doch schön wenn wie hier ein ausreichender Blutgehalt vorhanden ist, die Story mehr hergibt als 08/15-Phrasen, angereichert mit Erotik - was will ich mehr?

Die Handlung nimmt ihren Lauf, Adrian (der Vampir) erzählt seine Geschichte schonungslos zu Ende, Dr. Helen Lemoine muss sich entscheiden. Es kommt zu einem "Showdown" oder "Finale" das mich persönlich ganz schön überrascht und schockiert hat! Ich muss zugeben dass ich mich nur allzugerne und bereitwillig von den Bildern und dem ach so normalen Handlungsverlauf blenden habe lassen. Das ist mir allerdings keine Spur peinlich, zeigt es doch wie perfekt GIER funktioniert und gemacht ist! Nichts ist wie es ist... wie immer im Leben.

GIER ist ein sehenswerter Film den ich bedenkenlos empfehlen kann! Er ist - wie immer - anders als erwartet. Er bietet Spannung und Dialoge die Konzentration erfordern. Untermalt von Michael Donner's wie immer grandiosem Score, der Mann hat es einfach drauf, nicht nur bei Brandl-Filmen, hiermit ein Extralob! Seht ihn Euch an und seid schlauer - oder tappt in die gleiche Falle wie ich... 10/10

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