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Nachdem Hape Kerkeling, mit seinem Kinofilm "Kein Pardon", einen großen Erfolg hingelegt hat und von vielen Seiten das Lob erhielt, dass er, mit seinem Film, eine der besten dt. Kinokomödien überhaupt hingelegt hat, war klar, dass es weitergehen musste. Nun waren aber Kinofilme immer vom Erfolg an den Kinokassen abhängig und auch nicht gerade billig zu produzieren. Also entschied sich Hape dafür, seine kommenden Filme fürs öffentlich-rechtliche Fernsehen zu produzieren, denn da ist der Erfolgsdruck ja nicht so hoch, wie im Kino. Und mit dem TV-Erstling "Club Las Pirjanas" gelang ihm gleich ein Quotenknüller, der sich ebenfalls großer Beliebtheit unter den Zuschauern erfreut. Und das ist nur verständlich, denn Hape versteht es einfach, gute Komödien zu schreiben und zu produzieren, wie "CLP" eindeutig beweist!

"Club Las Piranjas" gehört, zusammen mit Hapes zweitem TV-Film "Willi und die Winzors", definitiv zu den besten TV-Komödien aller Zeiten. Denn der Club sprüht nur so vor beißendem Witz und knackiger Satire. Dieses mal müssen sich Pauschalurlauber warm anziehen, denn Kerkeling vergackert sie und ihren Urlaub hier schamlos. Es geht um ein heruntergekommenes Feriendomizil namens "Club Las Piranjas", in dem die Animateure Edwin und Biggi arbeiten. Sie verstehen es, die Urlauber zu unterhalten, doch sie verstehen keinen Spaß, wenn sich die Urlauber nicht unterhalten lassen wollen. Die Story ist, wie von Kerkeling üblich, gekonnt zu Papier gebracht worden und sprüht nur so vor schrägen Ideen und unterhaltsamster Situationskomik. Für eine TV-Komödie, ist das ganze sogar richtig gut und durchdacht ausgefallen.

Und wie es bei Kerkeling so üblich ist, machen vor allem zwei Sachen die Musik des Ganzen aus. Zum einen, wie schon erwähnt, die Situationskomik, zum anderen die überzogenen, wohl durchdachten, Figuren. Und von den Figuren hier, kann man nicht genug bekommen. Da wären zum einen eben Edwin und Biggi, zwei unglückliche Animateure, die es leid sind, Tag für Tag den Hampelmann zu machen und die ihre Urlauber, mit allerlei unerträglich kindischen Liedern und Spielchen traktieren und jeden zwingen, auch ja an ihren Aktionen teil zu nehmen. Dann die Clubleiterin, eine ständig besoffene Tyrannin, die ebenfalls keinen Spaß versteht und schon mal zu drastischen Methoden greift, um ihre Schützlinge in Zaum zu halten. Und dann natürlich noch die (eigentlich in keinster Weise) bemitleidenswerten Urlauber. Eifersüchtige Eheleute, paarungswillige Singles und eine nette freundliche Oma, die allesamt wirklich jedes Klischee aufs genüssliche ausbaden und durchkämmen. Allesamt dabei aber natürlich typisch kleinbürgerlich und dennoch irgendwie sympathisch. Eben alles Figuren, wie sie nur ein Hape Kerkeling formen kann.

Dazu dann die herrlich bissige Komik, die wieder einmal kein gutes Haar an dem lässt, was sie durch den Kakao zieht. Groteske Situationen, wie die singende Begrüßung durch das Personal, die strenge Frühstücksordnung, bei der alle gleichzeitig ihr Frühstücksei aufschlagen müssen, der wasserfreie Swimmingpool, Spiele wie "Brennball zum Kennenlernen", eine Tagesreise namens "Sand und Leute", in die tiefste Wüste und vieles mehr. Kerkeling lässt es sich einfach nicht nehmen, wirklich jedes, auch noch so kleine, Pauschalurlaubs-Detail genüsslich zu persiflieren und dabei dennoch nicht all zu böse zu werden. Wobei die Grenze zwischen Bissigkeit und Bösartigkeit auch hier manchmal verschwindend dünn ist. Aber man muss einfach lachen. Egal ob man nun selbst schon mal so einen Urlaub miterlebt hat und zustimmen kann oder nicht. Kerkeling ist detailverliebt in seiner Verarsche und das wirkt sich einfach nur mehr als positiv aufs Gesamtbild aus.

Was die Inszenierung betrifft, so wird gutes TV-Niveau geboten, wobei durch die herrliche Musik und die passenden Locations (und vor allem durch das bombige Wetter) trotzdem eine gewisse Urlaubsatmosphäre, nicht verleugnet werden kann. Zwar wird diese durch das CLP-Ressort und Edwin und Biggie schnell wieder zerstört, doch wenn man sich diese beiden Typen mal wegdenkt und sich, in seinen Gedanken, auch ein schöneres Hotel erfindet, dann kann man schon durchaus Urlaubs-dürstig werden. Aber nun gut. Ich schweife ab.;)

Kommen wir nun noch zu den Darstellern, die ebenfalls wieder, allesamt, mehr als zufrieden stellen können. Angelika Milster und Hape Kerkeling sind, als lustloses und bösartiges Animateur-Paar, einfach nur herrlich und Judy Winter, als stetig besoffene Club-Managerin, hat ebenfalls Applaus, für ihre Rolle, verdient. Dazu dann noch Typen wie Hildegard Krekel, Horst Krause und Tana Schanzara, die man immer wieder gerne sieht. Kurzum, auch das Casting-Team hat hier alles richtig gemacht.

Fazit: Wunderbar komische und herrlich bissige Satire, auf alles was es zum Thema Pauschalurlaub zu sagen gibt. Schräge Typen, herrlich komische Situationskomik und eine recht gekonnte Inszenierung, ergeben 90 Minuten köstlichste TV-Unterhaltung, im typischen Kerkeling-Stil. Wer nach diesem Film noch Lust auf einen Pauschalurlaub hat, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Aber Lust auf den nächsten richtigen Urlaub (sprich ohne "Pauschal"), macht das Ganze trotzdem. Also dann schöne Ferien und wirklich verdammt viel Spaß, mit diesem Highlight des deutschen TV-Film-Wahnsinns!

Wertung: 8/10 Punkte

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