Review

„Beste“ deutsche Urlaubskultur

Hape Kerkeling ist einer der lustigsten, sympathischsten und cleversten deutschen Komiker und Stars der letzten 40 Jahre. Unbestritten. Das kommt aber für mein Gefühl eher durch persönliche Auftritte, fiktive Personalien und legendäre TV-Sachen, die er abgeliefert hat. Denn, anders etwa wie bei anderen Legenden a la Otto Walkes oder Loriot, was ausgewachsene (Kino-)Filme betrifft, sieht's für mich in seiner Vita eher mager und alles andere als zum Totlachen aus. Doch mindestens einen zeitlosen Hoffnungsschimmer gibt es (neben „Kein Pardon“) in seiner Filmographie - „Club Las Piranhas“, der als TV-Film nahezu alles richtig macht, noch immer zum Schreien komisch ist, seiner Zeit voraus war und der in knapp 90 Minuten seiner Nachfolgeserie von vor ein paar Jahren noch immer deutlich voraus ist. Über eine deutsche Durchschnittsfamilie, die im titelgebenden Urlaubsresort einige blaue Wunder erlebt…

Selbst am Ballermann ist’s da bequemer…

In bester Tradition deutscher Urlaubs- und Kultursatiren a la „Man spricht deutsch“ - nur noch deutlich bissiger, böser, ja alptraumhafter! - kommt „Club Las Piranhas“ daher, der mich doch massiv zum Lachen und Nicken wie Kopfschütteln gebracht hat und den ich wahrscheinlich noch listiger und lustiger als Kerkelings berühmteren „Kein Pardon“ finde. Über Pauschalurlaubswahnsinn und Animationsalpträume, über Klischees und Tradition, über fremde Kulturen und toxisches Heimweh, über Stöcke im Arsch und Altlasten auf den Schultern. Deutsche auf Reisen und Deutschland allgemein mitten in den 90ern, damals war alles besser, bli bla blub… ja ne, is' klar. „Club Las Piranhas“ hat eine enorm kompakte Laufzeit, eine sehr raue und trostlose Textur, seinen körnigen, videoartigen TV-Look und einen Kerkeling ohne Pendant und Pardon. Das ist bitter, das ist bescheuert, das ist bedauerlich. Das ist vor allem unfassbar funny. Und leider auch näher an der Realität als man meint. Damals wie heute. Denn allzu viel hat sich nun nicht verändert… „Club Las Piranhas“ hat einen schön dreckigen und fiesen Humor, jeder kriegt sein Fett weg und den Unterschied zur heutigen politischen Korrektheit merkt man deutlich. Wenige Filme sind zitierbarer („Und wer bist duhuuhuuu?“). Es sind kaum mal fünf Minuten vergangen ohne deutlichen Lacher bei mir. Und das zeichnet eine exzellente Komödie nun mal am ehesten aus. Ich denke, „Club Las Piranhas“ kann man durchaus als deutschen Geheimtipp ansehen, den (erst recht international) viel zu wenige kennen… Aber würden sie seine Feinheiten und Gemeinheiten überhaupt einigermaßen begreifen?! 

Griechischer Wein aus schimmeligen Schläuchen

Fazit: deutsche Ferien, Asozialität und Hape Kerkeling in Topform… dieser Club ist ein ziemlich genialer 4,5-Sterne-All-Inclusive-Comedy-Alltimer. Und ein Knastfilm. Ja, sogar Horrorfilm. Herausragend. 

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