Mitte der Neunziger, die Blüte der deutschen Komödien. "Schmidteinander" wurde gerade eingestellt, die Harald Schmidt Show ist noch nicht gestartet - da entschlossen sich Harald Schmidt und Herbert Feuerstein ein weiteres Mal vor die Kamera zu treten, ganz im Stil vergangener Tage. Zusammen mit Jürgen von der Lippe und anderen bekannten deutschen Leinwandgesichtern (Christiane Brammer, Hans-Peter Korff, Cornelia Corba, Isabel Varell und als Gaststar Roland Kaiser) schuf Ralf Gregan ein weitgehend sinnfreies, dafür aber umso unterhaltsames und kurzweiliges Komödchen um die beiden ungleichen Zwillingsbrüder Karl und Wilhelm.
Karl, genannt Charly, ist Besitzer des Edelbordells "Moby Dick", seiner Mutter und seinem Bruder als "Fischlokal" bekannt. Jener Bruder Wilhelm missioniert friedvoll und weit entfernt in Afrika, was sich aber bedauerlicherweise schnell ändert, als in Charlys Puff ein Pfarrer verstirbt. Der Erzbischof schickt nun Wilhelm als Nachfolger für den kürzlich Verstorbenen, der schnell Charlys Pläne durchkreuzt - doch dieser weiß sich zu wehren.
Was schnell als Klamaukklamotte abgestempelt werden könnte, entpuppt sich jedoch auf den zweiten Blick als liebenswerte Komödie mit zahlreichen Persiflagen und wohl dosierten Seitenhieben auf typische und oft gehörte Floskeln und Situationen: man spürt deutlich in jeder Szene das Mitwirken der beiden Grandsegnieurs Harald Schmidt und Herbert Feuerstein. Vieles kennen wir in dieser oder ähnlicher Form aus Schmidteinander, viele Sprüche und Anspielungen in zynistischer Manier aus der letzten Phase der Harald Schmidt Show.
Auch die Schauspielerliste zaubert ein Lächeln auf das Gesicht des Genreliebhabers: Eine wie immer phantastisch aussehende Christiane Brammer betört uns als Pfarrhausangestellte Elisabeth in dünnem durchsichtigen Kleidchen mit zuckersüßen Grübchen beim Lächeln wie keine zweite, Hans-Peter Korff (uns zuletzt bekannt als Kripochef aus "Adelheid und ihre Mörder") bringt uns als abnippelnder Witwer mit zwei Xanthippen als ihn pflegende Schwestern zum Lachen, Carsten Speck darf als dümmlicher und stotternder Bodyguard Charlys seinen Leinwandeinstand feiern (nett auch, wie er im Bordell staubsaugt!) und natürlich abgesehen von Lippes Hauptrolle die Paraderolle des ganzen Films: Harald Schmidt als Erzbischof mit Knecht Feuerstein im Schlepptau - diese Figur(en) hätten passender nicht besetzt werden können. Genial, wie der Erzbischof nur sein unverkennbar miserables Golfspiel im Kopf hat und als Golfbälle Teufelsköpfe durch die Gegend schlägt.
Jürgen von der Lippe brilliert wie nicht anders zu erwarten war als Charly, ja - er geht richtig auf in dieser Rolle des kumpelhaften und liebenswerten Zuhälters. Den beiden anderen Charakteren von ihm verkörpert merkt man deutlich an, daß dies nicht Lippes Welt ist, er kann sich doch deutlicher in Charly hineinversetzen und dessen Charakter nachvollziehbar und realitätsnah zum Zuschauer transportieren. Nichts desto trotz gefällt uns seine Rolle(n) ebenso, wie zahlreiche über den Film verteilte Goodies: Das jeweilige Vorfahren des Polizeiapparats bei den Razzien, die Predigt von Charly als Morgenmesse ("eine Mischung aus Drewermann und Ranke-Heinemann" - ein typischer Schmidt-Lacher), zigarettendrehende und stinkefingerzeigende Nonnen und vieles mehr.
Zu guter Letzt darf Dirk Bach zeigen, daß er sich in der Rolle des devot veranlagten Herrn sehr gut wiederfinden kann: "Mein Leib schreit nach Züchtigung!", eine Szene die wir oft genug gar nicht ansehen können. Als Kommentar zu diesem Film halte ich es ähnlich mit Feuersteins Zitat am Ende zu seinem Erzbischof Schmidt: "Drillinge - was für ein Wurf, Eminenz!" - Nich mit Leo, was für ein Wurf. Nicht der ganz große, aber ein guter. Für alle Schmidt-Feuerstein-Lippe-Bach-Korff-Brammer-Fans. (7/10)