Review

Ein Offizier & ein Kirgise

Akira Kurasawa ist einer der zehn größten Regisseure aller Zeiten. Bei mir persönlich wahrscheinlich sogar in der Top 5. Umso glücklicher war ich, eine der letzten wenigen Lücken zu schließen, die es in meinem Wissen zu seiner Filmographie gab. "Dersu Uzala" - und das sogar im japanischen Kulturinstitut in Köln, mit etlichen Gleichgesinnten, Fans, Kino-Connoisseuren & in feinster, passender Asia-Atmosphäre. Gratis. Was für ein Abend! In "Dersu Uzala" lernt ein russischer Militärkommandant bzw. Forscher einen einsamen Jäger in der kirgisischen Taiga kennen - der Beginn einer wundervollen Freundschaft. Ein Film über Männer, Militär, Natur & Überlebenswille. Cultureclash war nie tiefschürfender, ein Wilder noch nie eine solche Lichtgestalt. Der Geniestreich von Film kann als Vorbild von "The Revenant" bis "Der mit dem Wolf tanzt" gelten. Die perfekte Kombi aus russischer Kälte & japanischer Weisheit. Zwei Männer, aus so unterschiedlichen Welten, doch offen voneinander zu lernen, sich zu respektieren & brüderlich lieben zu lernen. 

"Dersu Uzala" ist ein verborgener Schatz im Oeuvre des japanischen Großmeisters. Der tief menschliche & in jeder Zelluloidfaser wunderschöne Film, hätte so viel mehr Bekanntheit, Lob & Aufmerksamkeit verdient. Über die Jahrzehnte sind die "Rashomon"s & "Kagemusha"s dieser Kurasawa-Welt irgendwie vor ihn gerückt & er übt sich in Understatement wie sein einzigartiger Titelheld. Die Bilder der unbarmherzigen Natur rauben einem den Atem mit ihrer gefährlichen Schönheit. Die Dschungel-Atmosphäre ist meisterhaft & der Soundtrack bietet ein paar unvergessliche Melodien. Der Film ist witzig, spannend & perfekt aufgebaut. Doch das Herz dieses klaren 10/10ers, ist das ungleiche Duo Dersu/Kapitan. Beiden Schauspieler kauft man ihre Tiefe Verbindung zueinander ab, beide spielen legendär. Das man von dem Russen danach eher weniger sah, ist sehr schade. 

Dersu Uzala ist liebenswert & ikonisch von Sekunde eins. Was für eine tolle Figur, was für ein einzigartiger Mensch, was für eine erstaunliche Darstellung. Genauso wie die russischen Soldaten, baut man als Zuschauer eine Verbindung zu ihm auf, die fester & packender kaum sein könnte. Egal ob er kauzig oder süß, mürrisch oder selbstlos, mutig oder verzweifelt ist - man fühlt zutiefst mit ihm. Er lehrt seinem besten Freund genauso wie uns, was es heißt zu überleben, zu leben, leben zu lassen. Ein Mensch, so weit ab unserer Zivilisation, doch so weise, stark, glücklich. Sein Schicksal lässt keinen kalt. Mit "Dersu Uzala" gelingt Kurasawa weit mehr als eine russische Auftragsarbeit. Das ist Völkerverständigung auf dem nächsten Level. Der Osten trifft auf den fernen Osten. Unvergesslich, unvergänglich & losgelöst von Zeiten & Ären. Vielleicht die perfekt austarierte Mitte aus Kurasawa-Abenteuer & seiner menschlichen Spätphase. Wertvolleres wird man mühevoll suchen müssen in der Geschichte der Bewegtbilder.

Fazit: Kurasawas vergessene russische Perle - eine der emotionalsten & ehrlichsten Männerfreundschaften der Kinogeschichte. In Kurasawas edler Filmographie ein introvertierter Kronjuwel. Russland trifft auf Japan - heraus kommt Kinomagie. Pure Schönheit.

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