Dass Christopher Nolan nach „Memento“ keinen zweiten Film derartiger Spitzenklasse vorlegen würde, war schon irgendwie klar, doch trotzdem enttäuscht „Insomnia“ ein wenig.
Will Dormer (Al Pacino) ist trotz eines leicht angekratzten Images ein erfolgreicher und recht beliebter Großstadtermittler. Sein neuester Fall führt ihn jedoch nach draußen in ein kleines Kaff in der Wildnis Alaskas, da die dortigen Behörden Hilfe bei der Untersuchung eines Mordes brauchen. Dormer und ein Kollege ziehen los und nehmen die ihnen allseits entgegenschlagende Achtung mit Freude, aber auch mit ein wenig Belustigung hin. Lediglich die Dorfpolizistin Ellie Burr (Hillary Swank) bleibt noch erfreulich auf dem Teppich, selbst wenn sie zu ihren Großstadtkollegen aufsieht.
Nach kurzer Ermittlungsarbeit kommen die Cops darauf, dass Walter Finch (Robin Williams) der Täter sein muss, doch bei der versuchten Verhaftung entkommt der Täter und Dormer erschießt versehentlich seinen Partner. Er schiebt Finch den Mord in die Schuhe, doch der kennt die Wahrheit…
Zumindest schauspielerisch ist „Insomnia“ ein Duell der Oberklasse. Vor allem Al Pacino als zerknautschter, unter akuter Schlaflosigkeit leidender Polizist ist wirklich famos. Nach und nach baut seine Figur angesichts von Stress immer weiter ab und will am Ende nur noch, dass alles vorbei ist, und das verkörpert Pacino wirklich großartig. Auch Robin Williams ist in der ungewohnten Psychopathenrolle wirklich gut: Ein Killer mit harmloser Fassade, der nicht wie die Klischeeschlächter anderer Filme daherkommt. Komplettiert wird die Riege mit einer überzeugenden Hillary Swank, die jedoch öfters kämpfen muss, um nicht neben den beiden anderen unterzugehen.
Auch die Geschichte bietet einiges Potential, denn wenn die Duelle von Cop und Kriminellen eine persönliche Note bekommen, dann steigt die Spannung (man siehe nur Michael Manns brillantem „Heat“). So spielt Pacino den Polizisten, der sein Geheimnis verbergen und gleichzeitig mit dem Killer fertig werden muss, auch so, dass das Kräftemessen zu einer Charakterstudie Dormers wird und man stellenweise sehr eingängig spüren kann, wie sehr ihm das Wasser bis zum Hals steht.
Leider nutzt „Insomnia“ dieses Potential nicht voll aus, denn es offenbaren sich sehr oft Längen, da die Geschichte einfach nicht genug Substanz für rund zwei Stunden Laufzeit besitzt. So verbringt der Film einfach zuviel Zeit mit seiner Hauptfigur, denn auch wenn das Ganze eine Charakterstudie sein soll, hätte hier weniger Zeit definitiv ausgereicht. Dieses ausgiebige Verharren auf Dormers Alltag, in dem es oft an aufregenden Vorkommnissen mangelt, wirkt nicht interessefördernd, sondern eher monoton. Zudem vernachlässigt „Insomnia“ das Motiv für die ersten Morde Finchs zunehmend, am Ende scheint es dem Film sogar egal zu sein.
In dieser leider etwas sehr zähen Angelegenheit stechen dann nur noch einzelne Höhepunkte hervor. Vor allem die Szene, in der Dormer seinen Partner erschießt, ist durch den geschickten Einsatz von Nebel so gut gemacht, dass selbst dann Spannung entsteht, wenn man den Ausgang der Szene bereits kennt. Auch das Ende des Films, das zwar nicht alle Konventionen bricht, aber doch anders als der übliche 08/15-Hollywoodschluß daherkommt, weiß zu gefallen, doch leider gibt es derartige Highlights zu selten um echte Begeisterung entstehen zu lassen.
So bleibt unterm Strich ein überdurchschnittlicher und wirklich famos gespielter Thriller, der jedoch einfach zu dröge und zäh ist, um wirklich überzeugen zu können.