Insomnia - Schlaflos
Nomen est omen? Bei diesem Film wohl kaum, denn Insomnia ist alles andere als ein Muntermacher. Was Regisseur Christopher Nolan hier abliefert, ist ein Thriller ohne thrill, ein Krimi, der sich fast zwei Stunden dahinschleppt, ohne auch nur ein einziges echtes Spannungs- oder Überraschungsmoment zu produzieren.
Dabei wäre die Story für mehr gut gewesen:
Die beiden Großstadt-Cops Will Dorner (Al Pacino) und Hap Eckhard (Martin Donovan) kommen aus Los Angeles. Sie werden nach Alaska geschickt, um der Polizei eines dortigen Provinzstädtchens bei der Aufklärung eines brutalen Kindermordes zu helfen. Doch das ist nicht der Hauptgrund für ihre Abordnung in die Kälte... die beiden befinden sich im Visier der Dienstaufsicht von Los Angeles und sollen für einige Zeit aus deren Wirkungskreis verschwinden.
In Alaska werden sie wie regelrechte Stars empfangen, und so bringen sie die Ermittlungen mächtig auf Trab. Schon kurze Zeit nach ihrem Eintreffen sind sie in der Lage, dem Tatverdächtigen eine Falle zu stellen - in die dieser prompt hineintappt. Doch bei der Festnahme gibt es eine Panne und der Täter wird unmittelbar vor dem Zugriff gewarnt. Die anschließende Verfolgungsjagd verläuft sich im dichten Nebel. Doch noch etwas geschieht im Nebel: Will erschießt seinen Partner - ein Unfall, denn er konnte ihn im Dunst nicht erkennen. Will fürchtet die Konsequenzen und erzählt allen, der flüchtende Täter habe den tödlichen Schuss abgefeuert. Um seine Behauptung zu untermauern geht er sogar so weit, Beweismittel zu manipulieren.
Doch dann ruft der flüchtige Kindermörder (Robin Williams) ihn an. Die Botschaft: "Ich habe die Wahrheit beobachtet, und ich will einen Deal...!"
Hört sich spannend an? Ist es aber nicht. Was fehlt, ist das klassische Krimi-Element: Der Mörder wird erst zum Schluss entlarvt, darauf ist die ganze Handlung ausgerichtet, dieser Demaskierung wird entgegengefiebert. Doch bei "Insomnia" gibt's leider nichts zu fiebern - der Mörder ist nämlich schon nach einer halben Stunde bekannt und spaziert, mehr oder weniger unbehelligt von dem erpressten Obercop, munter durch die Gegend.
Womit wir zur nächsten wesentlichen Schwäche von "Insomnia" kommen: Die Besetzung. Robin Williams als feingeistiger Denker, als Clown, als Typ in Frauenkleidern, als Mork vom Ork. Alles schön und gut. Doch als brutaler Mädchenmörder ist er einfach nur eins, nämlich fehl am Platze. Und darunter leidet der ganze Film. Wenn man schon so ziemlich von Beginn an weiß, wer der Mörder ist, dann sollte man sich zumindest vor ihm gruseln oder es als unheimlich oder bedrohlich empfinden, wenn er auf dem Bildschirm erscheint. Robin Williams hingegen ist in etwa so bedrohlich wie das Krümelmonster aus der Sesamstraße. Schade, ein im Grunde genommen solider Schauspieler sinnlos verheizt.
Auch die anderen setzten keine Akzente (... noch nicht einmal Pacino), was eindeutig daran liegt, dass "Insomnia" nachlässig und oberflächlich inszeniert ist; die Handlung plätschert unspannend vor sich hin, die Charaktere erhalten keinen Raum sich zu entwickeln.
Lediglich die Landschaft, die beeindruckende Natur Alaskas, die so ganz nebenher auf den Zuschauer einwirkt, verdient besondere Beachtung.
Fazit:
Was soll man von einem Thriller halten, in dem der Mörder wie ein liebenswerter Limonadenverkäufer aussieht und in dem die Kulisse das einzig wirklich spannende Element darstellt? Zum einmaligen Ansehen gerade noch geeignet, zu mehr auf keinen Fall.