Review

Teil 3: Insomnia (2002)

Thema: Schlaflosigkeit

Nach „Memento“ zieht es Christopher Nolan in etwas konventionellere Wege, indem er ausschließlich als Regisseur mit einem Teil des Produktionsstabs von „Memento“ zusammenarbeitet, um ein Remake des schwedischen Thrillers „Insomnia“ von Erik Skjoldbjaerg, indem unter anderem auch Stellan Skarsgard mitgespielt hat, zu drehen. „Insomnia“ fehlen manche Feinheiten aus Nolans filmischen Repertoire, was aber nicht bedeutet, dass wir es hier mit einem schlechten Nolan, sondern einem unterschätzen Meisterwerk zu tun haben.

In Nightmute im amerikanischen Bundesstaat Alaska wird eine junge Frau ermordet. Die erfahrene Coplegende William Dormer und sein Kollege Hap Eckhart sollen der unerfahrenen Ermittlerin Eveline Burr bei diesem Fall zur Seite stehen. Der Täter ist schnell ausgemacht, doch bei der Verfolgung geraten die Ermittler in einen starken Nebel, bei dem Dormer seinen Kollegen versehentlich erschießt. Mit diesem Wissen in der Hinterhand entwickelt sich zwischen William Dormer und dem Täter ein nervenzereißendes Psychoduell.

Ein für Nolan wichtiges Spannungselement ist immer auch die innerliche Zerissenheit und der Wahnsinn des Hauptprotagonisten. Der von Al Pacino perfekt verkörperte William Dormer ist ein solcher Hauptprotagonist dieses Films. In Nightmute, Alaska ist eines der weltweit nur sehr selten auftretende Phänomen der Mitternachtssonne anzutreffen. In Nächten wird es nicht dunkel und für unvorbereitete Personen ist es schwer bzw. nahezu unmöglich Schlaf zu finden. So auch für William Dormer, dem die Schlaflosigkeit zunehmends zusetzt, genauso wie die Verantwortung für den Tod seines Kollegen und ein entsprechendes Motiv für diese Tat, die in einer Dienstaufssichtsbehördenuntersuchung liegt, die ihm den Job und seine komplette Karriere kosten könnte. Zudem ist ihm auch die Aufklärung des Falls wichtig und dass der Täter hinter Gittern kommt – und diese dadurch bedingte Schlaflosigkeit lässt uns mit seinem Charakter zu jeder Zeit mitfühlen. Der Film könnte in dieser Richtung nicht weniger als der klassische Krimi mit einem „Whodunit“ sein, kann aber durch die Auswahl seiner Darsteller, seiner Inszenierung und der Ausgangslage viel mehr als das. Gott habe ihn selig, der Meister des leichtfüßigen und stets gut gelaunten Humors, Robin Williams hat in genau der Phase von „Insomnia“ auch gezeigt, wie gut er die bösen, abgründigen Charaktere verkörpern kann. Sein Walter Finch ist ein Meisterstück von ihm und in der Kombination mit Al Pacino entsteht ein großes Duell von zwei Schauspielgrößen, die jede gemeinsame Szene zum Spannungshöhepunkt des Films macht. Von der Verfolgung über schwimmende Baumstämme, einer Unterhaltung auf einer Fähre, dem Verhör oder auch die finale Auseinandersetzung. Ich komme nicht drum herum, dass Nolan auch mit diesen Elementen wichtige Grundsteine für seine späteren Werke gesetzt hat. Darüberhinaus ist die Darstellung von einer jungen, naiven, aber intelligenten Polizistin durch Hilary Swank ebenfalls eine Erwähnung wert. Ich muss auch sagen, dass der Soundtrack, die eingefangenen Bilder den Film super unterstützen. Christopher Nolan ist hiermit ein extrem spannender Thriller gelungen, der etwas von der narrativen Genialität eines „Memento“ einbüßt, aber trotz allem noch genau das unterschätzteste Meisterwerk in seiner Filmografie ist.

„Insomnia“ - My Second Look – 10/10 Punkte.

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