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Nachdem Jason Vorhees im 21. Jahrhundert noch einmal gründlich rundum erneuert auf die Horror-Fangemeinde losgelassen wurde, musste natürlich auch noch einmal die Exhumierung von Michael Myers angeordnet werden. Doch während „Jason X“ durch Selbstironie, einen Haufen gelungener CGI-Effekte und futuristisches Ambiente überzeugen konnte, enttäuscht „Halloween: Resurrection“ durch seine Absurdität und epigonische Wiederholung alter Story-Fetzen. Regisseur Rick Rosenthal, der mit „Halloween 2“ neben „Halloween H20“ die beste Fortsetzung des Erstling-Films inszenierte, vermag nur selten zu fesseln geschweige denn über die gesamte Länge von nur 80 Minuten zumindest zu unterhalten.

Zur Story: 6 Studenten um die introvertierte Sarah werden für die Reality-Show „Dangertainment“ in die Bude von Michael Myers gesteckt. Via Webcams übertragen, können die Zuschauer über ihren Computer das baldige Ableben der Protagonisten hautnah miterleben. Denn Michael Myers is back in da house…

Logisch? Nicht wirklich. Nachdem M.M. in „Halloween H20“ enthauptet wurde, wird nun hier anfänglich und ziemlich vage erklärt, warum er trotzdem nicht tot ist. Laurie Strode hat anscheinend dem Falschen das Köpfchen abgeschlagen, da ihr Brüderlein wohl vorher jemand Anderen die Maske aufgesetzt hat/ aufsetzen konnte – is klar! Naja, irgendwie musste ja die mittlerweile 7. Fortsetzung der ausgebluteten Meuchel-Serie gerechtfertigt werden. Frau Curtis, die sich noch ein weiteres Mal für ihre Parade-Rolle als „Scream Queen“ verpflichten ließ, wird jedenfalls wegen Mordes in die Klapse eingeliefert und bekommt alsbald Besuch von dem mörderischen Verwandten. Nach etwa 15 Filmminuten – nachdem sie mit ihrem Brüderchen ein Date in der Hölle vereinbart hat – darf sie den überkonstruierten Billig-Horrorfilm-Tod sterben und der restliche Mumpitz kann seinen Lauf nehmen.

Ohne Bezug zu Frau Curtis dreht sich die weitere Geschichte nun um die schlaue Studentin Sarah und ihre hibbelige Kommilitonin Jenny, welche zusammen mit ein paar anderen sündhaften Freaks das Mitwirken an „Dangertainment“ im Myers-Haus gewonnen haben (Na, wer überlebt wohl?). Der Tod des Kamera-Installateurs im Haus vor der Show wird natürlich nicht bemerkt und irgendeine austauschbare Nebenfigur muss natürlich klugscheißerisch zum Besten geben, wer dort mal gewohnt hat – wie üblich. Im Haus angekommen, scheinen die Macher wohl so etwas wie „Halloween“ meets „Blair Witch Project“ angestrebt zu haben, was allerdings aufgrund der fehlenden Pseudo-Dokumentations-Atmosphäre gründlich in die Hose geht. Zwar ist alles ziemlich dunkel, aber Grusel-Atmosphäre vermag angesichts zahlreicher Pseudo-Schockeffekte, Plattitüden und überflüssiger Nebenhandlungen nicht aufzukommen. Die Darsteller um Rapper Busta Rhymes sind allesamt so schlecht, dass man über sie ebenso wie über die weitgehend beschissene Dramaturgie nur lachen kann. Ich meine, ich würde im Myers-Haus auch in jeden Schrank schauen, Sex in der Gruft haben wollen und anfangen zu kiffen… Unfreiwillig komisch ist dann auch das unlogische und wieder einmal schlicht törichte Verhalten der Protagonisten (die Krönung: M.M. steht oben an einer Treppe und enthauptet Protagonistin Jenny).
Nach einer geschlagenen Dreiviertelstunde im Haus, wo ab und zu mal ein recht unblutiger Mord geschieht, kommt es erst zu einer kleinen, aber wenig überraschenden Wendung, die wohl so etwas wie Medienkritik zeigen soll – leider wird solcher viel versprechender Ansatz nicht weiter ausgeführt. Auch hätte man das Verhalten der sensationslüsternen Partygesellschaft um „Deckard“ kritisieren können – aber welche hohen Ansprüche stelle ich da wieder an einen schlechten Slasher-Film!

Zumindest kommt dann in den letzen 20 Minuten doch noch so etwas wie Spannung auf, welche durch einen netten – und so ziemlich neben der „Big Brother“-Variante einzigen originellen – Einfall geschürt wird. Aber: Das Finale im Haus ist so arg konstruiert, dass man sich an den Kopf fasst und sich fragt, wie genau dieser Protagonist überhaupt noch leben kann. Die Idee des Feuers und Grillens vom „schwarzen Mann“ hat Rosenthal scheinbar seinem eigenem Film („Halloween 2“) entlehnt und ist somit auch nicht originell. Und von dem wieder einmal uninspirierten, unbefriedigenden und verärgenden Ende will ich erst gar nicht anfangen. Gemetzelt wird leider auch viel zu selten, obwohl selbige Gore-Effekte durchaus als gelungen bezeichnet werden können.
Ach, ich vergas. Zum Schluss noch die größte Absurdität: Warum zum Kuckuck meuchelt M. M. neuerdings fremde Teenies? Klar hat er für die eine Präferenz, aber warum tötet er weiter nachdem seine letzte noch lebende Verwandte das Zeitliche gesegnet hat? Verteidigt er sein trautes Heim oder was? Diese Motivation bleibt ebenso im Dunkeln wie die Antwort auf die wohl wichtigste Frage, und zwar, warum ein 7. Aufguss des Kultfilms gedreht werden musste.

Fazit: „Halloween: Resurrection“ ist die mittlerweile 7. und schlechteste Fortsetzung des seinerzeit bahnbrechenden Kultfilms von 1978. Der Film ist langweilig und weitgehend uninspiriert, die Darsteller (ausgenommen mal Jamie Lee Curtis) spielen schlecht und so etwas wie Atmosphäre und Spannung scheinen Fremdwörter zu sein. Die seltenen Gore-Einlagen sind zu kurz, die Optik immerhin gefällig, der „Schluss“ verärgernd und das Drehbuch löchrig und substanzlos. Trashig: ja, unterhaltsam: leider nein. Die 80 Filmminuten sind verschenkte Zeit.

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