US-Regisseur Rock Rosenthal, der seinerzeit bereits die erste, sehr gelungene “Halloween”-Fortsetzung drehte, wurde 2002 mit der Regie von „Halloween: Resurrection“ betraut, der an den vorausgegangenen, mainstreamigen „Halloween H20“ anknüpft – zumindest, was die Handlung betrifft, qualitativ leider nicht.
Zunächst beginnt der Film mit einer sehr absonderlichen Erklärung dafür, dass Michael Myers noch immer unter den Lebenden weilt – bekam er doch eigentlich im vorherigen Film von Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) den Kopf abgeschlagen. Nun, damals steckte gar nicht er im Kostüm, sondern ein Polizist, dem er zuvor den Kehlkopf zerquetscht hatte. Äh, aha?! Nun gut, wir haben es mit einem Slasher zu tun, in dem ein motivloser Serienkiller anscheinend warum und wie auch immer mit übernatürlichen Kräften ausgestattet wurde und bisher alles überlebt hat – da will ich gar nicht so laut nach Logik schreien.
Lee Curtis alias Strode scheint zunächst ein ähnliches Schicksal zu erleiden, wie in der „Halloween“-Reihe für Überlebende – bisher abgesehen eben von Laurie Strode – üblich: Sie ist mental derangiert, apathisch und/oder zum Sterben verurteilt. Doch wie sie so in der Nervenheilanstalt regungslos dasitzt und vor sich hinstarrt, ist nur eine Finte, denn sie weiß ganz genau, was sie auch zum diesjährigen Halloween erwartet: Ein erneutes Wiedersehen mit ihrem mordsüchtigen Bruder. Prompt erscheint er auch und will sie dahinmetzeln, es kommt zum Kampf. Doch dann geschieht das eigentlich Unfassbare: Sie wurde tatsächlich von den Drehbuchautoren zum Abschuss freigegeben, Michael killt sie wirklich! Gerade noch freut man sich über das erneute Wiedersehen mit ihr und bewundert, wie blitzgescheit sie das Anstaltspersonal an der Nase herumführte, nur um dann wirklich und wahrhaftig über den Jordan geschickt zu werden. Ok, zumindest geschah das in wirklich respektabler, typischer „Halloween“-Atmosphäre und -Manier und weiß wirklich zu schockieren. Völlig unklar ist jedoch, warum zur Hölle sie das Seil, an dem Michael nur wenige Meter über dem Boden baumelte, durchtrennen wollte? Schließlich müsste sie am besten wissen, dass so ein Sturz ihrem unsäglichen Bruder nichts wirklich anhaben könnte. Wie auch immer, soweit also der Prolog.
Nachdem sich Laurie also etwas unrühmlich verabschiedet hat, bekommen wir es von nun an mit dem vollen Brett nerviger, überzeichneter Klischeecharaktere zu tun: Eine TV-Anstalt plant ein Reality-Show-Special, für das eine Bande Teenager ins vorher präparierte, seit Jahren leerstehende Myers-Haus gesetzt wird. Das Ganze soll im Internet übertragen werden, wo das Publikum zwischen allen möglichen Webcam-Perspektiven wählen kann. Busta Rhymes (warum nach LL Cool J in „Halloween H20“ schon wieder so ein Rapper in einem „Halloween“-Streifen?!) ist der Leiter des Projekts und instruiert seine Teenies, unter denen sich ein Mädel befindet, das nicht ganz so debil erscheint wie die anderen und einen Internet-Chat-Verehrer hat, der von einer Party aus zusieht. Diese steht natürlich von vornherein als „Final Girl“ fest, so dass klar wird, dass „Halloween: Resurrection“ nicht sonderlich auf Spannung, sondern auf reinen „Michael dezimiert die ganze dämliche Bande“-Unterhaltungswert setzen wird.
Es folgen die spätestens seit „Blair Witch Project“ bekannten Amateurkameraspielereien, hier mithilfe von Webcams, die in dem stellenweise gar nicht übel hergerichteten Myers-Haus-Ambiente mal recht effektiv und gruselig wirken, in den schnellen Wechselschnitten mit der normalen Kamera aber ziemlich nerven. Hier punktet der Film ganz sicher nicht mit den hirnverbrannten Debilendialogen, sondern beispielsweise mit noch zuckenden, angeknabberten Ratten, die den strunznaiven Protagonisten langsam aber sicher klarmachen, dass nicht alles reine Deko sein kann. In erster Linie sind es aber natürlich die Morde, die in der ungeschnittenen Fassung dann doch verhältnismäßig brutal und explizit vonstatten gehen. Die typische, unheimliche Halloween-Atmosphäre hingegen wurde fast komplett verschenkt, von ihr ist nicht mehr viel übrig. Vereinzelte Momente bringen diese noch zum Vorschein und wecken wehmütige Erinnerungen, ansonsten regiert der künstlich auf modern getrimmte Teenage-Horror-Overkill, der für eine Generation umgesetzt, die von Suspense und derlei Ingredienzien nichts mehr wissen will. Geblieben ist der Terror, der dem Film gerade noch zu einer Durchschnittsnote verhilft.
Die vordergründige Kritik an sog. Reality-TV kommt mit der Brechstange und ist lachhaft. Ein Kerl im Myers-Kostüm, der gar nicht Myers ist, bekommt diesmal nur eine geknallt, statt wie in Rosenthals Teil 2 angezündet zu werden. Busta Rhymes stört mit Martial-Arts-Attacken gegen Michael und dümmlichen Gelabere, als wäre er selbst einer der Teenies; seine Rolle nimmt man ihm nicht ab. Die Schlusspointe letztlich ist einerseits ein zu erwartender Cliffhanger, andererseits aber dann doch irgendwie wirksam und aus meiner Sicht mit „Halloween“-Fan-Brille auf der Nase gelungen.
Alles, was ich unerwähnt ließ, ist entweder unerheblich für diese Kritik oder würde spoilern. Deshalb sollten beinharte „Halloween“-Fans, die ich nicht komplett abgeschreckt habe, am besten einfach selbst ohne irgendeine Erwartungshaltung diesem Teil eine Chance geben, der für kurzweilige Slasher-Unterhaltung von der Stange noch halbwegs taugt, aufgrund seiner Anpassung an die Fastfood-Kino-Zielgruppe aber bereits heute für seine angepeilte Klientel schon wieder überholt ist und bei den wahren Filmfreunden größtenteils gnadenlos durchlief – im Gegensatz zu den Klassikern, die diese Filmreihe zu bieten hat.