Review

Mit alteingesessenen deutschen Regisseuren ist es zuweilen ein wenig schwierig. Während man bei Ulli Lommel getrost die Hoffnung aufgeben darf, noch jemals einen brauchbaren Film zu erspähen, liefert Uwe Boll eine Achterbahnfahrt von unterschiedlichsten Qualitäten ab. Mit diesem Streifen bekommen wir wieder brauchbare Fließbandware geliefert: Ein überaus vertraut klingendes Storygerüst, allerdings innerhalb eines recht interessanten Interieurs.

Denn es herrscht Weltuntergangsstimmung. In den Nachrichten hört man von Erdbeben in London, einem Reaktorunglück in Russland und weltweiten Plünderungen, während es in dem kleinen Örtchen, in dem der junge Farmer Tom mit Frau Gilian und dem dreizehnjährigen Sohn Graham lebt, seit einer Woche ununterbrochen regnet.
Die Ernte ist hinüber, mitten im Juni herrschen Temperaturen um den Gefrierpunkt und dann kommt auch noch ein Sturm auf. In diesem wankt der Fremde Silas (Luke Perry) halb bewusstlos auf den Hof der Familie und wird zunächst einmal freundlich aufgenommen…

Wann immer ein fremder, zunächst namenloser Mann in eine Familienidylle platzt, (nach acht Minuten musste deshalb wohl auch eine völlig lahme Erotikszene eingebunden werden), kann man davon ausgehen, dass sich die Chose zum Psychothriller entwickelt.
Entsprechend gibt sich Silas betont freundlich, besonnen, überaus hilfsbereit und stachelt die allgemeine Ruhe lediglich durch augenscheinlich religiöse Anwandlungen auf.
Nur Tom ist von Beginn an ein wenig skeptisch, will den Fremden mit Erinnerungslücken jedoch nicht ins Unwetter hinausschicken und toleriert später seine Hilfsbereitschaft.

Als Zuschauer kann man sich allerdings einige Zeit nicht sicher sein, ob Silas nicht vielleicht den Boten/Engel der Apokalypse verkörpert, der nur diejenigen begleitet, die die radikalen Umweltveränderungen bis dato überlebt haben (Hund läuft weg, Nachbar verschwunden, überhaupt keine Tiere mehr zu sehen), oder ob der tatsächlich etwas Düsteres im Schilde führt, was der allgemeinen Spannung natürlich dienlich ist.
Auf atmosphärischer Basis entstehen in diesem Kontext ebenfalls ein paar gute Szenen, beispielsweise, als man zu viert mit dem Truck in die menschenleere Stadt fährt.

Der leicht zynische Unterton mit mystischem Beigeschmack kann somit das Interesse aufrechterhalten, nur vermisst man zwischenzeitlich wirklich mitreißende Momente. Denn egal, mit welchem Twist das Skript gegen Ende aufzuwarten versucht, plätschert das Treiben besonders im Mittelteil ein wenig dahin, man vermisst Konfrontationen, die etwas derber ausgetragen werden und eine deutlichere Entwicklung der Figurenkonstellation.
Obgleich die letzten Einstellungen schließlich doch noch überraschen und die Darsteller durch die Bank glaubhaft agieren, fehlt ein wenig der dramaturgische Feingeist, um das allzu bekannte Sujet über deutliches Mittelmaß zu heben.

Dennoch fällt „Final Storm“ im Gesamtbild unterhaltsam aus, die Mixtur vom suspekten Fremden und dem nicht ganz durchschaubaren, apokalyptischen Szenario ist mit recht simplen Mitteln gelungen, auch wenn sich das allgemeine Mitfiebern in Grenzen hält.
Das Bollwerk kann sich also weiter drehen, nur muss er aufpassen, sich tendenziell nicht wieder eher belanglosen Skripts zu widmen…
6 von 10

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