Review

Uwe Boll kann (leider) keine Sturmflut davonspülen

Es ist nicht so, dass Uwe Boll ausschließlich beschämende Vollgurken während seiner nun doch recht ausufernden Laufzeit gedreht hat. Der eine oder andere Film ist auch einfach „nur“ schlecht. Oder mager. Oder suboptimal. Und in diese Kategorie, die für ein „Bollwerk“ schon fast Kompliment ist, gehört ungefähr auch „The Final Storm“ in dem einer Familie auf ihrer abgeschiedenen Farm apokalyptische Unwetter drohen und ein mysteriöser Prediger für noch weitere Unruhe sorgt…

Ein Punkt für die umwerfende und zeitlose Lauren Holly. Was eine Traumfrau! Ein weiterer Punkt für den gar nicht übel aufspielenden und jeden Strohhalm greifenden Luke Perry. Vielleicht noch einen halben Punkt, dass er vor fünfzehn Jahren mit diesem Klimawandelthema seiner Zeit etwas voraus war, obwohl Naturkatastrophen und mögliche Weltuntergänge natürlich gerade damals zum Ende des Mayakalenders auch boomten. Und hier und da noch versprengte Punktteilchen dafür, dass ich zumindest wissen wollte, wie „Final Storm“ ausgeht und ich solche Weltuntergangsszenarien eh mag. Egal ob sie wie hier nun eher intim gehalten oder wie bei Emmerich gigantisch aufgezogen werden. Die Laufzeit ist jetzt auch nicht ausufernd und Boll hält sich zumindest nicht mit unnötigen Subplots auf. Manchmal kommen etwas nebelige Stephen King-/„The Mist“-Vibes auf. Aber das wäre eigentlich viel zu hoch gegriffen. Ansonsten ist das bollsche Standardware mit all seinen filmischen und inszenatorischen Warzen und Falten und Pickeln und Geschwüren. Dabei hatte er zu der Zeit nach „Darfur“ oder „Rampage“ eigentlich Anzeichen zur Besserung gezeigt, fast 'nen Lauf. Doch daran kann „Final Storm“ mit seinem TV-Look und gestelzten Dialogen, den schwachen Computereffekten und der arg plätschernden Geschichte, dem fast nur einen grauen Schauplatz und nahe null stilistischen Kniffen nicht anschließen. Mehr als einmal sieht man am oberen Bildrand Mikrofone wackeln. Boll inszeniert Filme wie andere Urlaubsvideos. Ich kenne keinen Regisseur, der weniger Künstler ist als er. Und noch dazu ein schlechter Handwerker seines Fachs. Und das kombiniert ergibt dann im besten Fall einen sturen, unterhaltsamen Boxbock - meistens aber eher den Furunkel in der Geschichte aller deutschen Regisseure. „Final Storm“ wäre unter 98% aller Regisseure dieser Welt besser geworden, er hat durchaus Potential, Interessantes und Spannungen. Aber unter Bolls Zusammenstellung bleiben davon lediglich Knochenreste. Ich glaube ich reiße mir eher alle Fingernägel aus als seine komplette Filmografie in zwei Wochen am Stück zu gucken…

Fazit: irgendwo im Mittelfeld der bollschen Filmographie. Und das ist dann ganz sicher unterdurchschnittlich. Dabei gibt’s durchaus Ansätze und Möglichkeiten - die der bockige Glatzkopf im Selbstüberschätzungswahn aber nahezu alle links liegen lässt und eine reine Auftragsarbeit abliefert. Wobei man bei ihm dabei natürlich mit technischen Macken und Unzulänglichkeiten an jeder Seite des Filmhauses rechnen muss. „Final Storm“ ist ausgesprochen hässlich. Das sollte als Drohung gelesen werden. Unfit, ungut, unschön. 

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