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Als die Rugby - Weltmeisterschaft - immerhin die drittgrößte Sportveranstaltung auf unserem Planeten - Anfang der 90er Jahre an Südafrika vergeben wurde, lag darin eine immense Symbolik. Erst kurz zuvor war der ehemalige Apartheit Staat wieder in den Kreis der sporttreibenden Nationen aufgenommen worden, aber es war nicht der Sport der überwiegend schwarzen Bevölkerung, der hier im großen Rahmen zelebriert werden sollte, sondern der der weißen Minderheit. Es wäre für den ersten frei gewählten schwarzen Präsidenten Südafrikas, Nelson Mandela (Morgan Freeman), also ein Leichtes gewesen, diese Veranstaltung, an deren Zustandekommen noch sein Vorgänger beteiligt war, zu ignorieren und quasi unter dem Ausschluss des größten Teils der Bevölkerung stattfinden zu lassen, aber er begriff diese stattdessen als Chance für die Versöhnung in seinem Land.

Unabhängig davon, wie groß die wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes vor und nach der Rugby - Veranstaltung waren, egal, wie die Versöhnung zwischen der schwarzen und weißen Bevölkerung tatsächlich danach stattfand, und letztlich auch unwichtig, ob Nelson Mandela ein durch und durch anständiger Charakter ist oder doch über ein paar negative Eigenschaften verfügt, genügt alleine diese bewiesene Tatsache, um ihn über fast alle Staatsmänner hinweg zu heben. Vielleicht stammte diese Idee ursprünglich von einem engen Berater, vielleicht lag darin auch eine gewisse Berechnung, aber wer würde widersprechen, dass es vor allem Klugheit und Mut bedeutete, nicht den Erwartungen der gesamten Bevölkerung zu entsprechen. Für seine schwarzen Landsleute war es eine Verbrüderung mit dem ehemaligen Feind, der lieber für sich bleiben wollte.

Deshalb führt jede Kritik daran, dass Clint Eastwood hier auf die Darstellung der tatsächlichen Probleme des Landes verzichtet und auch die Rassentrennung nur im Kleinen andeutet, ins Leere, denn er beschränkt sich einzig auf Mandelas psychotherapeutische Behandlung seines Landes im Zusammenhang mit dem Rugby - Turnier. Stellvertretend für den weißen Teil der Bevölkerung sitzt François Pienaar (Matt Damon), Kapitän der Rugby-Nationalmannschaft, auf der Couch, während die schwarze Bevölkerung quasi zusieht. Entsprechend gestaltet sich auch die Rollenverteilung, denn während Mandela durch Einfühlsamkeit und Weisheit überzeugt, gibt Pienaar den geduldigen und in seiner Art zurückhaltenden Zuhörer, der das Begriffene an die Mannschaft weiterleitet. Sehr schön beschreibt der Film diese Situation, als Pienaars Frau ihn nach seinem ersten Besuch bei Mandela fragt, was dieser von ihm wollte. Er will, dass wir den World-Cup holen, antwortet Pienaar, obwohl Mandela das mit keinem Wort erwähnte.

Natürlich hat es Eastwood leicht, diese Szenen idealisiert wieder zu geben, denn die Historie hat ihm längst recht gegeben. Dass Südafrika den Cup dann wirklich gewann, kann als Beweis für die Richtigkeit in Mandelas Vorgehen gelten, aber auch hier gilt wieder das, was auch für die sonstigen Rahmenbedingungen im Land gilt. Allein die Tatsache, dass Mandela im grünen "Springbock"- Trikot im Stadion war, jeden Spieler einzeln begrüsste und die Mannschaft bedingungslos anfeuerte, verdeutlicht eine zuvorige psychologische Meisterleistung, die jeden Einwand daran, ob sein sprachlicher Stil tatsächlich so geschliffen war, wie ihn Morgan Freeman, dem es zudem ausgezeichnet gelingt, Mandelas Körpersprache, ja sogar dessen Zerbrechlichkeit, wieder zu geben, hier vorträgt, kleinlich erscheinen zu lassen.

Natürlich wäre es interessant gewesen, die Widerstände, auf die Mandela gestoßen sein muss, hier stärker und dramatischer erleben zu können, aber dann wäre "Invictus" ein ganz anderer Film geworden. Clint Eastwood versteht seinen Film als absoluten Blick auf dieses eine Ereignis, dem als Sportveranstaltung erst mit dem ausführlich gezeigten Endspiel die Vorbereitung des Höhepunkts gegönnt wird. Entsprechend ist es auch für den Betrachter notwendig, sich mehr auf die Emotionen, denn auf eine realistische Betrachtung der damaligen politischen Situation Südafrikas einzulassen.

Doch das ist gerechtfertigt, denn auch wenn die Auswirkungen auf das Land nicht exakt messbar sein können und im Detail immer unterschiedlich ausfallen werden, steht die heilende Wirkung außer Frage, worin auch der generelle Ansatz verborgen ist. "Invictus" ist ein Feel-Good-Movie, aber eines mit realem Hintergrund (8/10).

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