Der junge Pazu findet ein Mädchen, das scheinbar vom Himmel gefallen ist und erfährt, dass diese einen Kristall bei sich trägt, der den Weg zu einem Schloss, das irgendwo in der Atmosphäre schwebt, weisen kann. Da sich dort zahlreiche Schätze befinden sollen, wird sie von einer Horde Piraten verfolgt, vor denen Pazu sie nun zu schützen versucht. Doch nicht nur die Piraten haben ein Interesse am sagenumwobenen, schwebenden Schloss, sondern auch die Armee.
Nicht zuletzt dank "Prinzessin Mononoke" und "Chihiros Reise ins Zauberland" hat sich Hayao Miyazaki, der in Japan schon seit Dekaden Kultstatus genießt, auch in Amerika und Europa einen Namen machen können. Was bei den Lobeshymnen auf die beiden Werke oftmals vernachlässigt wird, ist, dass Miyazaki schon in den 80ern hervorragende Filme entworfen hat.
So auch "Das Schloss im Himmel", das zeichnerisch sicherlich nicht mit "Prinzessin Mononoke" und den übrigen neuerlichen Werken des japanischen Regie-Meisters Schritt halten kann, da er heute über deutlich höhere Budgets und modernere Mittel verfügt, aber doch sehr ansprechend geraten ist. Man sieht dem Zeichentrickfilm einfach an, wie viel Arbeit und Innovation in ihm stecken, so sind die Schauplätze schön konstruiert, das schwebende Schloss wundervoll designt und den Action-Szenen mangelt es derweil keineswegs an Dynamik, sodass der Film trotz seines Alters visuell einiges hermacht. Die Detailverliebtheit späterer Werke bleibt dabei zwar aus, was nicht heißt, dass der simple, aber doch schöne Anime-Zeichenstil nicht ansehnlich geworden ist.
Die Story ist dabei nicht derart komplex, wie bei "Prinzessin Mononoke", das braucht sie in diesem Fall jedoch auch gar nicht zu sein. Viel wichtiger ist, dass "Das Schloss im Himmel" eines hat: Herz und Seele. Die beiden Waisenkinder, die einander durch einen Zufall finden und so aus ihrer Einsamkeit entfliehen können, sind sehr sympathisch konstruiert und dazu entsprechend kindlich, fast niedlich, gezeichnet, sodass von Anfang an eine emotionale Atmosphäre entsteht, die durchaus aufrecht erhalten werden kann, was allein schon durch den gefühlvollen Score von Joe Hisaishi garantiert wird.
Und so fesselt der, verglichen mit manch anderem Werk des japanischen Regisseurs, sehr kindgerechte Film, und geht durchaus Nahe, ohne auch nur eine Sekunde kitschig oder infantil zu wirken. Dabei hält der Plot immer wieder einige Überraschungen bereit und hält damit die Spannung permanent hoch, bis sie schließlich beim Finale auf die Spitze getrieben wird. Man muss Miyazaki auch hier ein narrativ stringent geführtes Werk bescheinigen, das durchweg sympathisch daherkommt, emotional fesselt und mit seiner liebenswerten, gefühlvollen Art Disney und Co zeigt, was auch ohne Monsterbudgets und moderne Tricktechnik möglich ist.
Tiefere Ansätze gibt es hier verglichen mit vielen Anderen Miyazaki-Werken nicht allzu viele, auch wenn der alte Konflikt der menschlichen Industrie, Technik und Zivilisation mit der Natur, dem Traditionellen, dem Mystischen hier erneut zum Ende hin aufbereitet wird. Ambivalente Charakter und Interpretationsspielraum sucht man darüber hinaus vergebens, aber dies fällt kaum weiter ins Gewicht.
Fazit:
Ohne rührselig, kindisch oder allzu glatt zu wirken, fesselt "Das Schloss im Himmel" durchweg mit seiner sympathischen Art, seinen liebenswerten Charakteren, seinem liebevollen Zeichenstil, seinem gefühlvollen Score und seinem gelungenen, für einen Animationsfilm ausgesprochen spannenden Plot. Der Hinweis an Disney und Co: So und nicht anders funktioniert gutes Animationskino.
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