"Dieser Stein hat geheimnisvolle Kräfte."
Musca, ein Agent der Regierung, ist auf der Suche nach Laputa, einer Stadt, die in den Wolken verborgen ist und Reichtum verspricht. Um ihren verborgenen Ort zu finden, entführt er die junge Waise Sheeta, die im Besitz eines geheimnisvollen Steins ist. Dieser soll den Aufenthaltsort von Laputa offenbaren. Während dem Flug in einem Luftschiff werden sie allerdings von der Piratin Dora und ihren Söhnen angegriffen. Sheeta stürzt bei einem Fluchtversuch dabei in die Tiefe. Sie landet jedoch, da ihr Stein die Kraft hat, sie zum Schweben zu bringen, bewusstlos in den Armen von Pazu, der ebenfalls Waise und bei den Bergarbeitern einer Minenstadt angestellt ist. Beide sind mit dem Schicksal um die Stadt in den Wolken miteinander verbunden und auf ständiger Flucht vor den Piraten und der Regierung.
Regisseur Hayao Miyazaki erzielte mit dem gezeichneten Öko-Drama "Nausicaä aus dem Tal der Winde" einen enormen wirtschaftlichen Erfolg, was die Gründung des Animationsstudios Ghibli nach sich zog. Der darauf folgende Anime "Das Schloss im Himmel" ist die erste Produktion des heute so berühmten und als japanischer Disney bezeichneten Studios. Im Gegensatz zu Disney steht Ghibli für Zeichentrickwelten, die stets epischen, detailreichen und fantastischen Charakter haben. So auch "Das Schloss im Himmel", der allerdings doch einen Tick zu kindlich ausfällt.
Die Geschichte ist in einer Märchenwelt irgendwo zwischen mittelalterlichem Fantasy, Science-Fiction und mechanistisch-industrialisierter Maschinenwelten angesiedelt. Ohne große Einführung befindet man sich mitten in ihr wieder und muss sich zunächst neben der befremdlichen Welt auch an die schrulligen Figuren gewöhnen.
Der Spannungsaufbau erweist sich zunächst als schleppend. Zwar treibt eine bereits früh vorkommende Verfolgungsjagd das Tempo hoch, so ganz will der Funke, mangels Hintergrundinformationen, noch nicht überspringen. Auch weiterhin sorgt die maue, löchrige Handlung weniger für eine Nachvollziehbarkeit. Dies ändert sich erst im letzten Drittel, wo der Film sein ganzes Potential entfaltet.
Wenn die ersten Fußstapfen auf das titelgebende Objekt gesetzt werden, wird die gänzliche abenteuerliche und mystische Atmosphäre offenbar. Bis zu diesem Zeitpunkt stehen eher warmherzige Charaktere und eine Anti-Kriegs-Moral im Fokus. "Das Schloss im Himmel" nimmt sich somit erst gegen Ende die Zeit, die für Ghibli übliche Botschaft um die Umwelt und Macht zu etablieren.
Dann auch funktioniert es mit den rasanten Actionszenen zu der sehr eingängigen Musikuntermalung. Neben vorantreibenden Themen bietet diese auch intime, emotionale Stücke.
Der comichafte Stil will nicht so ganz in die heitere aber doch geerdete Handlung hinein passen. Häufig werden die sehr kindlich agierenden Figuren für Slapstick mißbraucht. Dies sorgt bei den Kleinsten sicher für Freude, während sie mit mancher Erwachsenenthematik und der durchaus brachialen Action weniger etwas anfangen können. Umgekehrt dürfte der Humor für ein älteres Publikum irritierend sein.
Sehr viele Jahre hat "Das Schloss im Himmel" schon auf dem Buckel. Und das sieht man ihm optisch an. Für damalige Verhältnisse durchaus gehoben, sind heute nur die Hintergründe durchaus sehenswert. Die gezeichneten Figuren wirken detailarm und ungelenk animiert.
Das letzte Drittel zeigt was der Animationsfilm in Sachen geheimnisvoller Mystik, subtiler Spannung und temporeicher Action gänzlich hätte bieten können. Bis dahin hat "Das Schloss im Himmel" viel Herz, jedoch wenig Inhalt. Die Handlung ist einfacher Natur, die Figuren sehr kindlisch und der Humor eher abgehoben. Regisseur Hayao Miyazaki kann mit seinen inhaltsvollen Animes eher begeistern, als bei dem Versuch verschiedene Zielgruppen anzuvisieren. Knappe ...
7 / 10