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Gute Actionfilme sind rar geworden, genauso wie glaubwürdige Darsteller um solche Rollen zu verkörpern. Mit Johnny Strong liefert uns Regisseur William Kaufman (The Prodigy, The Hit List) ein neues Gesicht, Strong werden von Genrekennern sogar gewisse Ähnlichkeiten mit einem jungen Clint Eastwood nachgesagt. Und obwohl Strong bisher nur in Nebenrollen (Black Hawk Down, Get Carter) Erfahrungen sammeln konnte, gibt er den emotionslosen Cop mit tragischer Vergangenheit sehr glaubwürdig zum Besten. Seine Figur erinnert an die früheren Actionhelden der 80er Jahre, dementsprechend wortkarg und brutal geht er als Sean Riley hier auch zur Sache. Tättowiert, unrasiert und die Knarre stets im Anschlag muss er mit dem Neuling Will Ganz (Kevin Phillips) zusammenarbeiten. Die Beiden untersuchen eine ganze Reihe von Morden, im Mittelpunkt steht Seans alter Kriegskammerad und Kumpel Colin (Sean Patrick Flanery). Colin wird von einem gnadenlosen Killerkommando unter Raymond Crowe (Costas Mandylor) gejagt, welche in der Vergangenheit als Söldner bestialische Verbrechen begingen. Sean und Will finden sich bald in einer gefährlichen Situation wieder, auch droht Sean Ärger von der Dienstaufsicht.

Wir finden uns im verwüsteten New Orleans wieder, wo Hurricane Katrina im August 2005 wütete. Kaufman will uns bewusst keine exotische und sonnige Kulisse liefern, sein "Sinners and Saints" zeigt seinen Helden in einer kargen und depressiven Welt, passend zur tragischen Vergangenheit von Sean. Damit ist nicht nur der Irakkrieg gemeint, sondern auch das Schicksal seines Sohnes, der an Leukämie erkrankte. Seine Frau verließ ihn für immer, seitdem hat Sean nichts mehr zu verlieren und demenstprechend waghalsig geht er bei den Einsätzen vor. Der plötzliche Tod seines Partners Dave (Kim Coates) reißt ihn in ein weiteres Tief, dann das mysteriöse Verhalten von Colin, welches der Schlüssel zu der folgenden Geschichte ist. Dabei gefallen Kaufmans Charakterzeichnungen, es gelingt ihm tatsächlich bei den wichtigen Figuren in die Tiefe zu gehen, nur das Zusammenspiel zwischen Crowe und dem russischen Gangster Rhykin (Jürgen Prochnow) bleibt zu schleierhaft. So sind die größten Mankos von "Sinners and Saints" mal wieder bei der Story zu finden. In der ersten halben Stunde weiß man leider gar nicht so recht, um was es eigentlich geht, auch weil uns Kaufman massenhaft Charaktere um die Ohren knallt. Doch er kriegt noch die Kurve, aber im Endeffekt sollte man vom Kern der Story nicht zu viel erwarten. Betrachtet man die Sache nüchtern, so wird aus der Story mehr gemacht, als sie in Wirklichkeit ist. Daraus resultieren auch kleinere Hänger, die "Sinners and Saints" zwischen den brutalen Actionszenen besitzt.

Aber das hört sich jetzt schlimmer an als es ist, denn die brillant inszenierten Actionszenen wissen zu versöhnen. Die Shootouts mit enorm hohem Munitionsverbrauch sind weit über dem gängigen B-Niveau, einige Stilmittel und die Kompromisslosigkeit sorgen für den letzten Schliff. Dabei verliert Kaufman nie den Sinn für die Realität aus den Augen, die Schießereien hier wirken sehr realitätsnah, sind laut und hinterlassen einen hohen Bodycount. Die Blutbeutel platzen in Dutzenden, CGI ist ganz rar gesäht. Einen Kampf bekommt Sean auch spendiert, gerade davon hätte ich mir mehr gewünscht, denn ansonsten lässt Kaufmann nur die Waffen sprechen.
Doch wie schon erwähnt punktet "Sinners and Saints" besonders durch seine glaubwürdigen Darsteller. Nicht nur Kevin Phillips (Blood and Bone, S.W.A.T.: Fire Fight) gibt eine suveräne Vorstellung als Detective Ganz, sondern auch der sonst so blasse Costas Mandylor (Hyenas, Saw 3D - Vollendung) blüht in seiner Fieslingsrolle richtig auf. In weiteren Rollen Tom Berenger (Mörderischer Vorsprung, Sniper - Der Scharfschütze) als Captain Trahan, Sean Patrick Flanery (Deadly Impact, Der Blutige Pfad Gottes 2) als Colin  und ein eher routinierter Jürgen Prochnow (Das Boot, Judge Dredd) als russischer Gangster Rhykin.

"Sinners and Saints" bewegt sich fast auf A-Niveau, nicht nur dank der Optik, sondern auch wegen seiner guten Darsteller. Desweiteren überzeugt Kaufmans zweite Regiearbeit durch seine Kompromisslosigkeit, den menschlichen Figuren und den toll choreographierten Actionszenen. Dagegen sieht es mit der Story ein wenig mau aus, die ein- oder andere Länge konnte Kaufman leider nicht kaschieren. Trotzdem erwachsenes Actionkino, nicht perfekt, aber trotzdem respektabel.

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