"Ein König im Geiste."
"Prince of Persia: Der Sand der Zeit" basiert auf gleichnamigem Videospiel aus dem Jahre 2003. Die Produktion von Jerry Bruckheimer erweist sich als gewohnt aufwendig allerdings weit weniger innovativ, als es das Spiel seinerzeit war.
Beeindruckt von der Gewandtheit und dem edelmütigen Charakter des Waisenjungen Dastan (Jake Gyllenhaal) nimmt Perserkönig Sharaman (Ronald Pickup) ihn als drittes Kind auf. Neben den beiden Königskindern Garsiv (Toby Kebbell) und Tus (Richard Coyle) wächst er im Palast auf und beweist Jahre später sein kämpferisches Geschick während dem Angriff auf die heilige Stadt Alamut. Onkel Nizam (Ben Kingsley) lieferte Beweise, dass die Einwohner von Alamut Waffen an Feinde der Perser liefern. Allerdings erweist sich die Eroberung der Stadt als Komplott. Kurz nach der Ankunft des Königs erliegt dieser einem vergifteten Mantel, den ihm Dastan als Willkommensgeschenk übergeben hat. Durch den Verdacht des Mordes flüchtet Dastan gemeinsam mit der widerspenstigen Prinzessin von Alamut Tamina (Gemma Arterton), ohne zu wissen, dass sie die Hüterin eines mächtigen Artefaktes ist. Einem juwelenbesetzten Dolch, den Dastan während der Kämpfe in Alamut an sich genommen hat. Dieser ermächtigt dem Besitzer die Zeit zurück zu drehen um geschehene Dinge ungeschehen zu machen.
Videospielverfilmungen waren schon immer ein gefährliches Unterfangen, müssen sie doch einerseits die Fanbasis zufrieden stellen, andererseits auch alleinstehend eine eigenständige Welt aufbauen, um das unwissende Publikum zu unterhalten. Das Spiel allein betrachtet bietet nicht genügend Stoff, hangelt der titelgebende Prinz meist doch nur von Plattform zu Plattform, manipuliert die Zeit um Rätsel zu lösen oder verausgabt sich in stylish angehauchten Kämpfen. Der Handlungsrahmen dazu ist überschaubar. So wie bei vielen Videospielverfilmungen wurde also auch für "Prince of Persia: Der Sand der Zeit" die Handlung um einige Aspekte erweitert, die aber nicht weiter stören.
Athletisch ist er, der Prinz. So wie man ihn in den Spielen sieht läuft, klettert und springt er über Dächer, Wände und einstürzende Gemäuer, auch wenn die Kamera dabei häufig nur einen Teil des Helden einfängt. Erfreulich dabei ist, dass "Prince of Persia" auch Teile des Gameplays der Spiele miteinbezieht. In einer Sequenz sieht man einzelne Anlaufstellen des Helden, die er nach kurzer Überlegung abläuft, um einer Schar Kämpfer den Weg abzuschneiden. Im Spiel waren dies noch Hinweise was als nächstes zu tun ist.
Die Auswahl der Drehorte, das Design und die Kostüme tragen einen erheblichen Teil zum exotischen Ambiente des Films bei. Allgemein ist "Prince of Persia" ungemein verschwenderisch für eine Videospielverfilmung. Neben herausragender Optik in Form von prächtigen, orientalischen Städten bietet der Abenteuerfilm ein für Bruckheimer Produktionen typisches Effektgewitter. Computeranimierte Sandstürme und detailliert zusammenfallende Gemäuer sind visuelle Höhen, ebenso wie die Benutzung des Dolches der Zeit.
Verwunderlich dagegen ist die hektische Kameraführung, die während rasant inszenierten Actionsequenzen den Bildausschnitt teilweise so nah am jeweiligen Darsteller zentriert, dass kaum etwas von den Kampfchoreographien zu sehen ist. Geradezu halbherzig feuert "Prince of Persia" Verfolgungsjagden, Kampfszenen und akrobatische Höchstleistungen heraus ohne ein Gespür für Bildkomposition, Timing und Schnitt zu entwickeln.
Der echte Durchhänger zeigt sich jedoch im innovationsarmen Drehbuch. Was man als Zuschauer zu sehen bekommt wirkt erschreckend bekannt und abgedroschen. "Prince of Persia" zählt seine Ereignisse auf ohne Spannung zu erzeugen. Nennenswerte Konfliktsituationen und jeglicher emotionaler Tiefgang sind nicht auffindbar, die vorgestellten zwischenmenschlichen Beziehungen funktionieren nicht. Zu absehbar ist die Handlung, gerade für diejenigen, die die Spielereihe kennen. Selbst die bieder aufgebaute Romanze fügt dem Kontext eines modernen Märchens nichts bei.
Desweiteren entzieht die heitere Präsentation die Ernsthaftigkeit des Films ohne mit seinen modernen Floskeln zu unterhalten. Ärgerlich, denn echte Höhen sind sichtbar, werden aber nicht ausgereizt.
Die Besetzung der eindimensionalen Figuren ist namhaft. Neben einem sichtlich durchtrainierten Jake Gyllenhaal ("The Day After Tomorrow") darf vor allem Gemma Arterton ("Ein Quantum Trost") ihre Vorzüge zur Schau stellen, was die jugendliche, überwiegend männliche Zielgruppe erfreuen dürfte. Schwergewichte wie Ben Kingsley ("Schindlers Liste") und Alfred Molina ("Spider-Man 2") vervollständigen das Ensemble, ohne groß auf sich aufmerksam zu machen.
"Prince of Persia: Der Sand der Zeit" ist eine ungewöhnlich aufwendige Videospielverfilmungen im optischen Bereich, was Effekte und Darsteller betrifft. Daneben präsentiert sich der Abenteuerfilm reichlich flach. Die Ereignisse der schlichten Handlung werden wie ein Aufgabenblatt von oben nach unten abgehakt ohne groß Spannung zu erzeugen. Unglaubhafte Passagen, klischeehafte Figuren der Marke Disney sowie der Mangel an Ernsthaftigkeit bieten weiteren Grund zur Kritik. Antiquiert ist das bildgewaltige Abenteuer und somit beinahe eine Verschwendung der wenigen eindringlichen Höhen des Films, die sich nicht entfalten.
5 / 10