Review

Wenn die Mumie Pause macht, schickt man eben andere Typen in die Wüste!
Zu den extrem lang in der Konzeptionsabteilung verweilenden Spieleverfilmungen in Hollywood gehörte eindeutig "Prince of Persia", der aufgrund seiner exotischen Location und seines hohen Abenteueranteils natürlich familienfreundliche Breitwandware versprach. Von den Fans seit Jahren herbeigewünscht, hatte das Fantasyabenteuer aus beinahe 1001 Nacht lange genug geköchelt und war 2010 dann endlich servierfertig.
Und man hatte wirklich enorme Anstrengungen unternommen, das Unternehmen nicht ganz so hohl und spieleaffin zu gestalten, sondern sich wirklich an eine filmisch akzeptable Umsetzung gemacht.

Im Zentrum dieses aus Mythen und Märchen zusammen gesuchten Spektakels steht ein kühner Prinz, der seinen Job als Königssohn seiner aufrecht-rotzigen Art als Straßenjunge verdankt, der ihm schließlich die sultaneske Adoption einbrachte, wenn auch nur als Nr.3 in der Thronfolge. Stattfinden tut der Emirsaufmarsch in einem imaginären Orient, wo es noch deftig staubt, während der Orangefilter Höchstarbeit verrichtet und das Wünschen eben zeitweise noch geholfen hat.
Aufgrund seines jähen sozialen Aufstiegs ist Dastan aber ein treusorgender Sohn geworden, der allerdings mit der Etikette nicht so viel am Zaun hat und sich mit den Kumpels vom Militär lieber mal die Fresse polieren läßt. Schließlich hat er ja noch zwei Brüder, auch wenn der Eine noch nicht den weisen Durchblick von Vatern bersitzt und der Andere sowieso lieber erst zusticht und dann fragt, ob du das Kamel geklaut hast.

Der familiäre Reigen, zu dem auch noch Ben Kingsley als des Königs Brüderchen gehört, geht spätestens dann den Bach runter, als man eine heilige Stadt angreift (und erobert), in der sich die Reliquie eines Dolchs befindet, der wiederum den Sand der Zeit beinhaltet. Bis man das und die zeitzurückdrehende Wirkung jedoch erklärt bekommt, ist das Kind schon im Brunnen, der König tot und Dastan auf der Flucht. Und wie es in kernigen, modernen und emanzipierten Wüstenabenteuern nun mal so ist, hat er die schnieke Hohepriesterin an den Hacken, die natürlich ihr Brotmesser wiederhaben möchte, bevor die Welt untergeht.

Was dann folgt, ist eine Reihe von abenteuerlichen bis gefährlichen Episoden, die kunstvoll, aber nicht sonderlich erfolgreich verschleiern, daß hier natürlich eine familiäre Intrige ihre zerstörerische Wirkung zeigt. Gefangennehmen, mit dem Tode bedrohen, Chaos anrichten, wieder fliehen, "Prince of Persia" hat alles, nur eben trotz eines eher auf Komplikation ausgerichteten Plots keine wirkliche Überraschung. Dennoch, recht komplex ist das alles schon konstruiert, nur ist man als Zuschauer bald schlauer als die Protagonisten, für die man sich ausgerechnet den Schwiegermuttertraum Jake Gyllenhaal ausgesucht hat, dem realistische Knopfaugenrollen besser stehen. Der hat dann fleißig Muskelmasse zugelegt und macht auch gar keine schlechte Figur als Hansdampf in allen Gassen, muß allerdings dem Infostand von Zuschauer und Intrigant meistens etwas unglücklich hinterher hoppeln. Damit wir die Exposition nicht aus den Augen verlieren, haben wir ja noch Prinzessin Tamina, dargestellt von der einigermaßen optisch passenden Britin Gemma Arterton, die allerdings nicht gerade eine Shakespeare-Mimin ist und laut Skript immer nur dann mit weiterführenden Infos rausrückt, wenn sie ihrer Haßliebe mal wieder den Allerwertesten retten muß.

Das Drehbuch setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um den Verdacht des Verrats auf die Brüder unseres Helden zu lenken, aber so subtil ist die Story dann auch wieder nicht, also darf man sich mit enorm viel Lauferei, Kletterei, Springerei und Fighterei vergnügen, was sich aber nicht eben in extremen Härten niederschlägt. Zwischendurch heitert Alfred Molina als geldgeiler Rebellenscheich den forcierten Screwballwitz des Hauptrollenpärchens auf und schlußendlich schickt man dann noch etwas fernöstliche Mystik und maskierte Assassinen ins Rennen, obwohl wir doch alle wissen, wie eine Geschichte ausgehen muß, die einen Zeitmaschinendolch ins Zentrum setzt.

Ja, "Prince of Persia" ist Entertainment auf der großen Skala, bunt, reichhaltig und prachtvoll in der Ausstattung, immer in Bewegung und voller interessanter Figuren, aber es ist auch stets leichte Kost. Dafür sorgt Mike Newell, der für gewöhnlich eher romantische Komödien dreht und somit das richtige Händchen für die Geschichte hat - hier aber angesichts der Steifheit der Romanze auch nicht viel ausrichten kann. Also erinnerte er sich wohl an seine Big-Budget-Erfahrungen mit dem vierten Harry-Potter-Film und schöpfte ganz einfach aus dem Vollen, so daß die Stephen-Sommers-Fans, die die "Mumie" und ihre Epigonen vermissen sich ganz wie zuhause fühlen könnten, nur eben ohne den albernen Slapstick zwischendurch.
So pendelt sich das Abenteuer in einer soliden Mitte ein, niemals im Stillstand begriffen, nicht langweilig, aber auch nicht wirklich herausragend, weil eben doch höchst vorhersehbar. Gyllenhaal tut sein Möglichstes, um knuffig und angemessen heldisch rüberzukommen, aber der bärige Indie-Charme geht ihm auf Teufel komm raus einfach nicht ab, so daß gestandene Darsteller wie Ben Kingsley eben auch nur knapp über par spielen müssen, den Rest erledigen dann die Schauwerte.

Ab zwölf Jahre ist der Wüstenprinz somit ein Abenteuer durch alle Altersklassen, nur eben nicht das absolute Highlight, das nie Dagewesenes zeigt, sondern nur eine geschickte Anordnung teurer Abenteuerfantasy-Elemente. Das genügt aber trotzdem für einen kuscheligen Abend mit Frau oder Freundin, wobei beide Seiten zwar jederzeit miteinander knutschen können, es aber nicht müssen, falls einer Kopfschmerzen bekommt. Oder Sand in die Unterhose. (6/10)

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