Review

Die Prämisse erinnert an eine Mischung aus dem deutschen Thriller „Fleisch“ von 1979 und „Saw“ für Schwangere, denn der wahre Alptraum für Hochschwangere ist nicht etwa eine Fehlgeburt, sondern mit frisch durchgeführtem Kaiserschnitt und einer Naht aufzuwachen und das eigene Kind zu vermissen.
Was an dem Fall, der sich so ähnlich Ende der Siebziger im australischen Outback zugetragen haben soll, wirklich dran ist, sei hingegen eher vorsichtig dahingestellt.

Die schwangere Beth und ihr Verlobter Cameron sind an Heiligabend auf dem Weg zu ihren Eltern, als sie fast von der Landstraße abgedrängelt werden. In einem heruntergekommenen Hotel wollen sie übernachten, doch als Cameron kurz das Zimmer verlässt, ist Beth verschwunden.
Die erwacht in einer Badewanne voller Eis und trifft kurz darauf drei weitere Leidensgenossinnen, ebenfalls mit frischer Naht am Bauch. Doch was haben die Drahtzieher im Hintergrund mit den Frauen und ihren Neugeborenen vor?

Nach recht flüssigem Einstieg und der Sichtweise des suchenden Verlobten, benötigt die Erzählung eine Weile, um an Fahrt aufzunehmen. Beth erwacht in einem umfunktionierten Fabrikgelände mit vielen Räumen und einem Außengehege mit Kühen inmitten der Einöde.
Die vier Frauen finden heraus, dass sie auf bestimmte Art und Weise um ihr Baby kämpfen müssen, wobei eine bis dato Unbekannte sogar bereit ist, über Leichen zu gehen, um ihr Baby zurückzubekommen.
Da man von den Drahtziehern lange Zeit nichts weiter mitbekommt, als Hinterköpfe im Monitorraum und von denen nicht aktiv ins Geschehen eingegriffen wird, könnten die Damen bisweilen ein wenig taktischer zu Werke gehen, anstatt recht ziel - und planlos durch die Gänge zu irren.

Recht spannend gestaltet sich für eine Weile der Nebenhandlungsstrang des suchenden Cameron, der mit seiner unerbittlichen Entschlossenheit kurzfristig zum Sympathieträger reift, während Beth anfangs ein wenig zuviel heult, um später noch zur toughen Heldin zu mutieren. Leider vernachlässigt das Drehbuch diesen Pfad kurz vorm letzten Drittel und hält den Fokus einzig auf unsere unfreiwilligen Amazonen, deren Vorankommen phasenweise als eher schleppend zu bezeichnen ist.

Immerhin bindet der Showdown noch den einen oder anderen Twist ein und offenbart eine grimmige Pointe mit moralisch unsäglichem Motiv, was das Mitfiebern gegen Ende noch einmal deutlich erhöht.
Man erfährt den kompletten Zusammenhang der römischen Ziffern auf den gelben Shirts der Frauen, wird darin bekräftigt, sensibel mit debilen Trotteln umzugehen und erhält unverhofft einen möglichen Weg, die Vergangenheit neu aufzuarbeiten.

Mit eher schlichten Mitteln inszeniert Autor und Regisseur James Rabbitts den nicht durchweg spannenden, aber atmosphärisch recht bedrückenden Stoff. Kameratechnisch solide, kommt vor allem die Abgeschiedenheit des Komplexes gut zur Geltung, aber auch die Verzweiflung der Frauen wird darstellerisch glaubwürdig transportiert.
Splattertechnisch gibt es ein paar offene Bauchwunden, ansonsten eher die Folter auf psychischer Ebene, denn Ausweglosigkeit gepaart mit Ungewissheit sticht zuweilen härter zu als ein Messer im Rücken.

So ist es denn auch primär der erdrückenden Grundsituation zu verdanken, dass das Interesse annähernd latent bestehen bleibt, auch wenn bis zum Finale kaum einschneidend mitreißende Ereignisse zu verzeichnen sind.
Zwischen der Flucht vor einem bissigen Hund und der Verfolgung einer langen Blutspur auf dem Boden wird genügend Raum zum Mitfiebern geboten, denn die fiese Pointe rechtfertigt durchaus den einen oder anderen leichten Hänger im Mittelteil.
Kein bahnbrechend innovativer Stoff, aber für eine Sichtung ohne Einschränkung zu empfehlen.
6 von 10

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