Review

Weihnachten ist nicht mehr weit. Das dachten sich wohl auch die pfiffigen Mitarbeiter meines Sneak-Kinos und krachten dem, hauptsächlich volljährigen Sneak-Publikum, bestehend hauptsächlich aus Kinonerds, Studentengruppen und sonstigen Freundeskreisen, mal eben dieses familienfreundliche Weihnachtsfilmchen, Anfang November, in ihr, über alles geliebtes, Donnerstagabendprogramm. Unpassender gehts nicht, was? Aber nun gut, da man als eingefleischter Sneaker ja schon so ziemlich alles gesehen hat und ich persönlich ja bekanntlich eh nichts gegen Weihnachtsfilme habe, zumindest nicht zur richtigen Zeit, hat man sich "Der Weihnachtsmuffel" doch über sich ergehen lassen. Nur um am Ende festzustellen: Mehr 08/15 geht eigentlich kaum.

"Der Weihnachtsmuffel" ist wirklich mit das Typischste, was es so unter den Weihnachtsfilmen gibt. Egal wo man auch hinschaut, alles ist wirklich exakt so, wie man es von einer Weihnachtskomödie für die Familie erwarten würde, und so wie es der wohl größte Teil, der nicht mit Kindern angereisten Kinogänger, eigentlich nicht haben will. Es kitscht an allen Ecken und Enden und die Story ist ein Hauch von Nichts, vollkommen zugeschüttet mit den unlogischsten Sachen, die einen zu Weihnachten das Herz erfreuen sollen. Es geht um einen Lehrer der ein Weihnachtsmuffel ist. Dennoch soll er dieses Jahr wieder ein Krippenspiel inszenieren, zusammen mit seiner unfähigen Klasse. Das ihm das natürlich gar nicht recht ist dürfte jedem klar sein und das es am Ende doch funktioniert erst recht. Kurzum, ein heile Welt-Schinken, wie zu Weihnachten üblich.

Was diesem Film jedoch abgeht, ist nahezu jegliche Eigenständigkeit. Denn auch wenn die meisten Weihnachtsfilme ähnlich dünne Geschichten zu bieten haben, so versuchen sie doch meist immer noch irgendwo eine plausible Erklärung dafür zu finden, warum alles so friedlich und liebevoll ist und wie es zu dem unausweichlichen Happy End kommt. Dies hat "Der Weihnachtsmuffel" jedoch anscheinend nicht nötig und spult hier lieblos und fade seine Geschichte ab. Weder gibt es eine wirkliche Erklärung dafür, warum die Kinder hier alle so untalentiert sein sollen, noch wie sie es letztendlich doch schaffen, das Krippenspiel auf die Beine zu stellen. Zudem muss auch immer wieder eine Nebengeschichte eingefädelt werden, in der wir unsere Hauptfigur dabei sehen, wie er das letzte Weihnachten mit seiner Freundin verbracht hat und wie er sie versucht zurückzugewinnen (was so derart einfach sicher niemand erwartet hätte). Kurzum, hier sind wirklich alle Hebel auf "Friede-Freude-Eierkuchen" gestellt, niemand ist wirklich böse, alles was man will funktionert hier mit einem Fingerschnippen und zum Schluss ist wirklich jeder in Weihnachtsstimmung (zumindest im Film). Unrealistischer geht es, selbst für einen Film dieser Art, kaum.

Da kann der Film fast von Glück reden, dass er aus Großbritannien kommt und man es wenigstens mit dem Humor einigermaßen geschafft hat zu unterhalten. Auch wenn man wirklich bissige Witze hier natürlich nicht erwarten kann, so lassen sich nicht selten einige gute Gags ausmachen. Der überdrehte Mr. Poppy hat z. Bsp. doch so einige verrückte Ideen auf Lager, wenn er mit den Kids bei einer Geburt zuschauen geht (schließlich sollen die Kids ja wissen, was sie tun, wenn sie Jesu Geburt nachstellen) oder völlig verschlafen seinen Wöhnwagen öffnet, zusammen mit einem Schaf an der Leine. Dazu auch die ganze Schar von Kindern, die allesamt kaum an den Nerven zerren, teilweise sogar echt niedlich sind und auch für so manchen Gag in Sachen "Kindermund tut Wahrheit kund" gut sind. Vor allem einer hat es drauf und begeistert mit seinen kecken Sprüchen und äußerst coolen Moves dann doch mal sein Publikum. Kurzum, auf (meist) ganz harmlose Weise ist ein gewisser Unterhaltungsgrad, trotz allen genannten Defiziten, vorhanden.

Erst wenn es auf das finale Krippenspiel, im Rahmen einer Musicalsequenz, zugeht, dürfte der ein oder andere wieder Schiss bekommen. Denn eine Gruppe Halbwüchsiger, die ein Krippenspiel in Musical-Form aufführen, dürfte kaum jedermanns Sache sein. Doch Musicalfans, die keine Angst vor Kindergesang haben, werden merken, dass auch diese Sequenz gelungen ist und durchaus Freude macht. Denn die Kids haben letztendlich wirklich einiges drauf und präsentieren ein Krippenspiel, dass definitiv mehr Spaß macht, als die üblich biederen Stücke, die man sonst so von Kindern kennt. Das man die Texte eingedeutscht hat mag dabei sicher nicht die beste Idee gewesen sein, da man es hier jedoch mit einem 100% Familienfilm zu tun hat, ist dies für die deutschen Verleiher kaum umgehbar. Kurzum, die Musicalsequenz rettet alles in allem noch so einiges, bevor das schwülstige, ja regelrecht furchtbar kitschige und unlogische Happyend, wieder alles zerstört. Na ja, seis drum...

Was die Darsteller angeht, kann man soweit zufrieden sein. Die Kids brauche ich nicht noch einmal erwähnen. Sie machen ihre Sache, wie schon gesagt, alle ganz gut. Hauptdarsteller Martin Freemann gibt hier den "Weihnachtsmuffel" Paul, wenngleich "Weihnachtsmuffel" sicher ein wenig zu hoch gegriffen ist. Er gibt eine solide Figur ab, genau wie Pam Ferris als Direktorin, Jason Watkins als "böser" Gegenspieler und Ashley Jensen, bekannt aus "Extras", in der Rolle als Pauls Freundin. Und Marc Wootton als naiver und kindischer Mr. Poppy, passt wie die Faust aufs Auge, für diese, mal nervige, mal lustige Figur. Kurzum, hier ist alles soweit im grünen Bereich.

Fazit: "Der Weihnachtsmuffel" ist eine Weihnachtskomödie für die Familie, wie sie kaum durchschnittlicher nicht sein kann. Alles wird aufgefahren, was Weihnachtsfilme in der Regel so in sich haben, nur nicht selten schlimmer als sonst üblich. Es kitscht wo es nur geht, die Story ist eine einzige, unpassend zusammenkonstruierte, Sache, unrealistisch bis ins Mark und mit einem der furchtbarsten Happy Ends, die das Genre so zu bieten hat. Dafür bietet der Film aber auch nicht selten gelungenen, wenn auch harmlosen Humor, eine ganze Schar von talentierten und sympathischen Kids und eine Musicalsequenz, die zwar sicher nicht jedermanns Geschmack ist, aber bei Musicalfreunden, die keine Afinität zu Kindergesang haben, dennoch gut ankommen dürfte. Letztendlich also ein Film, den man sich in weihnachtlich verliebter Familienrunde mit Kindern, an einem verregneten Adventsabend, schon mal ansehen kann. Zu anderer Zeit und in anderer Runde aber Finger weg!

Wertung: 5/10 Punkte

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