Review

Zu viel Luft in der Lunge für eine zu kleine Trompete


„Ink“ erzählt eine ausufernde, (über-)ambitionierte, womöglich metaphorische und definitiv epische Fantasygeschichte in der natürlich Gut gegen Böse kämpft, wo ein Mädchen und ihr alleinerziehender Vater in eine verwirrende Welt gezogen werden. Zwischen großen Nasen, Amateurfilmmängeln, Overacting und Do-It-Youself-„Charme“. Als ob man eine flache Mixtur aus „Sandman“ und „The Dark Tower“ in einen 100-minütigen Fanfilm steckt - wild, mutig, aber auch unübersichtlich und ärgerlich. Schwer zu bewerten, da Ein-Mann-Armee Jamin Winans eigentlich verdammt große Eier zeigt und seine Vision einfach umsetzt - etwas, das Kritiker wie ich, egal ob professionell oder amateurhaft, sich meist nicht trauen…

In seinen besten Momenten erinnert „Ink“, der sich in manchen Kreisen zu einem kleinen Amateurkultfilm gemausert haben soll, an sowas wie „Versus“, „Phantasm“, „Equilibrium“ oder „12 Monkeys“, mit einem Schuss Schlafparalyse und einem Pint Laientheater. Oft genug habe ich da gedacht: „Man, warum hast du das Drehbuch oder die Idee nicht einfach an Hollywood verkauft, jemand anderem überlassen oder gewartet, bis du mehr Erfahrung und Geld hast!“. Anderseits kann ich es Winans null übel nehmen, wenn er seinen Traum einfach nicht nur Traum bleiben lassen wollte. Dafür hat er meinen Respekt. Dennoch kann ich „Ink“ nicht als gelungenen, runden Film ansehen. Im besten Fall interessant bis faszinierend. Für mich jedoch nie gut. Die lediglich 250.000 $ Budget sieht man fast durchgehend, die meisten Darsteller wirken heillos überfordert und eher wie Freunde des Regisseurs, die ihn bei seinem massiven Unterfangen nicht allein lassen wollten oder ihm noch einen Gefallen schuldeten. Vor allem der Look und die Kamera sind schmerzhaft hässlich. Einige Fights sind okay, es gibt einen sehr persönlichen, emotionalen Kern und das gesamte Worldbuilding macht keine Gefangenen, geht von Anfang an all-in. Samt Parallelwelten und ewig währenden Kriegen. Manche Bilder und Ideen, wie der Look der fiesen, mysteriösen Incubi, sind sogar richtig gut. Insgesamt sind der Kampf um seine Tochter und der Kampf um die Welt, die Träume, die Hoffnung zwischen „den Storytellern“ und „den Incubi“ jedoch auf dem Papier und wohl in Winans Kopf heillos zu groß für alle Mittel, die ihm gegeben waren. 

Fazit: viele famose Ideen, viel Mut, heftiges Worldbuilding. Und das alles für einen glasklaren Indiefilm. Leider insgesamt aber auch überfordert an jeder seiner eigenen Ecken und Enden, Anfänge und Ursprünge, Ziele und Wege. Enthusiastisch gescheitert. Im besten Fall ein Achtungs- und Teilerfolg. Für mich eher ein epischer Fehlschlag. Leider. 

P.S.: Dennoch werde ich dem regietechnischen Nachfolger „The Frame“ früher oder später eine Chance geben, da es durchaus augenöffnende und andersartige Ansätze gibt! 

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