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Als Anna Taylor (Christina Ricchi) nach einem Autounfall erwacht sagt ihr der freundliche Eliot Deacon (Liam Neeson), dass sie bei dem Unfall ums Leben kam und er ihre Leiche einerseits für die Trauerfeier präparieren soll und ihr andererseits helfen will die Übergangsphase ins Leben nach dem Tod zu meistern.

Da Anna sich für eine Leiche noch recht lebendig fühlt und auch körperlich so gar nicht tot erscheinen will hegt sie berechtigte Zweifel an Eliot`s Aussagen. Dieser jedoch schließt sie in seinem Präparationszimmer ein und rät ihr die Zeit bis zum Begräbnis zu nutzen.

Bis dahin lernen wir Paul (Justin Long), Annas Verlobten und den kleinen Jungen Jack (Chandler Canterbury) kennen, die im weiteren Verlauf der Handlung noch wichtige Rollen spielen werden...

Zur Story von Agnieszka Wojtowicz-Vosloo`s Streifen „After.Life“ darf man nicht mehr sagen, ohne potenziellen Zuschauern die Spaß daran zu verderben.

Die Kernfrage ist hier „Lebt Anna oder ist sie tot?“. Darum dreht sich letztlich der ganze Film und das Drehbuch schlägt dabei Haken ohne Ende bis zum Schluss, liefert Hinweise für beide Möglichkeiten und hält dabei die Spannung extrem hoch.

Dabei liefert das Script nicht nur jede Menge an Spannung und Wendungen, sondern auch Raum über die drei Tage zwischen Tod und Begräbnis, in denen die Seelen der Verstorbenen die Körper verlassen sollen nachzudenken.

Wo Licht ist, ist aber auch Schatten, denn ansonsten wäre „After.Life“ einer der Horror-Thriller überhaupt geworden. Die Probleme liegen hier massenhaft in der Logik des Scripts, einigen Charakteren sowie in anderen Teilen der Produktion verborgen.

Als Beispiel für die Logik führe ich hier mal an, dass in einer Szene, als Eliot seine Schlüssel im Raum wo Anna sich aufhält „verliert“. Den Verlust bemerkt er erst einige Zeit später, Anna jedoch schließt sich damit eine Tür auf, die eigentlich gar nicht verschlossen sein kann, da Eliot diese ja mangels Schlüssel gar nie verschließen konnte...

Derlei auffällige oder auch etwas weniger auffällige Logik-Löcher tauchen hier leider recht häufig auf. So häufig, dass letztlich im Zusammenwirken mit einigen anderen Mängeln der Eindruck des ganzen Films ernsthaft in Schieflage gerät.

Nahezu alle Charaktere sind recht eindimensional geraten und füllen ihre Dialoge meist mit Phrasen und Klischee-Sprüchen, die zwar dazu dienen die Spannung aufrecht zu erhalten und mehr erwarten lassen, als die Story letztlich wirklich an Tiefe zu bieten hat.

Die Darsteller sind insgesamt ordentlich bis gut, einzig Justin Long, der den Paul verkörpert, fällt dabei nicht nur rollenbedingt etwas negativ aus dem Rahmen. Auch der Rhythmus der Inszenierung  kann nicht ganz gefallen, denn immer wieder wechseln sich die intensiveren, interessanteren Szenen von Eliot und Anna mit eher nervigen von Paul ab. Gerade in diesem Vergleich hätte man sich gewünscht, dass der leidige Verlobte erst gar nicht im Script gestanden hätte. Eine Art Kammerspiel zwischen Ricchi und Neeson wäre hier sicherlich wirkungsvoller gewesen.

Fans von Splatter und Gore werden an „After-Life“ nur wenig Freude haben, der Streifen setzt neben den Wendungen und der Spannung zwar auch auf Neesons Umgang mit allerlei Gerät das Präparatoren von Leichen so verwenden mögen, so richtig derb wird das Ganze dadurch aber nicht. Man setzt hier vielmehr auf den etwas morbiden Reiz, den diese Instrumente auf den Zuschauer ausüben, ohne gleich hektoliterweise Kunstblut am Set zu vergießen.

Fazit: After.Life ist ein wendungsreicher Horror-Thriller geworden, der aber zu sehr darauf setzt das Publikum nur dadurch für sich gewinnen zu wollen. Etwas mehr Augenmerk auf andere Gesichtspunkte hätte dem Streifen gut getan und ihm eine höhere Bewertung meinerseits eingebracht.

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